Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Los Angeles hat die deutsche Segelnationalmannschaft die neue Saison im Balearen-Revier vor Mallorca stark eröffnet. Richard Schultheis und Fabian Rieger (NRV/VSaW) holten im 49er das erste Sailing-Grand-Slam-Gold für das German Sailing Team in diesem Jahr.
Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (NRV/SCIA) erkämpften Silber. Mit diesen Top-Leistungen katapultierte sich die DSV-Flotte im Medaillenspiegel des olympischen Frühjahrgipfels auf Platz zwei hinter Frankreich und vor Spanien und weiteren 59 Nationen.

Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) haben ihr erstes gemeinsames Gold bei einer Regatta des Sailing Grand Slams (SGS) gewonnen. Der erst 20 Jahre alte Steuermann und sein 30-jähriger Vorschoter hatten vor einem Jahr an gleicher Stelle ihre erste gemeinsame Regatta bestritten und waren auf Anhieb Zweite geworden.
Schultheis und Rieger nervenstark im Medaillenfinale
Jetzt toppte das Duo die Leistung und gewann die Trofeo Princesa Sofía Mallorca by Fergus Hotels. „Letztes Jahr sind wir spontan zusammengekommen, waren in Spanien und in Hyères Zweite, haben dann bei der WM aber noch nicht alle Puzzleteile zusammenbekommen (Platz 10. Anm.d.Red) . Jetzt hat es hier mit dem Sieg geklappt. Es ist schön, wenn alles zusammenkommt“, sagte Richard Schultheis in Palma. Wie schon im Vorjahr, konnten Schultheis und Rieger auch in diesem Jahr in den inzwischen zwei Medaillenrennen bei „Champagnerbedingungen“ zwischen zehn und 14 Knoten Wind mit den Rängen 4 und 1 überzeugen.
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„In Medaillenrennen läuft es bei uns bislang immer gut. Wir ergänzen uns als Team gut“, sagte Richard Schultheis, der mit Fabian Rieger eine erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 anpeilt. „Bis dahin sind es aber noch zweieinhalb Jahre“, so Richard Schultheis weiter, „es gibt vieles, woran wir noch arbeiten müssen. Auch wird das Niveau in der Klasse weiter steigen. Die anderen Top-Ten-Teams waren in dieser Woche auch stark. Für uns war es wichtig, die Punkte niedrig zu halten und keine hohen Ergebnisse zu kassieren. Das ist uns gut gelungen.“
Steinlein und Bartelheimer auf der Silberwelle
Im Frauen-Skiff 49er FX standen die Athletinnen des German Sailing Teams den erfolgreichen Männern kaum nach. Die WM-Fünften Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee) konnten in den beiden Medaillenrennen mit den Rängen 4 und 5 sogar noch die amtierenden spanischen Weltmeisterinnen Paula Barceló und Maria Cantero abfangen und hinter den kanadischen Schwestern Georgia und Antonia Lewin-Lafrance auf den Silberrang vorrücken.

Sophie Steinlein sagte nach einer fordernden Woche für alle Disziplinen: „Ich mag tricky und ablandige Bedingungen. Ich bin in Bayern auf einem See mit solchen Bedingungen großgeworden.“ Nach eher schwachen Medaillenrennen in den vergangenen Jahren hatte sich die 49er FX-Steuerfrau aus dem Olympiakader des German Sailing Teams für ihr viertes Finale bei einer Trofeo Princesa Sofía vorgenommen, es dieses Mal besser zu machen.
Deutsche 49er FX-Frauen gemeinsam stark
Das gelang glanzvoll. Zur Güte ihres Teams sagte Sophie Steinlein: „Wir sind generell schnell unterwegs und sehen den Wind gut. Cathy war hier von Tag eins an krank, aber wir haben das Beste daraus gemacht, uns Zeit genommen und alle Bedingungen angenommen.“ Das gelang hervorragend. Auch kleine Rückschläge zum Auftakt der Hauptrunde steckte das Duo gut weg. „Ich werde bei so etwas nicht mehr so nervös wie früher. Das ist die Erfahrung, die inzwischen dazugekommen ist“, weiß Sophie Steinlein.
Für einen insgesamt imposanten Auftritt der deutschen Skiff-Frauen sorgten als Fünfte die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club. „Wir haben es in den drehigen und böigen Winden insgesamt immer wieder geschafft, mit klarem Kopf an den Start zu gehen. Das hat geholfen!“, sagte Marla Bergmann. Dazu machten Maru Scheel und Freya Feilcke (Kieler Yacht-Club) als Achte den Triple-Auftritt der deutschen Segelnationalmannschaft im 49er FX-Finale perfekt.
Drei deutsche Asse im ILCA-7-Finale
Knapp nur verfehlte Philipp Buhl (NRV/Segelclub Alpsee-Immenstadt) das Podium im ILCA 7 mit den Rängen 3 und 8 in den Medaillenrennen. Ein krankheitsbedingter Ausfalltag hatte ihm eine hohe Punktlast beschert, die er aber in der Folge mit guten Rennen und einem Wettfahrtsieg erfolgreich konterte. Zu Bronze fehlten ihm in Spanien nur drei Punkte. „Ich bin wieder auf einem Level, auf dem mich Wearn und die Briten sehr ernst nehmen. Das ist wichtig“, sagte Philipp Buhl. Doppel-Olympiasieger Matt Wearn gewann die Serie vor den Briten Elliot Hanson und Michael Beckett.
Das beeindruckende deutsche Gesamtergebnis machten im mit 199 Startern größten Trofeo-Feld die ILCA-Segler aus dem German Sailing Team Nik Aaron Willim (NRV) und Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club) mit den Plätzen neun und zehn komplett. Vor allem der erst 21-jährige Ole Schweckendiek hatte in Palma für viel Aufmerksamkeit im eigenen Team und auch bei den internationalen Teilnehmern gesorgt.
Olé, Ole: U21-Weltmeister Schweckendiek beeindruckt
Der alte U21-Weltmeister von 2025 hatte das ILCA-7-Feld kurzzeitig sogar angeführt, sich vor Doppel-Olympiasieger Matt Wearn und alle anderen Top-Segler gesetzt, von denen die meisten rund ein Jahrzehnt älter sind als der junge Kieler. „Wenn mir jemand vor Regattastart gesagt hätte, dass ich ins Medaillenfinale komme, hätte ich das sofort genommen. Die Medaillenrennen waren dann ein schönes Add-on, ein sehr gutes Training“, sagte Ole Schweckendiek.

