Vendée Globe: Die „anderen“ Frauen im Kurzporträt – Miranda Merron, Pip Hare, Alexia Barrier

Low Budget, viel Enthusiasmus

Drei Frauen, drei Porträts: Zwei Britinnen und eine Französin, für die ein Finish im doppelten Wortsinne das Ziel ist. Keine Top-Ambitionen, aber was für eine Power!

Frauenpower auf den älteren IMOCA – hier Pip Hare auf Medallia © pip hare

Nachdem die vergangene Vendée Globe ohne Frauen auskommen musste, sind diesmal sechs Skipperinen dabei. Doch wie nahezu immer im Segelsport, gehen nicht alle Teilnehmerinnen unter den gleichen Voraussetzungen, mit dem gleichen Equipment und dem gleichen Erfahrungsschatz an den Start. 

Deshalb haben wir in einer ersten Vorstellung („Von wegen schwaches Geschlecht“) die Vendée Globe-Heldinnen in zwei Kategorien unterteilt: Solche, die bereits seit Jahren professionell auf eher jüngeren Booten im Hochseesport unterwegs sind, finanzstarke Sponsoren hinter sich wissen und sich auf ein erstklassiges Shore-Team verlassen können: Samantha Davies (Initiative Coeur), Isabelle Joschke (MACSF) und Clarisse Cremer (Banque Populaire).

Und jetzt „die anderen“: Solche die finanziell weniger gut bis gar nicht gepolstert sind, nur kleinere bis minimale Shore-Crews beschäftigen können, oft noch in einem anderen Berufsleben ihre Frau stehen müssen, eher ältere bis ziemlich alte Boote segeln und nur wenig, wenn nicht sogar zu wenig Vorbereitungszeit für eine Nonstop-Weltumseglung hatten: Mirinda Merron (Campagne de France), Pip Hare (Medallia) und Alexia Barrier (4MyPlanet).

Miranda, Pip und Alexis – drei Ausnahme-Seglerinnen im Kurzporträt.

Miranda Merron, 51-jährige Britin, lebt in Cowes

Miranda weiß ganz genau, auf was sie sich mit dieser Vendée Globe einlässt. Als Neunjährige segelte sie mit ihren Eltern erstmals über den Atlantik. Eine Erfahrung, die sie selbst als Kind schon zutiefst prägte, und der Dutzende weitere Transats folgen sollten. Als Teenager und Twen segelte sie häufig im Team (auch Hochseeregatten), entschied sich jedoch trotz häufig bestätigten Talents nicht zur Karriere als Profiseglerin. Vielmehr war sie in der Welt der Werbung aktiv, wo ebenfalls bald schon alle Zeichen auf „Erfolg“ standen. 

Miranda Merron im Ziel er Transat Jacques Vabre © merron

„Nebenher“ segelte sie 1999 mit Emma Richards die Transat Jacques Vabre auf einem 50-Fußer und vor 15 Jahren entschied sie sich abrupt, dem schnöden Business an Land den Rücken zuzukehren und den Abenteuern auf den Meeren und Ozeanen den Vorzug zu geben. Auf dem Maxi-Katamaran Royal Sun Alliance griff sie nach der Trophée Jules Verne (Nonstop im Team um die Welt), sie segelte zwei Etappen beim Volvo Ocean Race und mischte schließlich gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Halvard Mabire in der Class 40-Szene mit (u.a. Global Ocean 2011). 

Überhaupt sei die gemeinsame Segelei mit Halvard maßgeblicher Antrieb gewesen, sich an ein Projekt und einen Lebenstraum wie die Vendée Globe zu wagen, betont Miranda Merron immer wieder. Beide ergänzen sich im Team auf nahezu ideale Weise und konnten diese Symbiose auch in die Vorbereitungen für die Vendée Globe einbeziehen. „Halvard wird immer dabei sein, auch wenn ich alleine über die Startlinie segeln werde!“

Miranda Merron ist eine der wenigen Frauen weltweit, die bereits zwei Mal unter Regatta-Bedingungen den Southern Ocean durchquerten. Ihr respektvolles und gleichsam beunruhigendes Urteil: „Das ist keine Gegend für den Menschheit!“ Entsprechend vorsichtig solle man sich dort bewegen – der kleinste Fehler könne sich ganz schnell zu einer mittelgroßen Katastrophe entwickeln. Deshalb sei Ruhe und Bedacht besonders wichtig bei dieser Einhand-Nonstop-Weltumseglung.

