Vendée Globe: Weltenbummler Soudée kauft Dutreux’s IMOCA – “das größte Abenteuer”!

Mit oder ohne Huhn?

Er ist mit seinen jungen Jahren schon ein richtiger Salzbuckel. Doch Guirec Soudée, der Mann mit dem Huhn auf der Pinne, will mehr als nur cruisen und kündigt seine Vendée Globe 2024 -Teilnahme an. Vorher muss er aber noch viel rudern.

Die Hochseeszene ist ja eigentlich alles andere als klar differenziert. Es gibt die Mikrosegler in ihren 3-Meter-Schuhkartons, Weltumsegler im offenen Strandkat, die gemütlichen Fahrtenskipper im Serienboot mit Stehhöhe im maschinenraum, die Performance-Transatlantik-Cruiser auf ihren Custom-Yachten, die Regattasegler auf Booten ohne Klo an Bord, die „vagabondierenden“ Luxus-Kat-Flanierer, die HighTech-Foiler, die trampenden Weltenbummler und natürlich die Abenteurer. Die wiederum sind auf den wildesten Untersätzen in den entlegensten Gebieten unterwegs und zeichnen sich häufig durch exotisch anmutende Mitsegler aus.

Auch die Angelei dürfte auf einem IMOCA wegfallen © soudée

Wobei das Eine das Andere übrigens nicht ausschließt. Nehmen wir zum Beispiel die Abenteurer. Diese echten und selbsternannten Helden der Hochsee sind ja nicht nur verbal in einem dauerhaften Übergangszustand. Schließlich kann man auf Regatten genauso Abenteuer erleben wie im Packeis der Arktis oder in den Brüllenden Fünfzigern. Selbst als tiefenentspannter Fahrtenskipper kann ein Anlegemanöver nach wochenlanger, langweiliger Atlantiküberfahrt zum Abenteuer werden. 

Vom Abenteurer zum Regattasegler

Besonders spannend wird es immer dann, wenn sich etwa Regattasegler bei den Abenteurern einreihen oder umgekehrt, eher abenteuerlich Typen ins Regattageschäft einsteigen wollen. 

Letzteres bahnt sich gerade für die nächste Vendée Globe 2024 an. Denn Guirec Soudée, mittlerweile in der Segelszene weltberühmt dank seiner Weltumseglung gemeinsam mit Huhn Monique an Bord, will zum Hochseeregattasegler aufsteigen und bei der Vendée Globe 2024 mitmachen. Zumindest nennt er das so, denn trotz einer Atlantiküberquerung in die Karibik, nach einem Winter im Packeis vor Grönland, nach Durchquerung der Nord-West-Passage und anschließender Pazifikdurchquerung, Kap-Hoorn-Rundung und abschließender Atlantik-Rückreise gemeinsam mit Wachgängerin, Steuerhuhn und Proteinlieferantin Monique, trotz all’ dieser wahrhaft faszinierenden Abenteuer bezeichnet auch Guirec Soudée die Vendée Globe als den Gral eines jeden Langfahrtseglers. 

Monique, Huhn, Guirec Soudée, Weltumseglung

An Abenteuern mangelte es im jungen Leben des Guirec Soudée nun wirklich nicht  © soudée

Nun könnte man so eine „ich-will-auch-bei-der-Vendée-Globe-mitmachen“-Ankündigung milde lächelnd unter „wir werden schon sehen“ ablegen. Aber dieser Guirec Soudée ist einer von der Sorte Abenteurer, die im Prinzip alles, was sie sich bisher vorgenommen haben, auch tatsächlich erledigten. Okay, das mit der Wanderung zum Südpol gemeinsam mit Monique musste wetterbedingt ausfallen. Geschenkt. 

Neues Boot… neues Abenteuer

So ist denn auch zu erklären, dass Guirec Soudées Ankündigung, bei der Vendée Globe an den Start gehen zu wollen, in Frankreich durchaus ernst genommen worden. Immerhin hatte das französische Sportheiligtum „Equipe“ die Nachricht als erstes Medium verbreitet. Natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn Menschen wie Guirec bringen Leserschaft – sein Buch verkaufte sich hunderttausendfach, allein sein Video über seine Grönland-Erlebnisse wurde knapp eine Million Mal angeschaut. 

Für die französische Seglergemeinde war die Ankündigung allerdings erst dann unter „seriös“ klassifiziert, als auch gleich der Kauf eines Bootes angesprochen und vor Kurzem vertraglich abgesegnet wurde. Denn Guirec Soudée hat keinen geringeren IMOCA als den von Benjamin Dutreux erworben, mit dem der Ausnahmesegler ohne Foils auf einem hervorragenden 9. Platz bei der letzten Vendée Globe landete. 

Drohnen-Aufnahme von Omia Water Family während der Vendée Globe 2020 © dutreux

Die ex Omia Water Family scheint wie gemacht für Guirec Soudée. Denn es ist ein Boot voller Geschichten und Esprit: 2007 gebaut, hat es bereits sieben Skippern als Renn-Untersatz gedient. Es gilt als einer der robustesten IMOCA der Flotte und dürfte – wahrscheinlich weiterhin ohne Foils – auch Guirec Soudée sicher um die Welt bringen. 

Was der zukünftige Skipper Guirec zu seinem Vendée Globe-Abenteuer in drei Jahren zu sagen hat, lässt allerdings noch auf sich warten. Denn derzeit rudert – ja, richtig gelesen, „rudert“! – der junge Bretone über den Atlantik. Alleine, also ohne Huhn Monique, autark und autonom, macht er gerade ein „aller-retour“ über den Großen Teich komplett. Abenteuer pur, klar! Wieder mit reichlich Wal-, Doraden-, Delphin- und Hai-Begegnungen. Einmal wurde Guirecs Ruderboot sogar von einer Schildkröte regelrecht angegriffen. Das war dann wieder vielen französischen Medien eine Meldung wert. 

Derzeit wird viel gerudert

Was Guirec angeblich während seiner Weltumseglung mit dem Huhn Monique fehlte, war eine anständige Kraft-Ausdauer-Betätigung. Immer nur rumsitzen und Wellen abreiten, sei zumindest körperlich nicht gerade anspruchsvoll gewesen. Deshalb der aktuelle Ruder-Törn.

Gueric Soudée auf dem Rücktörn gen Bretagne im Ruderboot © soudée

Mangelnde körperliche Ertüchtigung dürfte bei der Vendée Globe allerdings das kleinste Problem werden – an körperlicher Anstrengung wird es auf dem IMOCA nicht fehlen. Und schon gar nicht an Abenteuern: Angeblich sind Verträge für ein Vendée Globe-Buch bereits ausgearbeitet und müssen nur noch unterschrieben werden. 

Nur Eines ist noch nicht geklärt: Werden die Vendée Globe-Organisatoren ein Huhn als tierische Co-Skipperin akzeptieren oder nicht? 

Tracker der Atlantiküberquerung im Ruderboot.

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Michael Kunst

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