Ultim Trimaran: Gitana lässt 33-Meter-Offshore-Foiler zu Wasser – Verdier erklärt sein Design

Foilendes Kunstwerk

Gitana; Ultim, trimaran

Schön groß und breit: Die Schönheit Gitana ist der eigentliche Grund, warum Fish-Eye-Objektive erfunden wurden © miku

Der Traum vom Fliegen über den Wassern mit mehr als 50 Knoten und mehr – für Skipper Sebastien Josse und das Gitana Team beginnt ein neues Zeitalter. 

Am Morgen wurde die Schönheit in Vannes/Bretagne, ihrem Geburtsort, zu Wasser gelassen. Kaum im nassen Element, ging es gleich auf Fahrt zum nur wenige Stunden entfernten Lorient. Dort kam der Ultim Trimaran „Gitana 17“ gegen 16 Uhr an. Auf der Mole wartete bereits ein 37 Meter langes Monstrum von einem Karbonmast, der in einer der benachbarten Werfthallen bei Lorima gebaut worden war. 

Als der entsprechend große Kran dann endlich anrollte, konnte eine einerseits spektakuläre, wenn auch höchst professionelle Arbeit beginnen: Das Mastsetzen.

Unglaublich, aber es dauerte keine Stunde und die Palme ragte in den Himmel, war fest im Trimaran „verankert“.

Gitana; Ultim, trimaran

Gitana Ultim am Haken © zedda

Die Wanten wurden mit Dyneema einfach festgelascht, dann kurz mit ein paar Mann der Karbonbaum in Stellung gebracht, per Winsch angehoben, rein in den Lümmelbeschlag und… fertig. 

Zwischenzeitlich gab Gitana-Skipper Sebastien Josse erste Interviews. Die Essenz seiner Worte, diesmal sogar in Englisch.“Well, tonight I will have one or two drinks. Or perhaps three!“ Na denn Prost – und Gratulation!

Designer Guillaume Verdier sagt gegenüber Yachting World, dass dieses Boot voll auf Offshore-Foiling ausgelegt ist. Generell sei es nicht schwierig, auf Tragflächen zu segeln, aber bei hohem Wellengang ist es eine große Herausforderung und besonders im Einhand-Modus.

Eigentlich sei ein Katamaran die bessere Wahl zum Foilen, aber nur wenn er mit einem automatischen Kontrollmechanismus ausgestattet ist. Für nur einen Segler – der 2019 damit die große Einhand-Regatta um die Welt gewinnen soll – ist der Trimaran besser zu beherrschen besonders bei den sehr hohen Wellen im Southern Ocean.

Bisher seien die Foils jeweils mit bestehenden Plattformen getestet worden, nun ist das System voll und ganz auf die Unterstützung der Tragflächen ausgerichtet. Deshalb sind Rümpfe und Beams etwas schwerer und stabiler gebaut, weil sie unter anderem höheren Verwindungskräften ausgesetzt werden.

Foil unter dem Hauptrumpf

Gitana sei mit einem T-Foil und dem Hauptrumpf ausgestattet, um das Schiff stabiler fliegen zu lassen. Damit werden die Roll-Bewegungen gedämpft. Das erhöht zwar den Widerstand aber eben auch die Kontrolle.

Solche Foils sind auch wie üblich an den Rudern montiert, aber bei dem Gitana-Tri können sie in einer Kassette aus dem Wasser gezogen werden. So wird das Luv-Ruder geliftet, das sonst den Widerstand erhöht und auch bei Wellenschlägen enormen Belastungsspitzen ausgesetzt ist. Es ist auch für den Fall einer Kollision mit einem Aufklapp-Mechanismus versehen.

Das Haupfoil am Leerumpf ist dem der AC72 für den America’s Cup 2013 nachempfunden worden, bei dem Verdier für das Team New Zealand gearbeitet hat. Der Flügel gewährleiste automatisch eine stabilden Flug. Wenn sich das Schiff zu weit aus dem Wasser habt, wird es von der Form des Foils wieder runter gezogen.

Verdier glaubt, dass Geschwindigkeiten bis zu 54 Knoten erreichbar sind. Darüber werde die Kavitation zu einem großen Problem. Es gehe aber nicht um hohe Speed-Spitzen sondern den Druchschnitt. Im Einhandbetrieb seien 24-Stunden-Etmale von über 900 Meilen angepeilt.

Eckdaten: 
Gitana 17, Ultim Trimaran 

Länge: 32 Meter

Breite: 23 Meter

Verdrängung: 15,5 Tonnen

Masthöhe: 37 Meter

Segelfläche vor dem Wind: 650 qm

Segelfläche am Wind: 450 qm

Foils (von Re Fraschini): 2 T-Foils an den Rudern der Schwimmer, zwei L-Foils, 1 Schwert/Derive für den Mittel- Rumpf, 1 T-Foil für das Ruder am Mittelrumpf

Architekten: Team Verdier

Das anstehende Programm: 

Erste Trainingsausfahrten schon in Kürze

November 2017: Transat Jacques Vabre, zweihand

November 2018: Route du Rhum, einhand

Herbst 2019: Weltumsegelung einhand bei der ersten Regatta dieser Art für Ultim-Trimarane. Start und Ziel: Brest.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Ultim Trimaran: Gitana lässt 33-Meter-Offshore-Foiler zu Wasser – Verdier erklärt sein Design“

  1. avatar Breizh sagt:

    Sehr faszinierende Boote mit einem nahezu irrwitzigen Geschwindigkeitspotential. Sollte sich jeder einmal vor Ort ansehen.
    Das hat im Gegensatz zum AC was mit segeln zu tun.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

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