Knarrblog: Dumm gelaufen. Drachen Bahnwärterin pfeift uns zurück

Eigentlich ein herrlicher Herbsttag...

Von Carsten Kemmling

Die Drachenflotte auf der glitzernden Alster kreuzt Richtung Luvtonne © Peter Kaehl/NRV

Die Sonne scheint, der Wind weht ordentlich, ein goldener Herbsttag auf der Alster und wir liegen vorne. Es ist das letzte Rennen des Bahnwärter Preises, eines Drachen Wettrennens, das am Ende unserer intensiven Trainingperiode mit zehn (!) Mittwochsregatten steht. Es soll der Höhepunkt der Saison sein, ja vielleicht unseres gesamten seglerischen Schaffens.

So bahnt sich das Chaos an. Wir liegen mit 785 in Lee und versuchen das Pin-End zu verteidigen...© Peter Kaehl/NRV

...Ein Mitstreiter segelt Sekunden vor dem Start die Linie entlang (l.) und kommt von Luv. Er müsste anluven zum Ausweichen, will aber einen Frühstart vermeiden..... © Peter Kaehl/NRV

...Aber er drückt den Bug herunter und quetscht uns (r.) auf die Tonne. Bei der Verteidigung der Position sind wir auch noch zu früh. Schön blöd! © Peter Kaehl/NRV

Hier kommt alles zusammen. Wer gegen die alten Haudegen der Hamburger Drachen Szene bestehen will, muss sein gesamtes Können, soweit vorhanden, abrufen. Es sind zwar nur 18 Boote am Start und der Namen Bahnwärter lässt weniger seglerische Höchstleistung als das Regattaessen Pommes Schranke vermuten, also rotweiß.

Aber beim Bahnwärter handelt sich um einen alten Ausdruck für Wettfahrtleiter. Es soll wohl auch eine Hommage an die Zunft derselben bedeuten. Es ist ein schwerer Job, und er gehört auch an dieser Stelle wohlwollend gewürdigt – liebe Bahnwärter, was sollten wir ohne euch machen? Diesmal feiert sogar mit Claudia Langenhan (36), die erste Frau beim NRV eine hervorragende Wettfahrtleiter-Premiere.

Das Dagonheart-Team mit weißem Spi bei der Arbeit. © Peter Kaehl/NRV

Eigentlich. Wenn sie nur endlich auf die Tube drücken würde. Wir haben ein tolles Rennen gesegelt. Sonne und Wind passen zu einem herrlichen Segeltag – wie gesagt – und wir queren mit gutem Vorsprung als Erster die Ziellinie. Da gehört es zum verdammten Job der Bahnwärterin, auf die Tube zu drücken. Ein Soundsignal bitte. BITTE! Hallo!! Ooch Bütte…Tut sie aber nicht.

Hmm, kein gutes Zeichen. Was könnte passiert sein? Vielleicht hupt man ja nicht beim NRV. Vielleicht ist die Hupe verstopft oder der Bahnwärter unkonzentriert. Dann dürfte er auch nicht den Zweiten abtuten. Tut er aber. Wahrlich kein gutes Zeichen.

Klar, wir hätten vielleicht die Starttonne nicht überbügeln und den Bug verfrüht über die Linie schieben dürfen. Plötzlich erscheint die verdrängte Szene wieder auf der Hirnrinde. Ist ja schon knapp eine Stunde her.

Nach einem herrlichen Segeltag. Was kann da schon ein Frühstart ausmachen. Pffft. © C. Kemmling

Da war doch dieses andere Boot, das von Luv die Linie entlang kam. Zu früh und zu schnell. Ich wollte die hart erkämpfte Position an der Leestarttonne verteidigen. Schob den Bug vor, um den Kollegen zum Anluven zu bewegen.

Wollte er aber nicht, weil er dann definitiv zu früh gewesen wäre. Er schrammte an unserer Steuerbordseite entlang, schob und drückte, bis wir auf der Tonne hingen. Ja, wir hätten dafür kringeln müssen. So wie unser Freund fair die Strafe für sein falsches Timing auf sich nahm.

Aber irgendwie fühlt es sich falsch an. War doch nicht unsere Schuld. Er hat uns ohne Wegerecht auf den Gummiball gedrückt. Wir quetschen uns herum und den Speed aus der Kiste und kommen nur mittelmäßig weg. Aber diesen Fall sieht das Regelbuch nicht vor.

Gefühlt wäre eine Wiedergutmachung angebracht. Aber die tritt weniger bei Beschädigungen des Egos ein als von Leib, Leben oder Boot. Wir hoffen also, irgendwie davon zu kommen. Dass am Ende ein Frühstart die vielleicht dann doch gerechte Strafe ist, mag vom Schicksal so vorgesehen sein.

Der fehlende Hupton kann aber den schönen Tag nur kurzzeitig beeinträchtigen. Er macht aus einem vierten Gesamtplatz einen siebten. Es bleibt aber das schöne Gefühl, nach dem mittelmäßigen Chaos-Start ein fast perfektes Rennen in die glitzernde Alster gezirkelt zu haben.

Die verdienten Sieger. Volker Kramer, Tillmann Wiese und Jan Woortmann. © Peter Kaehler/NRV

So wie es der alte Laser-Kumpel Jan Woortmann über die gesamten fünf Rennen geschafft hat. Mit Tillmann Wiese und Volker Kramer segelt er schon länger im Drachen vorne mit. Aber der große Coup gegen die alten Hasen ist ihm bis dahin noch nicht gelungen. An diesem goldenen Herbsttag passt alles zusammen.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Knarrblog: Dumm gelaufen. Drachen Bahnwärterin pfeift uns zurück“

  1. avatar Olli sagt:

    Als Drachensegler, der dieses alles miterlebt hat, kann ich mich nur für die erfrischenden Berichte über die gesamte (Mittwochs)Saison bedanken. Ich bin oft ins schmunzeln gekommen und freue mich schon auf die nächste Saison.
    Gruß
    Olli

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