Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille

"Er scheißt mich zusammen"

So sei Kleen auch am Ende des Medalraces in Perth, das ihnen die Silbermedaille sicherte, alles andere als gut gelaunt gewesen. “Ich bin zum Schluss zwei unsaubere Wenden gesegelt. Das machte ihn ärgerlich.”

Als weiteren Bonus sieht Stanjek die Fähigkeit seines Vorschoters als effektiver Netzwerker. “Mit seiner offenen Art pflegt er gute Kontakte zu den besten internationalen Teams. Mit einigen ist er auch ja auch schon gesegelt.”

Stanjek in typischer Ausreithaltung auf seinem Starboot © privat

Das habe neben den guten Trainingspartnerschaften den angenehmen Nebeneffekt, dass Stanjek/Kleen während eines Rennens häufiger mal durchgewunken werden. Bei einem Freund warte man eben schon mal ein paar Meter und wende nicht genau davor. “Im engen Starbootfeld summiert sich so ein Effekt in vielen Metern.”

Mit Psychologe auf Duell-Situation vorbereitet

Dieser Aspekt führt zum viel diskutierten 470er Duell um die Olympiafahrkarte. Stanjek war als Aktivensprecher mehr in die Verwicklungen einbezogen, als ihm lieb sein mochte. Eine öffentliche Position will er nicht beziehen. Er sagt aber, dass bei der Starboot-Qualifikation in Perth die Taktik des Zurücksegelns wenig angebracht gewesen wäre.

“Wir mussten uns alle strecken, um überhaupt einen der elf Olympiaplätze für Deutschland zu erobern. Da hätte es wenig Sinn gemacht, sich aufeinander zu konzentrieren.” Das interne Nationenkriterium wog sogar noch schwerer. Vor der WM lagen Stanjek/Kleen als beste Deutsche auf Rang sieben. Platz zehn war Pflicht.

Dennoch betont er, wie fair zum Beispiel Johannes Polgar und Markus Koy, die nächsten Deutschen, mit ihnen umgegangen seien. “In einem Rennen hätten sie uns fünfmal wegschicken können, aber fünfmal wendeten sie querab.”

Robert Stanjek. Ausreiten wie auf dem Laser. In der Starboot-Spitze segeln fast ausschließlich ehemalige Einhand Spezialisten. © Stanjek

Dennoch hat sich Stanjek auf eine Duell-Situation vorbereitet. “Ich habe da mit unserer Sportpsychologin drüber gesprochen. Und wir haben das in Trainings simuliert. Schließlich bin ich nicht gerade ein Match Race Meister.”

Auch beim Medalrace in Perth gab es die Möglichkeit, dass sich der Amerikaner Mendelblatt mit ihnen beschäftigt hätte. “Wir sind deshalb spät aber mit Vollgas in die Startzone gesegelt, um die Angriffsmöglichkeiten zu verringern.” Es hat funktioniert. Als Stanjek weg war, nahm sich Mendelblatt den Schweden vor und sicherte im Duell seine Bronzemedaille.

Robert Stanjek ist stolz auf das Erreichte. Aber will auch über die ganze deutsche Olympia-Mannschaft sprechen. “Diese WM im Olympiajahr war für alle Klassen der härteste Wettkampf der letzten Jahre und dabei hat unser junges Team super abgeschnitten. Es hat viele Lichtblicke und gute Fortschritte gegeben. Immerhin haben wir uns in acht Disziplinen qualifiziert. Das ist ein großer Erfolg. Ich hoffe auf einen positiven Stimmungsumschwung.”

Das Silbermedaillen-Duo nimmt sich bis zum Februar eine Auszeit. Danach startet die direkte Vorbereitung mit der internationalen Trainingsgruppe in Südeuropa.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille“

  1. avatar tiefenrausch sagt:

    Die beiden sind nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch persönlich sehr sympathisch, bei allen Charakterunterschieden. Ich denke, sie taugen durchaus als Vorbilder für Jüngere – professionelle Sportler, dabei fair, kooperativ und sehr bescheiden im Auftreten.
    Drücken wir ihnen die Daumen!

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  2. avatar Manfred sagt:

    Guter Bericht. Danke.
    Mit dieser Art der Berichterstattung und den offenen Antworten kann man sich dem dt. Team, nach der 470er Affäre, wieder ein bisschen annähern und vielleicht sogar Gefallen an den kommenden olympischen Regatten finden.

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  3. avatar Huber A. sagt:

    Macht sicher Spaß, wenn das Material zum richtigen Zeitpunkt läuft wie geschmiert. 🙂

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  4. avatar Lyr sagt:

    Super Artikel!! Konnte echt mitfühlen, in euch beide 🙂
    Nach der Medaille wird es aber höchste Zeit, dass RSR-Team zu gründen. 😉

    LG
    Jan

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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