Miranda Merron, hier mit Partner Halvard Mabire, ohne den ihre Kampagne nicht möglich geworden wäre © merron

Mirandas Boot „Campagne de France“ kennt ebenfalls bereits die Route. Der für den Schweizer Dominque Wavre entworfene IMOCA aus dem Jahre 2006 hat bereits vier Weltumrundungen absolviert (zwei Mal Vendée Globe, zwei Mal Barcelona World Race). Nach einem Blitzeinschlag im Jahr 2014 wurde das Schiff einer totalen Umrüstung unterzogen. 

Miranda bedauert, dass sie und Halvard aufgrund des Corona-Lockdowns nicht wie geplant den Mast kürzen konnten. Dafür gab es einen völlig neuen Segelsatz von All Purpose – ein weiterer wichtiger Aspekt auf einem auch ansonsten rundum funktionierenden Boot. 

Pip Hare, 46,  lebt in Poole/Großbritannien

Gleich nachdem sie im Alter von 18 Jahren die Schule verließ, war für Pip klar: Ich werde Profi-Seglerin – egal wie. Seitdem hat sie nahezu alle Ozeane und Meere unseres Planeten im Team besegelt, fand aber erst vor 10 Jahren zum Einhandsegeln. Das hatte, wie bei vielen Hochseeregattaseglern, einen einzigen Grund: Pip träumte schon als Teenager von einer Teilnahme bei der Vendée Globe.

Pip Hare in typischer “Vendée-Globe-Pose” © pip hare

Ihre erste Einhand-Regatta war die OSTAR (von Plymouth/GBR nach Newport/USA). Seitdem bestritt sie reichlich shorthanded-Hochseeregatten (u.a. Transat Jacques Vabre, Fastnet) und bastelte an ihrer Karriere als Segelsportjournalistin, TV-Kommentatorin, Buchautorin und Segelcoach.

Pip ist nach eigenen Angaben mit einem „winzigen Budget“ an das Abenteuer Vendée Globe herangegangen, wird jedoch von beeindruckend vielen Freunden und Fans in ihren Vorbereitungen unterstützt. Dabei sind durchaus namhafte „helfende Hände“ und „mitdenkende Köpfe“ zu verzeichnen. Paul Larsen, der den Geschwindigkeits-Weltrekord im Segeln hält (65 Knoten), Joff Brown, der Bootskapitän und Vorbereiter von Dee Caffari bei deren Einhand-Weltumseglung gegen die vorherrschenden Windrichtungen war, und Rich Wilson (13. bei der Vendée Globe 2016).

Auf die Frage, warum sie an der Vendee Globe teilnehmen möchte, antwortet sie: “Weil es eines der härtesten Sportereignisse der Welt ist, weil das Regattieren in einem dieser riesigen Boote allein auf dem Meer mich dazu zwingt, in jeder Hinsicht der beste Mensch zu sein und weil ich das Meer liebe, ich liebe die Herausforderung, ich will mich immer verbessern“.

