The Ocean Race Europe: Wie der Malizia-Start ablief – So war das nicht geplant

Es hätte schlimmer kommen können

Boris Herrmann wirkte vor dem Start von The Ocean Race Europe gelöst. Er sprach bereits über seine Taktik für die Renneröffnung, wies aber auch auf die Gefahren hin, die durch den geringen Platz und das nahe Scoring Gate entstehen. Am Ende lief jedoch nicht alles nach Plan – der Start ging daneben.

Nach der turbulenten Anfangsphase konnte sich Herrmann dennoch als einer der Gewinner fühlen – auch wenn er sich den Auftakt sicher anders vorgestellt hatte. Ziel war es, am Scoring Gate vor heimischer Kulisse die volle Punktzahl zu holen und am liebsten auch die Etappe zu gewinnen.

Von beidem war er weit entfernt. Es hätte zwar schlimmer kommen können – sportlich aber kaum. Wo er vor den heimischen Fans eigentlich glänzen und bei Starkwind die Stärken seiner Konstruktion ausspielen wollte, passte das Timing nicht.

Malizia (o.r.) versucht, an der Starttonne (gelb) auf der Startlinie (weiß) die Leeposition zu erkämpfen, ist aber deutlich zu spät dran. © Lloyd Images / The Ocean Race Europe 2025

Gut zehn Bootslängen fehlten bis zur Linie – die angestrebte Leeposition war außer Reichweite. Woran es lag, ist unklar; das Antizipieren der Geschwindigkeit bis zum Startschuss war fehlerhaft. Im Nachhinein könnte man mutmaßen, Herrmann habe sich bewusst und geschickt aus dem Gedränge herausgehalten – doch das war weder sein Ziel noch der Anspruch.

Malizia (roter Kreis) wird beim Start sogar vom krassen Außenseiter Amaala überlaufen.

Im Video oben hatte der deutsche Skipper noch eine offensivere Herangehensweise angekündigt. Tatsächlich war in der Startvorbereitung zu sehen, wie das Team mehrere Timing-Tests zur Linie fuhr, um ein Gefühl für die Geschwindigkeit im Verhältnis zur Annäherung zu bekommen. Bei der kurzen Distanz bis Portsmouth und dem nahen Scoring Gate, das zwei Punkte bringt, war ein vorsorgliches Abgeben dieser Zähler auch eigentlich ausgeschlossen.

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7 Antworten zu „The Ocean Race Europe: Wie der Malizia-Start ablief – So war das nicht geplant“

  1. Rägelz

    sagt:

    Der Kommentar „Ich würde beide Boote bestrafen. Normalerweise muss ich als Überholer nicht einkalkulieren, dass der Gegner völlig die Kontrolle verliert…“ spiegelt eine weit verbreitete, aber falsche Annahme wider: dass sich bei Regatten der „Überholer“ stets freihalten müsse.

    Die Racing Rules of Sailing kennen den Begriff „Überholer“ nicht. Beispiele aus Uli Finckes Regelspiel („Situation leicht“ 20, 62, 64) zeigen klar, dass auch ein von achtern aufkommendes Boot Wegerecht haben kann.

    Für den vorliegenden Fall sind vor allem die Regeln 11 (Auf gleichem Schlag, überlappt) und 14 (Berührung vermeiden) relevant.

    Unstrittig ist: Allagrande Mapei segelte als Luvboot und musste sich von Holcim-PRB als Leeboot freihalten (Regel 11) – was nicht geschah. Mapei ist daher grundsätzlich zu bestrafen.

    Holcim musste nach Regel 14(a) eine Berührung vermeiden, sofern dies „vernünftigerweise möglich“ war. Als Wegerechtsboot beginnt diese Pflicht erst, sobald klar wird, dass sich das andere Boot nicht freihalten wird. Im Video wirken die Boote zunächst parallel und ohne erkennbare Kollisionsgefahr – auch die Live-Kommentatoren waren überrascht. Der genaue Ablauf ist unklar und muss vom Protestkomitee festgestellt werden.

