Vendée Globe Porträt: Warum Miranda Merron um die Welt segelt – Starke Eindrücke von Bord

Mit Ruhe und Bedacht

Miranda Merron ist eine der sechs starken Frauen, die bei der Vendée Globe um die Welt segeln. Das Video-Porträt von der 51-jährige Britin wurde bei den Mirabaud Sailing Video Awards mit Platz zwei prämiert. Eindrucksvolle Beschreibung des Bord-Alltags auf einem IMOCA.

Miranda Merron (51) lebt im britischen Segel-Mekka Cowes und weiß ganz genau, auf was sie sich mit dieser Vendée Globe einlässt. Als Neunjährige segelte sie mit ihren Eltern erstmals über den Atlantik. Eine Erfahrung, die sie selbst als Kind schon zutiefst prägte, und der Dutzende weitere Transats folgen sollten.

Als Teenager und Twen segelte sie häufig im Team (auch Hochseeregatten), entschied sich jedoch trotz häufig bestätigten Talents nicht zur Karriere als Profiseglerin. Vielmehr war sie in der Welt der Werbung aktiv, wo ebenfalls bald schon alle Zeichen auf „Erfolg“ standen.

Miranda Merron im Ziel er Transat Jacques Vabre © merron

„Nebenher“ segelte sie 1999 mit Emma Richards die Transat Jacques Vabre auf einem 50-Fußer und vor 15 Jahren entschied sie sich abrupt, dem schnöden Business an Land den Rücken zuzukehren und den Abenteuern auf den Meeren und Ozeanen den Vorzug zu geben.

Auf dem Maxi-Katamaran “Royal Sun Alliance” griff sie nach der Jules Verne Trophy,  segelte 2000 zwei Etappen als Navigatorin beim Volvo Ocean Race auf “Amer Sports Too” und mischte schließlich gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Halvard Mabire in der Class 40-Szene mit (u.a. Global Ocean 2011).

Miranda Merron. © Campagne de France

Überhaupt sei die gemeinsame Segelei mit Halvard maßgeblicher Antrieb gewesen, sich an ein Projekt und einen Lebenstraum wie die Vendée Globe zu wagen, betont Miranda Merron immer wieder. Beide ergänzen sich im Team auf nahezu ideale Weise und konnten diese Symbiose auch in die Vorbereitungen für die Vendée Globe einbeziehen. „Halvard wird immer dabei sein, auch wenn ich alleine über die Startlinie segeln werde!“

Das Paar wird seit langer Zeit vom Sponsor Campagne de France unterstützt. Merron erklärt zu ihrem Vendée Start: “Als wir für zwei weitere Jahre unterschrieben, dachte ich, dass ich die Partnerschaft mit etwas Großem abschließen wollte. Zuerst sagte ich Halvard, dass ich den Solo-Weltrekord in der Class 40 versuchen würde. Er sagte mir, dass es besser sei, die Weltumsegelung im Rahmen eines Rennens zu machen. Und so begannen wir das Gespräch über den Vendée Globe.”

Am Grinder. © Campagne de France

Miranda Merron ist eine der wenigen Frauen weltweit, die bereits zwei Mal unter Regatta-Bedingungen den Southern Ocean durchquerten. Ihr respektvolles und gleichsam beunruhigendes Urteil: „Das ist keine Gegend für Menschen!“ Entsprechend vorsichtig solle man sich dort bewegen – der kleinste Fehler könne sich ganz schnell zu einer mittelgroßen Katastrophe entwickeln. Deshalb sei Ruhe und Bedacht besonders wichtig bei dieser Einhand-Nonstop-Weltumseglung.

Merrons Boot wurde 2006 für den Schweizer Dominique Wavre gebaut und segelte schon viermal um die Welt. © Team Campagne de France

Mirandas Boot „Campagne de France“ kennt ebenfalls bereits die Route. Der für den Schweizer Dominque Wavre entworfene IMOCA aus dem Jahre 2006 hat bereits vier Weltumrundungen absolviert (zwei Mal Vendée Globe, zwei Mal Barcelona World Race). Nach einem Blitzeinschlag im Jahr 2014 wurde das Schiff einer totalen Umrüstung unterzogen.

Miranda bedauert, dass sie und Halvard aufgrund des Corona-Lockdowns nicht wie geplant den Mast kürzen konnten. Dafür gab es einen völlig neuen Segelsatz von All Purpose – ein weiterer wichtiger Aspekt auf einem auch ansonsten rundum funktionierenden Boot.

Bei der Vendée Globe segelt sie aktuell auf Rang 25 etwa 2400 Meilen hinter dem Spitzenboot. Am Morgen berichtet sie, nach zahlreichen Sturmböen mit extremen Winddrehungen endlich die Doldrums verlassen zu haben.

Vendée Globe Tracker

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Michael Kunst

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