Im ILCA 6 kämpfte sich Olympiateilnehmerin Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee) mit zwei hervorragenden zweiten Rängen in den Medaillenrennen noch auf Platz sechs vor. Die gute Leistung gelang der Berlinerin im zweitgrößten Trofeo-Feld von 143 Jollenseglerinnen. Ihr Fazit: „Im ersten Rennen hatte ich ein bisschen Glück, war aber auch sehr schnell. Im zweiten Rennen bin ich gut gestartet und habe das ins Ziel gebracht.“
470er-Finale mit zwei GER-Duos
Zwei deutsche Duos aus dem German Sailing Team hatten sich mit Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) und Theresa Löffler/Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) im 470er-Mixed für die beiden Medaillenrennen qualifiziert. Vor allem für die Olympiateilnehmer Simon Diesch und Anna Markfort ist das ein gutes Signal: Sie hatten studienbedingt vier Monate ausgesetzt, konnten trotzdem fast nahtlos an ihre Glanzleistungen des vergangenen Jahres anknüpfen, das sie mit WM-Silber gekrönt hatten.

Anna Markfort sagte: „Das war solide. Einen Podiumsplatz anzustreben, wäre schon sehr hochgeschossen und fast ein bisschen arrogant gewesen. Natürlich sind wir ehrgeizig und wissen, wo wir hinwollen. Aber der sechste Platz hier ist zu diesem Zeitpunkt erst einmal ein Ergebnis, das wir gerne mitnehmen.“ Die Teamkameraden Theresa Löffler und Christopher Hoerr wurden Siebte. Es siegten die amtierenden spanischen Weltmeister Jordi Xammar und Marta Cardona.
Aufsteiger Jan Vöster kitet bis ins Halbfinale
Ähnlich wie Ole Schweckendiek zählt auch Jan Vöster (Württembergischer Yacht-Club) zu den jungen Aufsteigern im German Sailing Team. Dem Formula-Kiter und Teamkameraden des Olympia-Fünften Jannis Maus, der den Einzug in die Finalrunden als Elfter nach der Hauptrunde knapp verpasst hatte, ist im vergangenen Jahr der Durchbruch in die Top Ten gelungen. Das bewies Jan Vöster jetzt bei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca mit Platz sieben erneut, hatte dann aber auch etwas Pech.

Jan Vöster verpasste den Einzug ins Finale ohne eigenen Fehler, wie er berichtete: „Das Viertelfinale war der Hammer. Es lief perfekt. Im Halbfinale bin ich dann ähnlich gefahren, war auf dem besten Wege, noch eine Runde weiterzukommen. Dann wurde ich so gut wie abgeräumt. Die Jury-Entscheidung dazu lief leider nicht zu meinen Gunsten. Ich bin trotzdem mega happy mit meinem Ergebnis hier. Mir immer sicherer zu werden, dass ich da hingehöre, hilft mir sehr. Jedes gute Ergebnis gibt mehr Selbstvertrauen. Ich bin heiß darauf, es an die Spitze zu schaffen.“
Starke Gesamtbilanz: elf Teams in Medaillenfinals
DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, Cheftrainer Dom Tidey und die Disziplinen-Coaches des German Sailing Teams haben in Palma ein hochmotiviertes Team betreut. Dom Tideys Bilanz fiel entsprechend positiv aus: „Wir hatten elf Teams in den Medaillenfinals. Das spricht für sich und gibt uns einen guten Eindruck davon, wo wir mit unseren Programmen stehen. Einige unserer Athletinnen und Athleten haben in dieser Woche sicher persönliche Bestleistungen gezeigt. So hat beispielsweise Ole Schweckendiek einen fantastischen Schritt nach vorne gemacht.“

Besonders beeindruckt war Dom Tidey, weil die auffällig gute Gesamtleistung „in der herausforderndsten Trofeo-Regatta, die ich in den letzten Jahren erlebt habe“, gelungen ist. Das Team und die Trainer hätten in den harten Bedingungen und an langen Tagen auf dem Wasser „extrem fokussiert“ gearbeitet. Zu den 49er-Regattasiegern Richard Schultheis und Fabian Rieger sagte Dom Tidey: „Sie haben im Verlauf der Serie die Kontrolle über die Goldflotte übernommen und den letzten Schritt im Finale getan – eine wirklich tolle Leistung!“
„Das sind wirklich schöne und hochmotivierende Ergebnisse fürs Team! Jeweils drei Crews im ILCA 7 und im 49er FX im Finale sind auch anderen aufgefallen. Ein Sieg, ein zweiter Platz, dazu tolle Einzelergebnisse und starke Leistungen von jungen Seglern wie Ole Schweckendiek oder Jan Vöster bei den Kitern – ein guter Saisonauftakt, der auch die Top-Arbeit unserer Trainer zeigt“, sagte Nadine Stegenwalner.
Ergebnissen der 55. Trofeo Princesa Sofía
Quelle: German Sailing Team

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