Starboot-WM: Dem Starboot-Fieber verfallen

Die einzige Steuerfrau im Feld der WM

Es gibt nur wenige Frauen, die sich trauen, das Feld der Starboot-Segler aufzumischen. Zu dieser WM im Rahmen der Kieler Woche ist es in persona nur eine: Jolanda-Lene Engel-Müller ist die einzige Steuerfrau im Feld.

Als Fahnenträgerin der Klassenflagge marschierte Jolana-Lene Engel-Müller an der Spitze der Flotte. Foto: segel-bilder.de

Während die Flensburgerin in der Traditionsklasse höchst willkommen ist, und beim Einmarsch der Nationen als Fahnenträgerin der Klassenflagge die Spitze der Flotte bildete, fängt eine andere Dame an, das Feld der 166 Aktiven zu stressen: das Hochdruckgebiet Hermelinde. Standhaft hat sich Hermelinde über Norddeutschland ausgebreitet, wird nach Auskunft von Kiels Wetterexperten Meeno Schrader auch noch bis Donnerstag wetterbestimmend sein. Nach zwei Tagen ohne Rennen wurde auch am Mittwoch der Start mangels Wind verschoben.

Auf den ersten Blick scheint es, als wären Jolanda-Lene Engel-Müller mit ihrem Ehemann und Vorschoter Christopher Engel ein paar Rennen in der aktuellen Windlage sehr entgegengekommen. Die 22-Jährige ist der Gegenentwurf zu den üblichen Starboot-Steuerleuten: jung, weiblich und zierlich. Mit ihren 47 kg und den 102 kg ihres Mannes fehlen zum Gesamtgewicht anderer Crews schon mal 50 kg. Doch auf Leichtwind will sich das Paar nicht reduzieren lassen. „Natürlich kommt es uns entgegen, wenn die Bedingungen nicht zu hart sind, aber der Vorteil bei Leichtwind ist nicht besonders groß“, sagte die Steuerfrau, und ihr Ehemann ergänzt: „Bei diesen leichten Winden würde sich auch ein großes Gewicht in Lee auszahlen.“

Star auf die eigenen Möglichkeiten abgestimmt
Die Trainings vor der WM absolvierten die jungen deutschen Crews gemeinsam bei Starkwind auf der Förde. Da bewies auch das Flensburger Paar, dass es damit umgehen kann. „An einem Starboot gibt es viele Einstellmöglichkeiten, und wir haben das Boot auf mich zugeschnitten, so dass es sich auch bei Wind gut handeln lässt“, sagt die junge Steuerfrau, die ehemals aus Greifswald stammt, im Opti und 420er das Segelhandwerk gelernt hat und nach dem Umzug nach Flensburg vor drei Jahren erstmals in den Star gestiegen ist. „Es ist ein tolles Boot. Ich wollte das gern mal ausprobieren, und Arnd Glunde aus dem Flensburger SC hat uns dazu die Gelegenheit gegeben.“

Gemeinsam mit ihrem Mann Christopher Engel bildet Jolanda-Lene Engel-Müller eines der Juniorenteams zu dieser WM. Foto: segel-bilder.de

Seitdem ist Jolanda-Lene Engel-Müller dem Fieber der Klasse verfallen, hat in ihrem Ehemann einen erfahrenen Bigboat-Vorschoter, der seine Athletik und die Expertise aus Melges 32 und X41 einbringt. Zwar konnte das Paar in den vergangenen Jahren nach der Geburt ihres ersten Kindes nicht durchgängig im Star trainieren, will sich aber in der elitären Flotte im Mittelfeld etablieren. „Und bei den Juniorenteams wollen wir vernünftig mithalten. Mal sehen, was herauskommt“, so Jolanda-Lene Engel-Müller, bevor sie wie ihre 165 Mitsegler am Mittwoch eine weitere Runde in der Flauten-Warteschleife drehen musste. (ra)

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