Volvo Ocean Race: “Vestas” siegt mit 10 Sekunden Vorsprung beim Balearen Test

"Lernen vom Feind"

Und da schwimmt es, das Segel…

Nur mal eben schnell um die Balearen: Das „Practice-Race“ 20 Tage vor dem Start des VOR machte deutlich, dass die Abstände immer kleiner werden und an Bord “nichts verziehen wird”.

Natürlich war es nur ein Test- oder Übungsrennen, der „Schlag“ von Alicante rüber zu den Balearen und wieder zurück wird nicht in die Wertung des Volvo Ocean Races 2014/15 aufgenommen.

Für Teams, die auf ihren VOR 65-Boliden bald schon um die Welt segeln sollen, war das eine Kleinigkeit, ein Wimpernschlag, zumal auch noch allerbeste meteorologische Bedingungen herrschten (klare Sicht, 5-15 Knoten Windstärke).

Doch für die sieben VOR-Teams ging es um wichtige Informationen. Erstmals segelten alle  65-Fuß-Renner gegeneinander und endlich wurde nach monatelangen Vorbereitungen, hartem Training und aufreibenden Testfahrten „das Rudel“ losgelassen.

Unter reellen Rennbedingungen konnten die Segler feststellen, „wo man steht“, „was die anderen drauf haben“, welche Segel sie setzen, welcher Trimm bevorzugt wird und in welchen Situationen es mehr oder weniger dringenden Trainings-Nachholbedarf geben könnte. “Lernen vom Feind”, heißt das passende Video dazu vom Veranstalter.

Eindrücke vom “Leg 0” des Volvo Ocean Races

Entscheidungen im Detail

Eine Gewissheit nehmen alle Teams aus diesem „Leg 0“ mit: Während des VOR kann jede einzelne taktische und strategische Entscheidung, jedes eher nachlässig vollzogene Manöver, schlicht jeder Fehler rennentscheidend sein.

Dabei war es paradoxerweise ausgerechnet das Team mit der deutlich kürzesten Vorbereitungszeit, das sich (wenn auch denkbar knapp) den Sieg holte: Team Vestas Wind hatte erst letzten Monat seine Teilnahme am Volvo Ocean Race bekannt gegeben, da hatte so mancher andere Konkurrent schon Tausende Trainingsseemeilen auf der Logge, neben den Qualifikationstörn über 2.000 Seemeilen nonstop, der für alle Teilnehmer Pflichtprogramm ist.

100 Meter Vorsprung

Mit zehn Sekunden Vorsprung – ca. 100 Metern Abstand – zum zweitplatzierten Team Brunel schaffte es die Vestas-Crew rund um Skipper Chris Nicholson, gleich bei ihrer ersten Regatta auf ihrem neuen VO 65-Racer ein Zeichen zu setzen.  Auf Rang drei folgte mit 12 Minuten Rückstand Abu Dhabi Racing.

„Ab Palma de Mallorca segelten wir buchstäblich auf Tuchfühlung neben den Brunel-Jungs, das war ein richtiger Fight zwischen nahezu gleich schnellen Schiffen,“ berichtete Tom Johnson aus der Siegercrew. „Jeder Fehler zählt dann!“

Diese Fehler-Erfahrung musste auch das Dongfeng  Race Team machen. Die französisch–chinesische Crew unter Skipper Charles Caudrelier (die bereits beim Round Britain Race mit tollen Onboard-Aufnahmen aufgefallen war), sorgte auch diesmal für Unterhaltung.

Nachdem das Team hervorragend gestartet war und „das VOR-Rudel“ sogar deutlich anführte, rutschte ein Vorsegel über Bord. Ein schnelles Segel-über-Bord-Manöver brachte das Tuch dann zwar in beeindruckender Zeit wieder an Bord, über die verlorenen 300 Meter Vorsprung ärgerte sich der Steuermann aber „die Platze“ (siehe Video).

Bleibt die Filmberichterstattung von Bord tatsächlich auch während des VO  Races so „hautnah“, können wir uns alle auf spannende Videos gefasst machen…

Eine leichte Ahnung, von dem was komen wird © VO

Eine leichte Ahnung, von dem was kommen wird © VO

Mann über Bord

Damit nicht genug des Malheurs auf Dongfeng: Nachts rutschte der junge Horace über Bord und erlitt eine Verletzung an der Hand, als er sich an eine Schot klammerte. „Egal unter welchen Bedingungen – es ist niemals spaßig,  mitten in der Nacht ein Crew-Mitglied aus der See zu fischen,“ knurrte Caudrelier, nachdem er die Dongfeng mit 35 Minuten Rückstand als Sechster über die Ziellinie gebracht hatte.

Ausgesprochen zufrieden waren die SCA-Damen mit diesem  „Leg 0“. 20 Minuten nach dem Sieges-Duo erreichten sie als Fünfte die Ziellinie vor Alicante. Team-Chefin Sam Davies zeigte sich überglücklich, verwies auf hartes Training während der letzten Wochen (seit dem Round Britain Race, bei dem sie schwer gebeutelt wurden) und darauf dass die intensive Arbeit mit den Coaches hier erste Früchte getragen hätte. „Neben unseren meistens gelungenen Manövern war aber vor allem die Taktik ausschlaggebend für das Rennen!“ unterstrich sie.

Gute Taktik auf SCA

Gemeinsam mit den beiden Siegerbooten entschieden sich die SCA-Frauen für die Strecke nördlich von Ibiza, wo es tatsächlich deutlich kräftiger wehte. Die anderen VO 65 fuhren zwischen den Inseln auf zwar kürzerem, aber auch langsamerem Kurs.

Ein deutlich unglücklicheres taktisches Händchen hatte Xabi Fernandez, der in Abwesenheit von Iker Martinez – er segelt Nacra 17 bei den Santander Worlds – das Kommando auf „Team Espana“ hatte und mit gutem Bootspeed bis zu den Balearen vorne mitmischte. Dann segelte er aber südlich an Formentera vorbei. Acht Sunden Abstand zu den Erstplatzierten sprechen Bände.

Ergebnisse Leg 0

Website Volvo Ocean Race

Start aus Sicht des spanischen Teams

 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: “Vestas” siegt mit 10 Sekunden Vorsprung beim Balearen Test“

  1. avatar Goldparmäne sagt:

    Soso. Mann über Bord nachts auf offener See bei Familiensegelbedingungen. Ich habe ja ein gewisses Verständnis dafür, daß die Sponsoren Crewmitglieder aus ihren Nationen an Bord sehen wollen. Die mit abendländischen Künstlernamen beklebten jungen Chinesen mit auf den “Everest des Hochseesegelns” zu schicken, kann ich mir allerdings nur mit dem in ihrem Heimatland gepflegten Umgang mit Menschenleben erklären. Haarsträubend.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 5

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *