Star Sailors League: Finale startet live um 16:45h – Zwei deutsche Vorschoter in Top Ten

Youngster überraschen

Der schottische Laser-Europameister Lorenzo Chiavarini und sein bayerischer Vorschoter Kilian Weise sind die große Überraschung beim Star Sailing League Finale in Nassau. Die beiden 25-Jährigen qualifizierten sich trotz zweier nicht beendeter Rennen wegen Materialbruchs auf Rang drei für das Finale der zehn besten Starboot-Segler, dass am Samstag ab 16:45 live übertragen wird.

Lorenzo Chiavarini (l.) und Kilian Weise © SSL

Der WM-Achte im Laser, der mit zwei britischen Konkurrenten im Februar bei der WM in Melbourne noch um die Olympiafahrkarte beim Team GBR kämpft, trumpft auf den Bahamas groß auf und bildet mit dem jungen deutschen Vorschoter ein starkes Gespann, das den großen Namen bisher ausgezeichnet Paroli bietet.

Frithjof Kleen ist mit Dieogo Negri Zweiter nach der Qualifikation. © SSL

Die Youngster konnten in der Qualifikation nur den Polen Mattheusz Kusznierewicz – segelt mit Robert Scheidt’s ex Vorschoter Guillermo Prada – sowie Diego Negri mit dem deutschen Dauerbrenner Frithjof Kleen an der Vorschot nicht ausbremsen.

Überraschende Opfer des Cuts wurde Starboot-Olympiasieger Freddy Loof als 13. und Hamish Pepper aus Neuseeland (11.). Diesmal sind 23  Teams aus 22 Nationen am Start. Die Qualität bewegt sich nach wie vor auf höchstem Niveau. Allerdings sind viele Stars aus den Olympiaklassen, die jeweils als VIPs jeweils für den besonderen Glanz sorgten, diesmal nicht am Start. Die heiße Phase der Olympiavorbereitung ist zurzeit in vollem Gange.

Das spannende Qualifikationsprinzip bei der SSL

Die Pressemitteilung von vorletzten Tag:

Beim Finale der Star Sailors League (SSL) im Traumrevier der Bahamas ist am Freitag am Ende der viertägigen Qualifikationsserie die Entscheidung darüber gefallen, welche zehn Teams in die Finalrunden am „Super-Samstag“ einziehen. Vor der Krönung der „Stars der Segelwelt“ kam es am Abend zum ersten großen „Cut“. Weshalb an diesem vierten Segeltag einmal nicht die Spitzenreiter, sondern das intensiv um den Einzug in die nächste Runde kämpfende Mittelfeld im Rampenlicht stand. Rund um Platz zehn herum rangen die Crews um ihr sportliches Überleben.

Ergebnisse Star Sailors League Finale 2019

In Nassaus Montagu Bucht hatten sich die Segelbedingungen an diesem Tag im Vergleich zu den vorherigen Tagen deutlich verändert. Es ging auf glattem Wasser und erstmals in auflandigen Winden aus östlicher Richtung zur Sache. Die sehr leichte Brise wehte nur ganz selten einmal mit mehr als fünf Knoten. Damit standen die Segler vor einer ganz neuen Prüfung: Ihre wichtigste Aufgabe: das Boot unter allen Umständen in Fahrt zu halten.

Im ersten Rennen des Tages waren es die Brasilianer Henrique Haddad und Henry Boening, die bis dahin auf dem „lebensrettenden“ zehnten Platz lagen. Sie fanden auf der rechten Kursseite schnell guten Druck, bevor sie wendeten und die Flotte souverän passierten. Von da an segelten der Snipe-Weltmeister und sein erfahrener Starboot-Vorschoter, der zuvor gerade die Brasilianische Starboot-Meisterschaft mit seinem Stamm-Steuermann Lars Grael gewonnen hatte, mit beständig wachsender Führung ihrem ersten Rennsieg entgegen.

„Unsere Strategie sah vor, dass wir uns auf die ersten beiden Rennen des Tages konzentrieren. Wenn wir die gut absolvieren würden, das wussten wir, dann hätten wir eine gute Chance im Kampf um eine Top-Ten-Platzierung“, erklärte Haddad. „Im ersten Durchgang haben wir einen wirrklich guten Job gemacht. Und im zweiten konnten wir noch einmal unter die besten zehn Teams segeln. Wir hatten schon im Training gemerkt, dass wir in leichten Winden schnell unterwegs sind.“

Die Brasilianer haben den Regattatag als Siebte des Zwischenklassements beendet – und damit ihr Ziel mehr als erreicht. Haddads Zwischenbilanz: „Ich habe nicht erwartet, dass wir so gut segeln. Wir hatten uns vorgenommen, um eine Top-Ten-Platzierung zu kämpfen, aber am Ende waren wir sogar noch besser und haben mit jedem Tag mehr Selbstvertrauen gewonnen.“