    Kernfrage zu einem möglichen Verstoß Holcims: Wer hat den seitlichen Abstand verringert?
    • Falls Mapei abrupt auf Holcim abgefallen ist, hätte Holcim bei dem geringen Abstand und der hohen Geschwindigkeit kaum reagieren können. Holcim hätte dann nicht gegen Regel 14 verstoßen – allein Mapei würde bestraft.
    • Falls Holcim angeluvt hat, kommt Regel 16.1 ins Spiel: Ein Wegerechtsboot, das den Kurs ändert, muss dem anderen Boot Raum zum Freihalten lassen. Entscheidend wäre, ob Holcim sanft und mit ausreichender Reaktionszeit luvte oder abrupt, sodass Mapei keine Chance hatte.

    Allerdings muss Mapei gemäß Definition „Freihalten“ so viel Abstand halten, dass Holcim auch bei kleinen Kursänderungen (Anluven oder Abfallen) nicht sofort eine Berührung verursacht. Bei Booten dieser Größe und Geschwindigkeit – mit breiten Foils und hoher Dynamik – werden an ausreichende Abstände höhere Ansprüche gestellt, als z.B. bei einer 420er Regatta.

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    1. Amateur

      sagt:

      Ziemlich offensichtlich, so habe zumindest ich es nach mehrmaligem Anschauen des Videos gesehen, ist Holcim (wg. zu viel Segelfläche oder Problemen mit der Kielmechanik??) „aus dem Ruder gelaufen „.
      Ein Wegerechts-Boot , also in diesem Falle das Leeboot, muss aber eigentlich Kurshalten, bzw. darf nur insoweit anluven wie dem Luvboot überhaupt die Möglichkeit gegeben sein muss ausweichen zu können. In jedem Fall jedoch eine Kollosion verhindern! Soweit mein Verständnis nach 55 Jahren recht viel Regattasegeln…, wenig im Club😉

  2. Headcrash

    sagt:

    Ein weiser Man sagte mal, wenn ich keine Ahnung von den genauen Zusammenhängen habe, sollte man die eigene Meinung für sich behalten. Ist aber in modernen Zeiten nicht mehr angesagt. Malizia hatte ein Problem mit dem Furler beim Start. Die Auswirkungen waren live zu sehen.

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  3. PL_c.wolf

    sagt:

    War das die Perfomance von Profis? Was für ein Start bei Traumbedingungen. Nur Dichholen, Vollgas und Los, dabei die Uhr im Auge behalten. Sollte ja nicht so schwer sein. Dann Überläufer auf Winschen, Kiel von Holcim auf der falschen Seite. Ich bin überrascht.

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    1. Amateur

      sagt:

      Insgesamt haben nur zwei der Teams einen professionellen Start hingelegt…. mit passenden Segeln und einer Balance zwischen Performance und Risiko.
      Insgesamt peinlich – auch wenn dann hinterher der Veranstalter mit Verantwortlich gemacht werden soll.
      Ich würde als Schiedsrichter beide am Crash beteiligten Boote bestrafen. Normalerweise muss ich als Überholer nicht mit einkalkulieren dass der Gegner komplett die Kontrolle verliert…. allerdings vernünftig Ausguck halten natürlich schon!

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    2. Jogi

      sagt:

      echt witzig, Dick und Doof gehen mit Captain Finlissen segeln, aber große Kunst war das nicht.
      bin auf die nächsten Peinlichkeiten gespannt…

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    3. Thomas Jahn

      sagt:

      Ja das mag fuer den geuebten Regattasegler so erscheinen.
      Aber man darf dabei nicht vergessen, dass sind Profis in um die Welt segeln, nicht fuer Speed Starts.
      Und die Boote sind auch nicht wirklich dafuer gemacht.

      Ich denke man kann schon ueberlegen, ob man mit diesen Booten so eine Drucksituation am Start erzeugen muss?

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