Bordtablet, Teil 2. Zubehör.

Peripheriegeschichte

Welches Zubehör ist sinnvoll, um ein Tablet an Bord zu benutzen? Das Ergebnis einer Problemkette.

Als ich 2012 anfing, mit einem Tablet zu navigieren, habe ich das Gerät in ein teures Case gepackt, das es wasserdicht macht und gegen Erschütterungen sichert. Nachdem sich das iPad unterwegs in der prallen Sonne schnell verabschiedete (“Temperatur zu hoch”) und kaum ablesbar war, stellte ich es mit einem Saugnapfhalter unter die Sprayhood. Dort wurde das Tablet nie nass und es stand kühl und gut ablesbar. Allerdings musste ich den Screen stets auf volle Helligkeit stellen, was zur Folge hatte, dass der Akku nach 4 Stunden leer war. Abhilfe schafft in solchen Momenten natürlich der StandBy Modus. Schließlich navigiert man nicht konstant durch, sondern schaut nur ab und zu mal auf die Anzeige der Plotter App.

Hardcase. Zu unflexibel.

Hardcase. Zu unflexibel.

Dadurch entstand das nächste Problem: Mit kalten, nassen Fingern reagiert der Touchscreen manchmal recht kapriziös und das iPad aus dem StandBy Betrieb aufzuwecken , in dem man über die “Entriegeln” Fläche wischt, kann dann schnell nervig werden. Abgesehen davon brauchen viele Tablets erst einmal einen Moment, wieder den Fix zu finden. Daher machte der StandBy Modus für mich kaum Sinn.

Per Kabel habe ich das Tablet dann dauerhaft mit Strom versorgt. Das allerdings war wiederum auch nicht ganz astrein, denn das Case bot keinerlei Möglichkeit, das Ladekabel anzuschließen. Zu dieser Zeit gab es nur das sündhaft teure Andres Industries Case, welches eine wasserfeste Stromversorgung ermöglichte. Dieses Case kam jedoch nicht in Frage, weil man es bei einem Gerätewechsel (vor allem Apple verändert immer die Bauform in neuen Geräten) nicht mehr nutzen kann. Außerdem wäre ich dann in die Preisbereiche eines schönen großen Plotters gekommen. Das ist sinnlos.

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Also stand das Tablet mit den Erfahrungen einer Saison unter der Sprayhood, wurde niemals nass (weil dort kein Wasser hinkommt) und strahlte stets in voller Helligkeit vor sich hin. Über die Plus Minus Tasten wurde gezoomt statt gewischt (geht wesentlich besser) und im Cockpit liegen Papierkarten zur Kontrolle und zur gesamten Übersicht.

Als ich dann zwischendurch mal das iPad wechselte, musste ich mir alles wieder neu anschaffen. Apple veränderte nicht nur die Größe, sondern ging auch von 12 Pin zu Lightning (dessen Sinn und Vorteil ggü USB sich mir nicht erschliesst).

Meine Konsequenz daraus war, dass ich zu dem Android Tablet NepTab 7 wechselte- ein massives Outdoor-Tablet mit mega Akkuleistung. Ich wollte keine teuren Cases mehr.  Dazu nervte mich das lange USB Kabel, dass vom Kajütdach unter Deck in die 12V Buchse am Panel lief und ich bei Hack ab und zu mal abgerissen habe. Deshalb kaufte ich mir ein USB Akkupack sowie eine Solarmatte mit 2 USB Anschlüssen. Das funktionierte sehr gut, eröfnete allerdings ein neues Problem: Bei grauem Himmel lädt das Solarpanel nicht mehr mit voller Leistung und die USB Powerbank flog ständig mangels Befestigung durch die Gegend.

Outdoor tablet

Outdoor tablet

Diese Problemketten (obwohl es keine echten Probleme sind sondern immer auch gut funktionierte) haben dann zu dem geführt, was heute bei mir als Zubehör fürs Bordtablet mit aufs Boot kommt:

Halterung

Unter dem Dodger steht auf einer glatten GFK Fläche ein Saugnapfhalter aus dem KFZ Zubehörhandel für 18 Euro. Einfach mal bei Amazon nach Saugnapf Tablet Halterung suchen. Die Aufnahme reicht von 7 bis 12 Zoll Tablets. Damit steht das Gerät sicher und gut ablesbar im Schatten.

Ich habe noch eine zweite Halterung: Eine Fallentasche mit aufgebrachter Klarsichtfolie, in die man ein Tablet stecken und bedienen kann. Das nutze ich manchmal bei grauen Tagen. In der Sonne wird der Tablet-PC zu heiß.

