Vendée Globe: Werbezahlen auf Augenhöhe mit großen Sportarten – Sponsoren sind begeistert

55 Millionen Euro Werbefläche

Hochseerekorde, Einhand, Jules Verne Trophy, Vendée Globe

Amel le Cleac’h auf seiner Banque Populaire © Vendée Globe/ Liot

Die französische „Volksbank“ ist seit Jahrzehnten als Sponsor im Hochseesport aktiv. Vendée Globe bleibt beliebtestes Segelevent – Isabelle Joschke 2020 dabei.  

Während einer Vendée-Globe-„Geber-und Nehmer“-Konferenz, die von der französischen Online Redaktion „Tip & Shaft“ organisiert wurde, kamen spannende Zahlen und Informationen ans Licht. Das Meeting im bretonischen Nantes hatte es sich zur Aufgabe gemacht, seinen knapp 200 Teilnehmern intensive Kontakte zwischen Sponsoren und Seglern, die bei der nächsten Vendée Globe teilnehmen wollen, zu ermöglichen. 

Vendee Globe

Start zur Vendée Globe. © Vincent Curutchet / DPPI

So stellte Laura le Goff, die Direktorin der Vendée Globe, erstmals die offizielle Bilanz der vergangenen 8. Vendée Globe vor. Demnach wurden 2,25 Millionen Besucher an den Stegen von Les Sables d’Olonnes gezählt, was einem Plus von 25 Prozent gegenüber 2012 entspricht.

Die Fernseh-Berichterstattung sei le Goff zufolge förmlich „explodiert“: 1.274 Stunden lang (+72 Prozent) wurden auf 97 Kanälen (+ 50 Prozent) über die Vendée Globe berichtet. 33 TV-Sender haben den Start live übertragen (+80 Prozent), der wiederum von 10 Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen verfolgt wurde.

Die Facebook-Seite der Vendée Globe zählte 264 000 Fans (+ 350 Prozent), bei Twitter gab es 54.000 Follower und 23.800 waren über Instagramm dabei. 71 Millionen mal wurden Vendée Globe-Videos im Internet angeschaut (+ 140 Prozent) – die Vendée Globe-Seite generierte 260 Millionen Seitenaufrufe, die Mobil-App zusätzliche 85 Millionen. 

Mehr als 30 Prozent aller Franzosen zeigten sich zumindest interessiert an der Vendée Globe, was die Einhand-Weltumseglungsregatta auf ein Niveau mit der Tour de France, den beliebtesten Rugby- und Fußballbegegnungen oder dem Tennis-Turnier Roland Garros stellt. 

Die Vendée Globe ist demnach die beliebteste Regatta in Frankreich vor der Route du Rhum  (25 Prozent), Transat Jacques Vabre  und Trophée Jules Verne (18 Prozent).

Fünfundfünfzig Millionen

Den „Knaller“ brachte allerdings Thierry Bouvard, Verantwortlicher für das Sponsoring-Programm von „Banque Populaire“, in die Runde. Bekanntlich konnte Armel Le Cleac’h auf dem blauen „BP“-Foil-IMOCA nach einem höchst spannenden „Duell“ mit dem Briten Alex Thomson diese 8. Vendée Globe für sich entscheiden. Das brachte dem Sponsor Banque Populaire lt. Bouvard einen sagenhaften Gegenwert von 55.000.000 Euro – in Worten: Fünfundfünfzig Millionen Euro – an Werbefläche ein. 

Le Cleac'h

Ja, es sollte wirklich ein “Gutes Jahr 2017” für le Cleac’h und seinen Sponsor geben © Le Cleac’h

Alles in allem schaffte es Armel le Cleac’h mit seiner Banque-Populaire-IMOCA auf 34 Presse-Titelseiten, in  4.193 TV-Beitrage, bis auf 88 Millionen Klicks im Internet und immerhin 12 Millionen mal wurden Banque Populaire-Le Cleac’h-Videos angeschaut. Um die Beiträge in Medien wie Facebook zu puschen und „aktivieren“ wurde eine Summe von etwas mehr als 100.000 Euro ausgegeben. 

Insgesamtesamt unterstützt Banque Populaire den Segelsport in Frankreich mit jährlich 5,5 Millionen Euro. Der derzeit für Armel le Cleac’h im Bau befindliche Ultim Trimaran (geschätzte Baukosten im zweistelligen Millionenbereich), der bereits im Sommer fertig gestellt sein wird, ist in diesem Jahresbudget noch nicht eingerechnet. 