Überraschend hatte es zuvor im ersten Rennen des Tages die Wiederholung einer Szene aus dem vergangenen Jahr gegeben, als die Spitzenreiter bei diesem SSL Finale erneut mit einem Frühstart disqualifiziert wurden. Mateusz Kusznierewicz und Bruno Prada realisierten das aber erst bei ihrer Ankunft an der Luvmarke. Anders als Diego Negri und Frithjof Kleen am Vortag, gerieten Kusznierewicz/Prada danach jedoch nicht ins Straucheln, sondern schlugen direkt mit ihrem Sieg im zweiten Rennen des Tages zurück. Und der fiel so deutlich aus wie jener der Brasilianer im Rennen zuvor. Schnell waren die beiden für die Konkurrenz fast nur noch am Horizont zu erkennen. „In diesen Bedingungen musst du dein eigenes Rennen segeln“, erklärte Kusznierewicz später, „wir hatten einen Plan und wussten, woher der erste Winddreher kommen würde. Wir haben uns für einen Sicherheitsstart entschieden, der aber auch gut war und uns dann auf den ersten Dreher konzentriert, der uns einen riesigen Vorteil brachte und uns deutlich von der Flotte hat wegsegeln lassen. Ich bin sehr glücklich, dass wir dieses letzte Rennen gewonnen haben, denn obwohl wir das Klassement anführen, hatten wir bis dahin noch keine Wettfahrt gewonnen. Das hat unser Selbstbewusstsein gestärkt.“

Weil der Wind schon in diesem zweiten Rennen immer leichter wurde, entschied sich die Wettfahrtleitung im Anschluss daran zur Absage des ursprünglich geplanten dritten Rennens. Damit war die Qualifikation offiziell beendet. Was besonders für jene Crews frustrierend war, die den Top Ten ganz nah gekommen waren und gerne noch eine letzte Chance zur Aufholjagd bekommen hätten.

Erleichtert dagegen nahmen die Amerikaner Eric Doyle und Payson Infelise die Entscheidung zur Kenntnis, auch wenn Doyle sagte, dass er absolut bereit gewesen wäre, das dritte Rennen zu bestreiten: „Wir waren gut in Fahrt, hatten ein schönes erstes Rennen, auch wenn wir ein paar Male Pech mit Windlöchern hatten. Wir werden besser und besser, kommen in unseren Rythmus. Da ist es immer gut, noch mehr zu segeln.”
Die Gruppe der unglücklich ausscheidenden Teams wurde an diesem für sie schwarzen Freitag von Hamish Pepper und Pedro Trouche angeführt. Der Neuseeländer und sein brasilianischer Vorschoter, der das SSL Finale im vergangenen Jahr gewinnen konnte und als Titelverteidiger angetreten war, hatten am Vortag noch ein Rennen für sich entscheiden können, doch dieser Freitag war nicht der ihre. Die Ränge 20 und 6 reichten nicht zum Einzug ins Viertelfinale, in das stattdessen als Zehnte mit acht Punkten Vorsprung Doyle und Infelise einzogen.

Auch der am Vortag noch so stark auftretende australische Matchrace-Weltmeister Torvar Mirsky und sein irischer Vorschoter Robert O’Leary hatten am letzten Tag der Qualifikation offenbar ihren guten Rhythmus verloren. Als einzige der Top Ten am Morgen (9.) fielen sie noch aus der Gruppe heraus, die am Samstag weitersegeln darf.

Auch keinen idealen Tag erwischten die am Freitagmorgen noch auf Platz zwei liegenden Starboot-Legenden Iain Percy und Anders Ekström. Der britische Doppel-Olympiasieger Percy und der Schwede Ekström fielen auf Platz sechs zurück. Platz zwei eroberten stattdessen Negri und Kleen, die sich damit ihren sicheren Platz im Halbfinale verdienten.

Die Entscheidungen fallen ab morgen mit dem Beginn des Viertelfinalrennens um 11 Uhr Orrtszeit (17 Uhr deutscher Zeit). Teilnehmer sind die nach der Qualifikation auf den Plätzen drei bis zehn liegenden Mannschaften. Die besten fünf des K.o.-Rennens erreichen das Halbfinale, treffen dort auf die gesetzten Negri/Kleen. Auch das Semifinale wird in nur einem Durchgang entschieden. Was für die bislang führenden Crews einen Nullstart bedeutet, denn nun hat wieder jede Mannschaft die Chance, einen Löwenanteil der insgesamt 200.000 US-Dollar Preisgeld zu gewinnen.

Top 10 results after ten races and one discard:

1 Mateusz Kusznierewicz POL Bruno Prada BRA 46
2 Diego Negri ITA Frithjof Kleen GER 54
3 Lorenzo Chiavarini GBR Kilian Weise GER 63
4 Eivind Melleby NOR Josh Revkin USA 63
5 Paul Cayard USA Phil Trinter USA 66
6 Iain Percy GBR Anders Ekström SWE 70
7 Henrique Haddad BRA Henry Boening BRA 74
8 Oskari Muhonen FIN Vitalii Kushnir UKR 74
9 Xavier Rohart FRA Pierre-Alexis Ponsot FRA 76
10 Eric Doyle USA Payson Infelise USA 83

Die Übertragungen der ersten vier Tage:

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