Für mein Handy habe ich noch einen Schwanenhals, der man unter Deck anklemmen kann. Allerdings wackelt das bei Welle schon sehr hin und her. Nutze ich nur auf der Schlei zum Spaß.

Schwanenhals

Schwanenhals

Case

Harte Cases gibt es meistens nur für iPads oder Samsung Tablets. Wechselt man das Gerät, kann man sie nicht mehr benutzen. Ich bin daher zu weichen Lösungen übergegangen. Aquapacks kosten wenig, funktionierten genauso gut und ihnen ist egal, welches Gerät drin steckt. Ich habe nun ein Ortlieb Tablet Case für rund 50 Flocken, an dem ich Sicherungsleinen anbringen oder das Tablet auch irgendwo anbändseln kann. Ich werde auch mal ausprobieren, es mit Gummistropps in den Niederganz zu spannen. Sollte gehen.

Ortlieb Tablet Case. Praktisch.

Ortlieb Tablet Case. Praktisch.

Die weiche Tasche passt auch in die Klemmhalterung und falls ich das möchte, kann ich sogar den USB Akkupack mit rein stecken. Der Ziplock Verschluss ermöglicht aber auch dasDurchführen eines Kabels.

Die glorreichen Drei: Halterung, Solarpanel und USB Powerbank

Die glorreichen Drei: Halterung, Solarpanel und USB Powerbank

Stromversorgung

Mein Liebling ist die Anker Solarmatte. Die faltbare Tasche kann man überall hinlegen und wenn der Himmel nicht gerade schwarz ist, lädt sie stets gut durch. Ich habe sie unter der Dodgerscheibe liegen. Dort ist sich sicher und bekommt genug Sonne, den sie in Strom umwandelt. Mittlerweile lade ich alles mögliche damit auf.

Es muss wirklich ein sehr dunkler Himmel über dem Boot sein, damit ich auf das 25.000 mAh Akkupack zurück greifen muss, weil das Solarpanel schlapp macht. Diese Akkupacks sind wirklich praktisch, werden immer günstiger und ersetzen auf manchen Booten sicherlich die Bordbatterie, sofern man keine große Elektrik an Bord hat. Es gibt mittlerweile für alles mögliche (sogar meine DSLR Kamera) USB Ladegeräte.

Das wars auch schon. Preis für alles zusammen: Etwa 140 Euro. Dafür bekommt man nicht mal ein gutes Hardcase.

Teil 3 folgt: Wozu nutze ich das Tablet und welche Software soll drauf?

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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2 Kommentare zu „Bordtablet, Teil 2. Zubehör.“

  1. avatar Apfelsaft sagt:

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man sich dieses ganze Gezabbel antut. Warum nicht einfach nen schönen Plotter einmal für 700,- kaufen, ab in die Schottwand und an die feste Stromversorgung. Dann hat man Ruhe für alle Zeit und braucht auch bei 7 Bft. auf der Nordsee keine Angst vor herumfliegenden Tablets zu haben.

    Oder wo ist mein Denkfehler? Bei den 700,- EUR? Doch nicht wirklich, wenn man schon ein Boot für > 30.000,- EUR gekauft hat?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 2

  2. Moin,

    so ein Gezabbel ist das gar nicht. Ausserdem gibt es viele Boote, wo wenig Platz ist (mein Spezialthema ist ja der Kleinkreuzer) oder gar keine Stromversorgung, die ausreichend auch für ein paar Tage ohne Landstrom sind.

    Der Vorteil liegt auch darin, dass man die Hardware nicht einbauen muss, kein Loch gesägt wird und man auch sehr preisgünstig auf technische Neuerungen reagieren kann. Einen in die Jahre gekommenen Plotter auszutauschen, ist ja nicht ganz einfach.

    Ein weiterer Vorteil sind die ganzen Charterer. Nicht jedes Charterschiff hat einen Plotter an Bord. So kann man seine eigene Navigation mit an Bord nehmen. Und zu Hause in Ruhe einen Törnplan machen.

    Auf meiner Bente bspw will ich auch keinen Plotter einbauen. ich habe ein Instrument Bb. und eine Fallentsche Stb. Damit ist das Schott bereits voll. Zumal noch ein Kompaß eingebaut wird.

    Es geht auch gar nicht um das pro und Contra Plotter vs. Tablet. Es geht darum, eine weitere Möglichkeit nutzen zu können. Und wie man das macht.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 8

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