Volvo Ocean Race: „Schmankerl“ der letzten Etappe – bisher acht Legenden gemeldet

Legenden unter sich

Legends Race, Volvo Ocean Race

Die “Copernicus” © VOR

Sogar die kleinste Yacht des allerersten Whitbread-Race hat gemeldet. Die polnische „Copernikus“ wird u.a. gegen „Assa Abloy“, „Silk Cut“ und „Amer Sport“ segeln! 

Uff, die Alten sollen 45 Minuten Vorsprung bekommen! Dann steht ja einem fairen Vergleichsrennen  zwischen früheren und heutigen Volvo Ocean- respektive Whitbread-Racern nicht mehr im Wege. 

Klartext: Am 21. Juni wird im schwedischen Göteborg eine Flotte auf die letzte Etappe des aktuellen VOR geschickt, wie es sie so wohl noch nie gegeben hat. Denn die Rennleitung der spektakulären Rund-um-die-Welt-Regatta hat sich für die 462 theoretische Seemeilen lange Strecke nach Den Haag ein echtes „Schmankerl“ vorgenommen. Neben den am aktuellen Rennen beteiligten 65-Fuß-Racern werden sich auch Klassiker-Yachten des Rennens (vormals Whitbread Round the World) auf den Weg Richtung Niederlande machen. Wie gesagt, mit 45 Minuten Vorsprung… 

Echte Klassiker

Acht Yachten haben bisher bereits gemeldet, darunter wahre Legenden aus den unterschiedlichen Ären der seit jeher faszinierenden Weltumseglungsregatta. Wie zum Beispiel die „Flyer“, ein Sparkman & Stephens-Design (20, 85 m Wasserlinie). Sie gewann die zweite Ausgabe des Whitbread Races in den Jahren 1973 – 74. Oder die Tokio: Das John-Swarbrick-Design (19,5 m) wurde 1993-94 Fünfte Overall und konnte immerhin drei Etappen gewinnen. Die „Rothmans“, 24,5 m lang (derzeitiger Eigner ist Ludwig Uhlmann, Nürnberg) wurde in der Whitbread-Race-Ausgabe 1989 – 90 Vierte. Das legendäre Farr-Design „Silk Cut“, Rang 5 in der Ausgabe 1997-98, schaffte damals mit 449, 1 Seemeilen immerhin einen 24-Stunden-Weltrekord. 

„Amer Sport“ dürfte ein seriöser Aspirant für den Sieg bei diesem Legends-Race sein: Das 64 Fuß lange „Frers-Design wurde 2001-02 Dritter. Allerdings meldet auch die „Asso Abloy“ Siegesambitionen für diesen „Klassiker-Törn“ an. Das ebenfalls 64 Fuß lange Farr-Design war beim Whitbread 2001-02 sogar Zweite in der Gesamtwertung und konnte immerhin drei Etappen gewinnen. Last not least die “Ericsson 4”, Sieger des Volvo Ocean Race 2008 -09. Ist der Renner der vorletzten Generation überhaupt zu schlagen?

Ein wahres Schmankerl unter diesen Legenden hat aber erst vor wenigen Tagen gemeldet. Die damals wie heute unter polnischer Flagge segelnde „Copernicus“ war die kleinste teilnehmende Yacht beim allerersten Whitbread Round the World Race 1973/74. Sie wurde in der Gdanska Stocznia Jachtowa-Werft in Polen mit viel ehrenamtlicher Hilfe aus den Reihen des Gdnask-Yachtclubs  ‘Stal’ Gdynia gebaut. 

Wochenlang “verschwunden”

Die 14, 20 Meter lange Ketsch (Designer: Liskiewicz & Rejewski) segelte mit einer sechsköpfigen Besatzung ohne Dramen oder größere Zwischenfälle um die Welt und beendete das 27.000 Seemeilen lange Rennen auf Platz 11. Ihr Skipper war der Olympia-Segler Zygfryd ‘Zyga’ Perlicki. Nur einmal bereiteten die Polen der damaligen Rennleitung Sorgen. Nach dem Etappenstart in Rio des Janeiro fiel das Funkgerät aus und die Segler konnten keine Positionsmeldungen mehr durchgeben. Vier Wochen lang war die Yacht sozusagen „verschwunden“. Auch die Bitte an die internationale Handelsschifffahrt, bei Sichtung der Yacht unbedingt Meldung zu machen, blieb ohne Ergebnis. Erst kurz vor dem Etappenziel wurde die Polen wieder geortet – sie beendeten dieses erste Whitbread Race als respektable elfte Yacht von vierzehn gestarteten. 

Volvo Ocean Race, Legends Race

Ericsson 4, Sieger des VOR 2008/09, hat ebenfalls für Legends Race gemeldet © Volvo Ocean Race

Nach Beendigung des Rennens 1974 wurde die „Copernicus“ für Training, Kreuzfahrten und Expeditionen eingesetzt und segelt immer noch regelmäßig über die Ost- und Nordsee. Im Jahr 2006 umrundete sie noch Island. Viele Leute, die über die Jahre hinweg an ihr gearbeitet hatten, konnten sie zwischenzeitlich segeln und sozusagen die Früchte ihrer Arbeit ernten. 

Die Teilnahme am Legends-Race des diesjährigen Volvo Ocean Races dürfte für die Polen ein weiterer Höhepunkt in der Karriere des Schiffes darstellen. Sie gilt als einziges Boot in dieser „Klassiker-Flotte“, das ohne Sponsorship oder privates Mäzenentum an den Start gehen wird. 

Website VOR Legends Race

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: „Schmankerl“ der letzten Etappe – bisher acht Legenden gemeldet“

  1. avatar Friedrich sagt:

    Hallo Speedsailing, das wäre doch ein toller Job für die Illbruck???

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar addi sagt:

    Wieder mal ein toller Artikel von Miku, danke!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar JKD sagt:

    Hallo Speedsailing, oder die SEB oder die Toshiba, die braucht ja mal Auslauf.

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