Vendée Globe: Kito de Pavants Wal-Kollision – Wrackfund nach zweijähriger Odyssee

Sie lag vor Madagaskar

Er heulte, flennte und wütete – doch Kito de Pavant musst seine IMOCA während der Vendée Globe 2016 nach einer Havarie mit einem Wal aufgegeben. Jetzt wurde die „Bastide Otio“ auf einem Strand identifiziert – viel ist nicht mehr übrig!

Jeder, der sich für die Vendée Globe begeistern kann, erinnert sich noch an die dramatische Geschichte rund um Salzbuckel Kito de Pavant, der einen Monat nach dem Start der VG 2016 sein Boot auf Höhe der Crozet-Inseln aufgeben musste. Mitten im Indischen Ozean kollidierte seine IMOCA „Bastide Otio“ am 6.12.2016 mit einem Wal, wobei das Boot so stark beschädigt wurde, dass es nach Wassereinbruch zu sinken drohte (SR-Berichte). 

Nachdem Kito De Pavant von einem französischen Versorgungsschiff, das zufällig in der Nähe unterwegs war, abgeborgen wurde und er publicityträchtig seine selbst gedrehten, höchst emotionalen Filme voller Wut und Verzweiflung in die Welt gesendet hatte, erlitt die „Bastide Otio“ das gleiche Schicksal wie bereits Dutzende andere havarierte IMOCAS zuvor. Sie wurde sich selbst überlassen und trieb in den Weiten des Ozeans als gefährliche IFO (diesmal: Identified Floating Object) und Meeresverschmutzer dem Horizont entgegen.

Kito de Pavant, IMOCA, Wrack

Der südfranzösische IMOCA- und neuerdings Class 40-Segler Kito de pavant © de Pavant

Zwar hatte de Pavant noch einen Sender an Bord seiner IMOCA aktiviert, bevor er selbst gerettet wurde. Doch einen Monat später empfing der Segler keine Signale mehr. „Alle sagten damals, die ‚Otio‘ sei untergegangen,“ erinnert sich de Pavant heute. „Doch ich hatte trotzdem noch so ein komisches Gefühl und träumte manchmal von dem treibenden Wrack, so wie ich das Boot zuletzt gesehen hatte.“ 

Kito de Pavant, Wal-Kollision

Der Wal, der Kito de Pavant den Kiel kostete wird im Kielwasser von der Kamera aufgenommen. © de Pavant

Ein Gefühl, das ihn nicht trügen sollte. Denn vor wenigen Wochen wandte sich ein Fahrtensegler aus dem französischen Hyères, der mit seiner Familie auf dem Katamaran seines Bruders einen längeren Törn, ausgehend von der Insel Reunion, gemacht hatte, an den Hochseesegler. Mathieu Belon war sich sicher, dass er das Wrack der Bastide Otio“ gefunden hatte  – auf einem Strand der Insel Madagaskar! 

Kito de Pavant, IMOCA, Wrack

Viel blieb nicht mehr übrig, © Belon/de Pavant

Den Fund als solchen hatte Belon bereits Ende letzten Jahres gemacht, doch er konnte nicht mit Sicherheit sagen, um welche Reste welchen Bootes es sich handelt. 

Tatsächlich war von dem Wrack nicht mehr viel übrig. Seegang, Wind und Salz hatten über zwei Jahre hinweg dafür gesorgt, dass alle Schriftzüge oder sonstigen äußeren Erkennungsmerkmale verschwunden waren. 

Und da auch auf Madagaskar das alte Gesetz gilt „Was das Meer auf den Strand wirft, gehört dem Finder“, war das Boot bis auf ganz wenige Reste vollständig auseinander genommen und von den ideenreichen Madagassen in Hütten, Häuser, Fahrzeugen und mehr „integriert“ worden. Recycling der ursprünglichen Art – vielleicht können sich hier die IMOCA-Werften inspirieren lassen? 

Kito de Pavant, IMOCA, Wrack

An diesem Teil wurde der IMOCA identifiziert. Links: am Strand, rechts: kurz nach der Havarie © de Pavant/Belon

Mathieu Belon knipste als interessierter Hochseesegler Fotografien von den Teilen, die (noch) keine Verwendung durch die Madagassen gefunden hatten und machte sich – zurück in Frankreich – an die Arbeit, um das Wrack zu identifizieren. 

Letztendlich war es das Bild von einem Teil der Kielaufhängung, die bei der Havarie mit dem Wal beschädigt wurde, das zur Identifizierung beitrug. Kito de Pavant hatte kurz nach der Kollision eine Aufnahme davon gemacht und online gestellt. 

Kito de Pavant, IMOCA, Wrack

Ein weiter Weg mit erstaunlichen Richtungen im Indischen Ozean © Belon/de pavant

Kito de Pavant zeigte sich nach der Kontaktaufnahme erstaunt und begeistert zugleich. Zunächst flapste er in seinem typischen Stil: „Ja super, jetzt haben wir das Boot endlich wieder. Noch ein bisschen Farbe drauf, ein paar Reparaturarbeiten und ich kann die nächste Vendée Globe damit in Angriff nehmen!“

Und im Ernst sagte er: „Puh, ich bin froh, dass nun 100 Prozent klar ist, dass die „Bastide Otio“ nicht mehr als schwimmende Ramme da draußen rumtreibt. Und wenn sie so noch einigen Madagassen als Ersatzteillager dienen konnte – um so besser!“ 

Kito de Pavant, IMOCA, Wrack

Heute segelt de Pavant Class 40 © made in midi

Was den Hochseeprofi jedoch besonders erstaunte, war der Weg, den sein Boot zurückgelegt hatte, nachdem er es verlassen hatte.  „Das ist der letzte Ort, an dem ich gesucht hätte. Bei den Bedingungen vor dem Wind habe ich erwartet, dass es in Neuseeland oder Chile zu finden ist, aber nicht in Madagaskar. Aber das Boot kenterte wohl und danach waren die Strömungen ausschlaggebend, und nicht mehr die Windrichtungen. Das Boot unternahm einen ziemlich unglaublichen Törn rund um den Indischen Ozean, die Westküste Australiens hinauf, um sich in den südöstlichen Passatwinden wiederzufinden und die Reise nach Afrika zu machen!“

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Michael Kunst

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