Gewinn trotz Aufgabe

Dass man als Sponsor nicht unbedingt den Sieger unter Vertrag haben muss, um Erfolge mit der Unterstützung eines Vendée Globe-Teilnehmers zu erwirtschaften, zeigte beispielhaft die Kommunikationsdirektorin der Versicherungsgruppe SMA auf. Sie unterstützte den „Vendée Globe“-Neuling Paul Meilhat, der das Rennen aufgeben musste.

Dennoch konnte sich SMA mit 280 TV/Radio-Beiträgen und 83 Presseartikeln vor und während dieser Vendée Globe locker zurücklehnen: Der Gegenwert von exakt 1.826190 Euro wurde so erwirtschaftet. Wie hoch der finanzielle Einsatz des Sponsors war, wurde nicht bekannt gegeben – Insider schätzen ihn auf eine halbe Million Euro. 

SMA, Meilhat

Paul Meilhat bei der Arbeit auf dem Vorschiff. Im Sturm knallte er gegen ein Vorstag. © SMA

Auch im „Kleinen“ konnte mit der vergangenen Vendée Globe Gewinn gemacht werden. So erreichte etwa der Segeltuch-Taschen-Hersteller 727 Sailbags  als „Partner“ der Vendée Globe allein im Monat Dezember 2016 einen Online-Verkauf seiner Taschen mit dem berühmten Logo der Vendée Globe im Wert von 100.000 Euro. In Zeiten ohne Vendée Globe schafft der Taschenproduzent knapp halb so viele Verkäufe. 

Insgesamt soll sich das Interesse potentieller großer Sponsoren an der Vendée Globe deutlich verbessert haben, ist aus Teilnehmerkreisen dieser Konferenz zu vernehmen. Wenn auch gerade die „Kleinen“, finanziell schwächer gepolsterten SkipperInnen nach wie vor schwer zu „kämpfen“ haben, um an „vernünftige Budgets“ für die nächste Kampagne zu gelangen. Doch die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Vendée Globe legen, wie bei allen anderen Sportevents auch, den Grundstein für die Gewinne der kommenden Ausgaben.

Pokern und investieren

Im Prinzip ist es wie an der Börse: Stimmt die Stimmung und ist keine Krise in Sichtweite, wird munter investiert und gepokert. 

Solitaire du Figaro

Eindeutig auf dem Weg nach oben: Isabelle Joschke auf ihrem Figaro 2 und bald auf der IMOCA  © martinez

So ist es auch zu verstehen, dass der erste Vendée Globe-Sieger Alain Gautier mit seinem Unternehmen den IMOCA von Yann Elies zu einem „vernünftigen Preis“ (wie gemunkelt wird) erstand. Immer davon ausgehend, dass der derzeit sehr aktive Sponsor „Generali“ (Versicherungen) weiterhin „bei der Stange bleiben wird“, soll auf diesem IMOCA bei der Vendée Globe 2020 die Deutsch-Französin Isabelle Joschke als Skipperin zum Zug kommen. Auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg wird – Geld kann man als Sponsor mit Isabelle in jedem Fall verdienen. Ohne Wenn und Aber.

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Werbezahlen auf Augenhöhe mit großen Sportarten – Sponsoren sind begeistert“

  1. avatar Breizh sagt:

    Es wäre einmal interessant, ob die “deutschen” Sponsoren der Vendée Globe das ähnlich sehen?

    Wenn Isabelle jetzt auch noch einsteigt, könnte das Medieninteresse auch in Deutschland noch größer werden. Wobei sie sich wohl eher als Französin sieht als als Deutsche.

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  2. avatar Robert Nowatzki sagt:

    Segelflaeche ist als geniale Werbeflaeche schon laenger bekannt.
    Vielleicht koennen auch deutsche Projekte durchstarten.
    Wie zu Beispiel das MidsummerSail, die Ostsee-Sommer-Antwort auf das Sydney to Hobart Race.
    So, bin fertig mit Eigenwerbung…

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  3. avatar Tom sagt:

    Hugo Boss und Mercedes sind ja im Grunde genommen deutsche Sponsoren. Leider unterstützen sie aber kein deutsches sondern ein französisches und ein englisches Team. Wenn durch Deutsche Teilnehmer jetzt das Interesse an dem Sport steigt sieht das hoffentlich in den nächsten Jahren anders aus. Und vielleicht wird Boris Hermann 2024 ja von einem deutschen Sponsor unterstützt.

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