Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille

"Er scheißt mich zusammen"

Fridtjhof Kleen und Robert Stanjek trennten sich 2007. Nun segeln sie wieder zusammen Starboot. © Stanjek

Der ehemalige deutsche Starboot Weltklassesegler Marc Pickel, der 2000 in Sydney für Deutschland startete, hat inzwischen mit seinem Design fast die gesamte Weltspitze bestückt. Pickel erdachte das Design 2002 in Zusammenarbeit mit der Yacht Research Unit (YRU) in Kiel. Der Bootsbauer baute die ersten fünf Boote selbst und ging dann eine Partnerschaft mit der US-Werft  Jon VanderMolen in Michigan ein, die seine Stare produziert.

Stanjeks Investitionsrisiko war groß. Schließlich stehen Starboote nach dem beschlossenen Olympia Aus für 2016 nicht mehr sehr hoch im Kurs auch wenn die Starboote glauben, noch nachträglich als elfte Disziplin ins Programm zu rutschen. Aber die besseren Gleiteigenschaften des P-Stars mit weniger Volumen im Achterschiff zahlten sich in Perth merkbar auf dem Vorwindkurs aus.

Dennoch verloren Stanjek und Kleen häufig Meter auf den achterlichen Kursen. Der Skipper führt das aber auf sein generelles Risiko Management zurück. “Der Pole wurde im ersten Rennen direkt vor uns von der Jury wegen Pumpens geflaggt und musste seine Strafkreise drehen. Ich habe mich nur gefragt wofür? Danach sind wir sehr vorsichtig gesegelt.”

Reißen mit Arm und Oberkörper

Die Brüder Robert (r.) und Philipp Stanjek haben ihre Partnerschaft Anfang 2011 beendet. © Stanjek

Zu Recht. Denn Kusznierewicz wurde noch zweimal erwischt, durfte eine Disqualifikation nicht streichen und verlor dadurch die sichere Medaille. “Beim Starboot ist meistens der Steuermann für unerlaubten Vortrieb verantwortlich”, erklärt Stanjek. Kusznierewicz spätere Spitzenplätze hingen wohl auch damit zusammen, dass er mit erhöhtem Risiko zu Werke ging, als schon die gesamte Serie für ihn verloren schien.

Die aktuellen Weltklassesegler im Starboot reißen mit dem Arm und vollem Oberkörpereinsatz am 21 Quadratmeter großen Segel, um das 680 Kilo schwere Schiff über eine Welle zu puschen. Kein Wunder, dass neun Steuerleute aus den Top Ten der WM (bis auf Johannes Polgar) ehemals zur Weltspitze im Finn Dinghy oder Laser gehörten.

“Wir dürfen nur nach der alten Regel einmal pro Welle am Segel reißen, aber wenn man es richtig macht, ist man klar schneller. Scheidt, Percy oder der Pole arbeiten immer am Limit. Die Lastspitzen sind sehr hoch. Aber da kann ich gut mithalten.” Der ehemalige Spitzensegler im Laser, der die Olympiaqualifikation für Athen 2004 verpasste, gehört zu den kräftigsten Steuermännern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille“

  1. avatar tiefenrausch sagt:

    Die beiden sind nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch persönlich sehr sympathisch, bei allen Charakterunterschieden. Ich denke, sie taugen durchaus als Vorbilder für Jüngere – professionelle Sportler, dabei fair, kooperativ und sehr bescheiden im Auftreten.
    Drücken wir ihnen die Daumen!

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  2. avatar Manfred sagt:

    Guter Bericht. Danke.
    Mit dieser Art der Berichterstattung und den offenen Antworten kann man sich dem dt. Team, nach der 470er Affäre, wieder ein bisschen annähern und vielleicht sogar Gefallen an den kommenden olympischen Regatten finden.

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  3. avatar Huber A. sagt:

    Macht sicher Spaß, wenn das Material zum richtigen Zeitpunkt läuft wie geschmiert. 🙂

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  4. avatar Lyr sagt:

    Super Artikel!! Konnte echt mitfühlen, in euch beide 🙂
    Nach der Medaille wird es aber höchste Zeit, dass RSR-Team zu gründen. 😉

    LG
    Jan

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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