Yacht Test: Trimaran Pulse 600 als Daysailer für 40.000 – Flottes Dreibein ohne Schnickschnack

Für den schnellen Segelspaß

Der Trimaran Pulse 600 ist ein sportlicher Daysailer für kleinen Preis. Wir haben ihn auf der Schlei getestet und sind ordentlich in Fahrt gekommen.

Pulse 600

Der Pulse 600 vor der winterlichen Schlei. © Sven Jürgensen/Mittelmanns Werft

Keine Frage, Multihulls sind mehr denn je en vogue. Das hat mit der Entwicklung beim America’s Cup zu tun, die Olympia-Familie hat mit dem Nacra 17 Merhrrumpf-Nachwuchs bekommen und auch die großen Formel 18 Veranstaltungen bringen nach wie vor über 100 Boote an die Startlinie.

Es macht einfach Spaß, schnell zu segeln. Deshalb werden die ultraleichten Luxus Fahrtenkats von Gunboat gebaut und die dänischen Dragonfly Trimarane erfreuen sich stabiler Beliebtheit.

In Frankreich hat gerade die Trimaran Idee einen erheblichen Aufschwung erlebt, seit die Tour de France à la Voile erstmalig mit Diam 24 Tris ausgesegelt wird. Und nun hat Corsair den neuen Daysailor Pulse 600 auf den Markt gebracht, einen schnellen Cruiser für kleines Geld. Der Grundpreis beträgt rund 40.000 Euro.

Dreibein mit Laser Prinzip

Die Kosten sind der Clou. So günstig gibt es keinen der Dreibeine auf dem Markt. Der Pulse schafft das durch eine Einfachheit, die fast an das Laser Prinzip erinnert. Keine aufwändige Beschlagausrüstung, kein Schnickschnack, absolute Effizienz.

Im November haben wir den Tri auf der Schlei gesegelt. Er fühlt sich auf Anhieb flott an. Ein komisches Gefühl zwar, wenn sich der zunehmende Druck nicht in Krängung äußert. Aber den zunehmenden Speed nehme ich gerne mit.

Am Wind:

Man muss am Wind schon etwas voller fahren, um das Gurgeln am offenen Heck los zu werden. Aber dann kann man sich vorsichtig an die Windkante heran tasten, um einen ordentlichen Wendewinkel zu erreichen, der modernen Sportbooten entspricht.

Enorme Beschleunigung

Das offene Cockpit ist für bis zu vier Personen entwickelt und trägt sie auch komfortabel. Aber seine Speedfähigkeiten kann die 450 Kilo leichte Karbon-Konstruktion am besten mit einer zweiköpfigen Crew ausspielen.

Zu dritt müssen wir das Gewicht deutlich nach vorne trimmen, um das Heck aus dem Wasser zu bekommen. Aber dann ist die Beschleunigung enorm. Und das Schiff ist klein genug, um die Crew das Geschwindigkeit-Gefühl genießen zu lassen.

Multihulls gehen gemeinhin eher schleppend in die Kurve. Aber dieser kleine Pulse macht dabei eine gute Figur. Man muss zwar ordentlich abfallen nach der Wende, um schnell wieder Speed aufzunehmen, aber auch bei weniger Wind besteht nicht die Gefahr, im Wind stehen zu bleiben. Dafür hat der Mittelrumpf zu viel Auftrieb.

Vorstag-System wie bei der Varianta

Etwas schwierig ist es, genug Vorstag-Spannung für die Fock aufzubauen. Das Fall wird nicht zum Mast geführt, sondern am Stag selber vorne über der Roll-Trommel fixiert. Das Prinzip ist einfach und hat schon bei der Varianta funktioniert. Aber man muss eben ordentlich spannen und auf dem Am-Wind-Kurs die Großschot dicht halten, um genug Zug auf das Vorstag zu bekommen und zum Nachtrimmen auf der Bugspitze balancieren.

Der kleine Gennaker ist unkompliziert zu händeln.  Er wird aus dem Cockpit mit Tackline und Fall gesetzt. Für wenig Wind wäre ein größeres Tuch angebracht, bei dem herrschenden Mittelwind bringt aber auch der kleine Schwarze das Schiff ordentlich in Fahrt, wenn man einmal den richtigen Steuer-Winkel gefunden hat.

Unter Gennaker:

Wie bei schnellen Segelschiffen üblich kann man mit dem zunehmenden Fahrtwind schnell eine größere Tiefe steuern. Spätestens hier wird deutlich wie nahe der schnelle Cruiser einem Regattaschiff ist.

Feinfühliges Steuergefühl

Das äußert sich auch beim Steuergefühl. Bei hohen Geschwindigkeiten tritt bei einfachen Booten oft Spiel in der Lenkung auf. Dieses Manko lässt möglichen Segelspaß schnell an seine Grenzen stoßen. Aber beim Pulse 600 sind Ruder und Steckschwert in Kompositbauweise sauber profiliert und der Pinnenausleger liegt feinfühlig in der Hand.

Man kann sich gut vorstellen, auch längere Touren zu unternehmen, wenn das geräumige Cockpit mit einer effizienten Kuchenbude abgedeckt wird. Denn Platz für Isomatte und Kochgeschirr ist reichlich vorhanden. Beim Segeln kann solche Ausrüstung locker unter der kleinen Schlupfkajüte platziert werden.

Ein Unsicherheitsgefühl kommt auch bei stärkeren Böen nicht auf. Der Leeschwimmer drückt sich ins Wasser und mit zunehmendem Speed weicht der Überdruck aus den Segeln. Nur im Ausnahmefall gelingt es, den Mittelrumpf zu heben, wie es die großen Rennmaschinen können. Aber dafür ist der Pulse nicht gemacht.

Groß auf Baum gerollt

Besonders einfach ist das Händling der Tücher. Das Großsegel wird nach dem bewährten Corsair Prinzip über eine Kurbel am Mast auf den rotierenden Großbaum gerollt. Und die Schwimmer können für den einfachen Hafen-Betrieb angeklappt werden um die Breite von 4,5 auf 2,45 Meter reduzieren zu können.

Der Pulse ist eine echte Bereicherung für den Markt und dürfte besonders auch jüngeres Klientel ansprechen, das seinen Radius beim Segeln deutlich erweitern möchte. Mit dem unkomplizierten leichten Trailerboot können ganz neue Reviere erschlossen werden.

Preisbeispiel

Corsair Pulse 600 Standardpackage ab Werft USD 35.900,00
Groß, Rollfock inklusive  2.000,00    Summe USD 37.900,00
EUR ohne MwSt. 33.539,82 € inkl. 19% MwSt.
39.912,39 €
+ Trailer Harbeck 1.300,00 € Hafenkosten
+ Assembly 995,00 €
Paketpreis inkl. 19% MwSt. 42.207,39 €

Pulse 600 Information
Händler im Norden: Mittelmann’s Werft

Werner Stolz von Corsair Deutschland erklärt den Pulse 600:

Wie das Großsegel auf den Baum gerollt wird:

Corsair Pulse 600

LüA: 6m
Breite (segeln/gefaltet): 4.5m/2.45m
Tiefg. Schwert (hoch/abgesenkt): 0,22m /1.2m
Gewicht: 450kg
Segelfl. (am Wind/mit Gennaker): 26,2 qm/44,5 qm
Zuggewicht (inkl. Trailer): ca. 750kg
Designer Francois Perus
Preis inkl. Trailer: ca. 41,000 Euro

Der Tri wird auf der boot in Düsseldorf zu sehen sein

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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