Die Opti Vater Saga Teil III

Wie jetzt? Pubertät oder was?

Der neue Trockenanzug. Aufblasen, sich treiben lassen. © C.Kemmling

Eigentlich sollte dies eine Opti-Geschichte mit Happy End werden. Die Regattapremiere war zwar missglückt, aber es gab einen zweiten Versuch. Es hackt auf der Alster wie blöd. Aber kein Pardon für die C Gruppe. Die 40 Kinder müssen raus. Dem Jungen ist mulmig, als ein Mädchen heulend ihr Boot besteigt. Will er an Land bleiben? „Nö“.

Zur Startlinie geht es genau vor dem Wind. Weiß der Junge, wann der Großbaum rüber schlägt? Weiß er nicht! Auf Messers Schneide rast er zur Linie, das Achterliek winkt, der Verklicker kreiselt nervös im Abwind des überfierten Segels, das Boot wird immer kleiner, gerät aus dem Blickfeld…Oh, Gott!…Es dauert einig Zeit, dann kommt der Junge wieder in Sicht. Am Haken eines Motorbootes. Genau auf der Startlinie war der Großbaum herumgeschlagen. Kenterung!

Das sollte es eigentlich gewesen sein mit dem Spaß am Segeln. Das Trauma fürs Leben war vorprogrammiert. Es wäre kein Wunder gewesen. Aber am nächsten Tag will er noch mal. Vater ist stolz. Was für ein harter Junge! Und er wird belohnt. Zwei Rennen in den Top Ten. Die ersten Erfolgserlebnisse, der erste Pokal. Kurz danach steht die erste C-Regatta am Heimatverein auf dem Programm. Hier kennt er sich aus. Knapp 20 Schiffe. Der Junge liegt nach drei Rennen und einem harten Zweikampf mit dem blonden Mädchen auf „Lillifee“ vorne. Stolz wie Oscar steht er mit Pokal oben auf dem Treppchen. Die Eltern nehmen es gefasst. Es ist geschafft, die Mission beendet. Der Junge weiß, dass Segeln nicht langweilig sein muss. Was er daraus macht, kann er entscheiden.

Nun ja, der Winter ist hart, das Erlebnis liegt lange zurück. Der Einstieg in die neue Saison erfolgt schleppend. Das Club-Training hat schon begonnen. Alles hängt an einem neuen Trockenanzug. Der Vater scheut sich vor der Investition. Was hat der Junge vor? Will er mehr segeln? Will er B-Regatten segeln?

Blöderweise ist der Aufwand bei diesem Sport groß. Es muss so viel geplant, besorgt, erledigt werden. Das Billig-Trocken-Teil im Niemeyer-Segel-Zubehör-Kaufhaus kostet 200 Euro. Der Junge findet den Anzug witzig. Aufblasen, ins Wasser springen, sich treiben lassen. Die Premiere beim familieninternen Ansegeln mit Opti und Laser ist ein großer Spaß.

Das Wasser ist noch eiskalt, aber der Auftrieb stimmt... © C.Kemmling

Das erste Training. Unerwartet steht die clubinterne Freitagsregatta auf dem Programm. Es hackt. Zwei Optis kentern, der Junge hängt sich raus, kommt durch. Es seht so aus als verstünde er sich mit den Kumpels. Man fährt sich um, schubst sich am Steg, quatscht Quatsch. Was Kinder eben so machen. Der Vater deutet auf der Rückfahrt im Auto vorsichtig an, dass es schneller ist, wenn man hoch am Wind segelt. Er hat heimlich zugesehen. Er kann es nicht lassen…

Dann das nächste Freitags-Training. Nieselregen. Am Wochenende steht wieder eine C-Regatta am Club an. „Willste mitmachen?“ „Hmm, aber nur ein Rennen.“ „Wie jetzt? Klingt unlogisch. Warum das?“ „Eigentlich mag ich keine Wettrennen. Ist immer so aufregend. Bei Sonne macht es mehr Spaß. Ist morgen Sonne?“

Hä? Nun ja, was soll man sagen? Der Junge sagt noch, eigentlich segele er lieber nur so hin und her. Dabei war es das, was er in der Anfängergruppe so langweilig fand. Eigentlich möge er segeln gar nicht so gerne. Warum er das nicht vor dem Kauf des Trockenanzug gesagt habe? Ja, darüber ärgere er sich auch. Er sei wirklich ein doofer Sohn. Nein, nein, ist ja gut. Der Vater hört sich noch vorsichtig etwas zum Thema durchhalten sagen. Der Junge habe ja gerade auch das Basketballspielen, Tischtennis und, und, und aufgegeben. Aber bei dem Zehnjährigen dreht es sich wohl im Kopf. Er wisse auch nicht…

Komisch, der Vater dachte immer, man müsste dem Kind das Segeln einfach anbieten. Dann kommt es von alleine drauf, dass es Spaß macht. Dann könne dieser Sport von alleine mit der Konkurrenz Computer, Skateboard oder Fußball mithalten. So einfach ist es wohl nicht.

Oder ist das schon die Pubertät? Puh, das kann was werden!

Optivater-Saga Teil II
Optivater-Saga Teil I

Carsten Kemmling
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