Vendée Arctique: Hochdruck bremst Flotte aus – Frauen in erster Verfolgerrolle des Spitzentrios

Powerfrauen überholen Boris

In der vierten Nacht der Vendée Arctique hat sich das Bild auf See geändert. Das Gros der Flotte wird durch eine Hochdruckzone ausgebremst und steuert gen Nordwesten, um schnell zu einem schwachen Tief zu gelangen, das von Westen auf Island zusteuert.

Sam Davies hat gut lachen: Sie stürmte in der Nacht auf Platz vier. Foto: Sam Davies

An der Spitze des Rankings wird am Mittwochmorgen zwar weiterhin die „Charal“ mit Jérémie Beyou geführt, doch sein Vorsprung ist im schwachen Wind im Nordatlantik fast komplett aufgebraucht. Die „Apivia“ (Charlie Dalin) liegt praktisch gleichauf, und auf etwas südlicherem Kurs kann die „LinkedOut“ mit Thomas Ruyant Boden gut machen.

Die Flotte hat einen langen Weg gen Norden vor sich, um den Wegpunkt IOC Unesco (am südwestlichen Zipfel von Island) des 3500 Seemeilen langen Rennens zu erreichen. In der Verfolgergruppe des Spitzentrios hat Boris Herrmann mit seiner „SeaExplorer“ dabei seinen vierten Platz in der Nacht verloren. Der Hamburger rangiert mit einem Rückstand von rund 35 Seemeilen auf den Spitzenreiter auf Rang sieben. Vor allem die Frauen fanden gut in die Schwachwindzone hinein und übernehmen die Rolle der ersten Verfolger.

Große Zufriedenheit herrscht vor allem bei Samantha Davies auf der „Initiatives Coeur“. Noch vor dem Ausbremsen der Flotte berichtete sie mit einer klaren Warnung an Boris Herrmann von Bord: „Die letzte Nacht hat Spaß gemacht. Es war holprig und harte Arbeit. Ein bisschen schwierig zu beurteilen, wie stark der Wind war. Es war für mich das erste kräftige Tief des Jahres allein auf meinem Boot. Ein paar kleine Probleme haben mich kurz dazu gebracht, ein Reff einzulegen. Aber ansonsten scheint mein Boot diese Bedingungen zu lieben. Jetzt haben sich die Dinge sehr beruhigt. und bald werden wir kämpfen, um genug Wind zu finden. Aber im Moment ist es perfekt. Gerade als ich meinen großen Segelwechsel beendet hatte, holte ich Isa (Isabelle Joschke, d. Red.) ein. Und jetzt segeln wir nebeneinander. Pass auf Boris: Die Mädels jagen dich gemeinsam!“

Nach der Schwerwetterzone ist Isabelle Joschke selbst überrascht über Platz fünf. Foto: Isabelle Joschke

Inzwischen sind die Jägerinnen an Boris Herrmann vorbeigezogen. Samantha Davies liegt liegt direkt vor der Deutsch-Französin Isabelle Joschke auf Platz vier. Und die Skipperin der „MACSF“ ist überrascht über die eigene Performance: „Das habe ich eindeutig nicht erwartet. Es ist fabelhaft, aber auch nicht einfach. Ich bin genauso überrascht wie jeder andere über meinen vorläufigen fünften Platz. Die Bedingungen waren letzte Nacht sehr anstrengend. Es war beeindruckend. Ich habe sogar beschlossen, etwas Tempo rauszunehmen, weil es unerträglich war. Es war unbeschreiblich: Das Boot fuhr zu schnell für mich. Ich konnte es nicht mehr ertragen, an Bord zu sein. Das Gefühl dauerte aber zum Glück nicht lange. Während meines Segeltrainings im Januar und Februar habe ich eine Menge Erfahrung gesammelt, ohne die ich dieses Tempo eindeutig nicht hätte halten können.“

Clarisse Crémer ist mit der “Banque Populaire” derzeit der schnellste Non-Foiler im Feld. Foto: Clarisse Crémer

Neben den beiden Frauen im Top-Feld präsentiert sich auch Clarisse Crémer stark. Mit der „Banque Populaire X“ ist sie der bestplatzierte Imoca ohne Foils und lässt auch einige beflügelten Yachten der modernen Generation hinter sich. In den nächsten Tagen könnte sich das Bild zugunsten der Frauen noch weiter verbessern. Denn in der Vergangenheit haben Davies und Joschke ihr Gefühl für den leichten Wind eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Beim Dhream Cup 2018 landeten sie auf den Plätzen eins und zwei (SR berichtete).

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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