Auf die Frage, wie es wohl nach der Vendée Globe 2020/21 weitergehen wird, antwortet sie im Brustton der Überzeugung: „Vendée Globe 2024, ohne Zweifel!“ 

Will den bestehenden Rekord von Ellen MacArthur bei der kommenden Vendée Globe unterbieten: Pip hare © pip hare

Pip Hare segelt auf der 1999 von Bernard Stamm höchstpersönlich gebauten „Superbigou“, die später in Insiderkreisen mit „Superrobust“ bezeichnet wurde. Der legendäre Schweizer bretterte mit dem IMOCA zwei Mal um den Globus (Around alone); mit einer spanischen Crew kam das Boot beim Barcelona World Race nochmals rundum und schließlich war es der 23-jährige Schweizer Alan Roura, der als jüngster Teilnehmer die letzte Vendée Globe auf dem Boot glücklich und ohne Probleme beendete. Pip Hare und ihr Team haben einige grundlegende Änderungen an dem Boot vorgenommen (z.B. Cockpit-Layout, vollständig neuer Segelsatz), achteten nach Aussagen von Pip aber darauf, „dass nichts, aber wirklich nichts an den bewährten Strukturen geändert wurde!“. 

Alexia Barrier, 40, Französin, wohnt in Biot

Alexia ist eine von den (gar nicht mal so seltenen) Seglern und Seglerinnen, die erklärtermaßen mit Überfahren der Startlinie den schwierigsten Teil der Vendée Globe bereits abgehakt haben. Gemeint sind natürlich die enormen Hürden bei der Sponsoren- und Mäzen-Suche, für die auch Alexia einen besonders langen Atem brauchte. Doch letztendlich ist sie mit einem zwar kleinen, aber offenbar sehr stabilen Budget unterwegs, das sich aus vielen kleineren Geldgebern zusammensetzt. 

Alexia Barrier segelte in den letzten 15 Jahren hauptsächlich Class 40, Maxi-Yachten und Figaro. Dabei war sie zwar eher selten auf dem Podium anzutreffen, zeigte aber einen gewissen Biss respektive Konstanz durch regelmäßige Teilnahme bei großen Shorthanded-Regatten wie etwa Transat Jacques Vabre. 

Alexia qualifizierte sich für die Vendée Globe durch Teilnahme an den IMOCA Globe Series Regatten. 

Die Französin sieht sich übrigens nicht als Profiseglerin, die bis ans Ende ihrer Tage segeln will. Als engagierte Sportlerin und Bürgerin ist sie durchaus auch am Start einen Triathlons zu finden, kümmert sich um misshandelte Frauen oder sensibilisiert Schulklassen für den Schutz der Ozeane.

Alexia Barrier in Finish-Pose – sie hofft auf ein ähnliches Bild nach der Weltumrundung. Allerdings dürfte sie dann etwas winterfester gekleidet sein! © alexia barrier

Die von Alexia Barrier gegründete Assoc. „4MyPlanet“ hat sich zur Aufgabe gemacht, mit konkreten Umwelt- und Bildungsmissionen zum Schutz der Ozeane beizutragen. TSE, einer ihrer größten Sponsoren, kam im Laufe des letzten Sommers „ins Boot“. TSE ist Akteur im Bereich photovoltaischer Anlagen. 

Der 1998 von Marc Lombard für Catherine Chabaud’s Vendée Globe 2000 entworfene IMOCA TSE – 4myPlanet wird unter Alexia Barrier seine siebte Weltumrundung und bereits die fünfte Vendée Globe in Angriff nehmen. Der IMOCA gewann die Velux Five Oceans 2010-2011 mit dem Amerikaner Brad Van Liew am Steuer und schaffte mit dem Italiener Simone Biancetti in Around Alone den dritten Platz.

Eine Schulklasse besucht das Boot von Alexia Barrier © alexia barrier

Alexia ist sich darüber im Klaren, dass sie auf dem ältesten Design bei dieser Vendée Globe unterwegs sein wird, zeigt sich jedoch von der Robustheit und dem Design ihres IMOCA zutiefst überzeugt. „Ein Boot, dem man vertrauen kann!“ 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Vendée Globe: Die „anderen“ Frauen im Kurzporträt – Miranda Merron, Pip Hare, Alexia Barrier“

  1. avatar breizh sagt:

    So langsam scheint die Vorberichterstattung zur Vendée Globe hier zu starten. Ich freue mich und bin gespannt, was es hier noch alles zur VG zu lesen gibt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *