Vendee Globe Vorschau: 19 Teilnehmer bestätigt. Riou gewinnt Warm Up

Der Mount Everest des Segelns

Allein unter Männern

So präsentiert sich Samantha Davies schon mal beim Segeln. Sie segelt ihre zweite Vendee Globe. © Sam Davies

Dass sich Samantha Davies, immerhin bei der letzten Ausgabe (siehe Box) Viertplatzierte, bei dieser männlichen Konkurrenz sicherlich nicht die Stiefel von Ellen MacArthur anziehen wird, liegt auf der Hand. Doch sie zählt auf deren Ehrgeiz: „Meine Chancen wachsen, wenn die Jungs zu hart segeln und Bruch machen,“ gab sie neulich zu Protokoll.

„Und ich will, dass noch mindestens eine weitere Skipperin zu uns stößt. Allein unter Männern ist nun  mal nicht mein Ding!“ Tatsächlich harren unter den 10 offiziellen „Aspiranten“ drei Frauen, die alle noch nicht genügend Sponsorengelder auftreiben konnten, aber „in den Startlöchern“ kauern.

Sam Davies mit zugeknöpfter Partnerin bei einer Regatta vor den Shetland Inseln. © Sam Davies

Ein bisschen Geplänkel gab es natürlich auch schon. Denn logischerweise will man die IMOCA unter möglichst realistischen Bedingungen testen, um Schwachstellen und potentielle Gefahrenherde möglichst vor dem Vendée-Start zu lokalisieren und auszumerzen.

Riou gewinnt Warm Up 

Deshalb kann man die bezeichnenderweise „Warm’ up“ genannte Regatta von Barcelona nach Cascais/Portugal (1. Etappe) und von dort rund Azoren mit Schlenker am Fastnet-Rock vorbei nach La Rochelle (2. Etappe) unter zwei Kriterien betrachten: Entweder als tatsächlichen Erfolg für die Bestplatzierten oder als erfolgreiche Ortung von Problemzonen für die weniger Erfolgreichen.

An der Spitze lieferten sich der spätere Sieger Vincent Riou FRA (‘PRB’) und Francois Gabart FRA (‘Macif’) ein enges Duell, der Abstand betrug zuletzt nur 1,5 Meilen. Zurückgefallen ist dagegen Bernard Stamm, der nach dem Ausfall der Kommunikations-Technologie knapp 3 Tage ohne Wetterberichte auskommen musste und „nur“ Dritter wurde, nachdem er über weite Strecken geführt hatte. Von sieben teilnehmenden Schiffen mussten zwei die letzte Etappe wegen „technischer Probleme“ aufgeben.

Kito De Pavant kam auf seiner Groupe Bel der Mast entgegen und die Virbac-Paprec 3 musste  von Jean-Pierre Dick nach Portugal zurück gesteuert werden, da sein Schwenkkiel „verrückt spielte“ (O-Ton von Bord).

Der „Everest“ wird die Vendée Globe genannt. Wenn wir ein wenig bei diesem Verlgeich bleiben wollen, dann sind die Teilnehmer derzeit noch nicht einmal aus den Tiefen des nepalesischen Dschungels heraus gekommen und sogar vom Basiscamp noch weit entfernt.

Selbst Riou findet drastische Worte für seinen Status Quo und den seiner KollegInnen: „Der Start zur Vendée Globe ist in einem halben Jahr. Sechs Monate, in denen wir hart arbeiten müssen, arbeiten und nochmals arbeiten. Wer sich jetzt zurücklehnt oder – noch schlimmer – noch nicht in den Vorbereitungen steckt, der wird bei dieser Vendée wohl kaum durchkommen!“

revue

Die Meldeliste, die heute in Paris offiziell verkündet wurde, ist angesichts der schwierigen ökonomischen Umstände erstaunlich lang: 19 Skipper haben bestätigt, dass sie die Herausforderung annehmen, darunter große Kaliber wie Vincent Riou oder Mike Golding; weitere stehen in der Warteschlange, sprich haben ihr Budget noch nicht beisammen. Die Organisatoren hoffen, die 20er-Marke zu überspringen.

Um die drei Kaps

Die VeranstaltungDie Vendée Globe ist eine Einhand Non-Stop-Regatta rund um die Welt, die auf 60-Fuss-Schiffen der IMOCA-Klasse gesegelt wird. Start und Ziel: les Sables d’Olonnes/Frankreich. Die Regatta wird seit 1989 alle 4 Jahre durchgeführt, immer auf dem gleichen Schiffstyp. Ihre Route führt um das Kap der Guten Hoffnung. Cap Leuwin, Kap Horn zurück in die Bretagne. Es gab bereits zahlreiche dramatische Havarien, auch mit tödlichem Ausgang. In 2008-2009 kamen von 30 gemeldeten Skippern nur 11 ins Ziel. Zwei Havarierte wurden von Kollegen auf hoher See gerettet, die dafür eine Zeitgutschrift erhielten.

IMOCA

Die Klassenregeln für Open 60 Einrumpfboote sind offen
LüA: von 17, 983 bis 18, 288 m = 59-60 Fuß.
Tiefgang bis 4,5 m.  Neigekiele sind obligatorisch.

Eventseite

Klassenseite IMOCA

Die Teilnehmer

Jean-Pierre DICK (FRA/Virbac-Paprec),
Vincent RIOU (FRA/PRB),
Kito DE PAVANT (FRA/Groupe Bel),
François GABART (FRA, bizuth/MACIF),
Jérémie BEYOU (FRA/Maître CoQ),
Armel LE CLEAC’H (FRA/Banque Populaire),
Dominique WAVRE (SUI/Mirabaud),
Samantha DAVIES (GBR/Savéol),
Alex THOMSON (GBR/Hugo Boss),
Mike GOLDING (GBR/Gamesa),
Marc GUILLEMOT (FRA/Safran),
Arnaud BOISSIERES (FRA/Akena Vérandas),
Bernard STAMM (SUI/Cheminées Poujoulat),
Javier SANSO (ESP/Acciona),
Alessandro DI BENEDETTO (FRA-ITA, bizuth/Team Plastique),
Jean LE CAM (FRA/Synerciel),
Tanguy DE LAMOTTE (FRA/Initiatives cœur),
Louis BURTON, (FRA/Bureau Vallée),
Bertrand DE BROC (FRA/Votre nom autour du monde).

 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Vendee Globe Vorschau: 19 Teilnehmer bestätigt. Riou gewinnt Warm Up“

  1. avatar Flyer2 sagt:

    Kann das sein, daß L. Peyron und v.a. der “Professor” Desjoyeaux nicht dabei sind?

    [klugschei**modus=1] Außerdem, Les Sables Dingens liegt in der Vendee… => Vendée Globe, bretonisch wäre weiter oben.

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  2. avatar Billy sagt:

    Eins kann ich bestätigen: Bisher liegen in Les Sables d’Olonne schon vier der 19 Open 60: PRB (Vincent Riou), Maître CoQ (Jérémie Beyou), Team Plastique (Alessandro Di Benedetto) und Savéol (Samantha Davies). Samantha Davies ist heute früh ausgelaufen, auf den drei anderen wird fleißig gearbeitet. Wer jetzt noch nicht voll dabei ist, wird vermutlich keine guten Chancen bei der Vendée Globe haben…

    Und richtig, bretonisch wäre wo anders 🙂 …

    Gruß aus Les Sables d’Olonne 😉

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