Anders segeln: Paar startet ohne Ahnung zum Törn um die Welt

„Segeln? Keinen Schimmer!“

Zuerst war das Boot, erst dann kam das Know-how. Ein Australier startet ohne Segelkenntnisse in Griechenland zum großen Törn und trifft die Frau seines Lebens. Zwei Videoreportagen von Bord.

Es gibt Typen, die träumen ein halbes Leben lang vom großen Törn über die Ozeane. Sie posaunen das überall herum, schmieden jahrelang Pläne, büffeln für In- und Offshore-Führerscheine, kaufen sich das perfekte Schiff, rüsten es optimal aus… und kommen doch nie los.

Und es gibt Typen, die bewahren ihren Traum vom Segeln wie einen Schatz (zunächst) für sich alleine. Lassen x Mal vor ihrem inneren Auge den Film vom großen Abenteuer in HD ablaufen, sehen sich relaxt über die Ozeane segeln, immer bei strahlendem Sonnenschein , moderaten Winden auf azurblauen Wassern. Sie vertrauen auf das Schicksal (oder auf einen der ihnen noch unbekannten Meeresgötter) und lassen sich treiben.

Ohne jemandem ein Sterbenswörtchen von ihrem großen Traum erzählt zu haben, stehen sie plötzlich vor ihrem eigenen Schiff, das schon unruhig an den Festmacherleinen zerrt, weil es endlich los will. Bleibt nur noch die Frage: Kann der frischgebackene Skipper eigentlich segeln?

Ein Mann, sein Boot… und null Ahnung, wie er's bewegen soll © Elayna Cara

Ein Mann, sein Boot… und null Ahnung, wie er’s bewegen soll © Elayna Cara

„Hey, zeig mir, wie’s geht!“

Riley Whitelum zählt zum letztgenannten Typus Mensch. Der 31-jährige Australier träumt still und leise für sich alleine schon lange vom großen Schlag über die Ozeane – „Ich werde eine Yacht kaufen und dieselbe um die Welt segeln!“ – hat aber „nullkommanix“ Ahnung vom Segeln.

Bei einer Reise durch Europa steht er im italienischen Fischerdorf Monopoli („das ist dort, wo beim Italien-Stiefel die Achilles-Ferse ist“) vor einer 43-Fuß-Yacht, die zu einem offenbar sehr günstigen Preis gebraucht angeboten wird. Riley hängt ein paar Tage in dem Dorf ab, erkundigt sich nach den drei Verkäufern der Yacht, erfährt, dass deren Leumund okay ist und man ihrer Geschichte vom nicht ganz so erfolgreichen Chartergeschäft mit besagter Yacht Glauben schenken darf. Kurz: Er kauft die „La Vagabonde“.

Über den Preis schweigt sich Riley Whitelum aus, aber ansonsten ist er verblüffend ehrlich. Auf seinem Blog (den er eigentlich nur einrichtete, um seine Mum zu beruhigen) beschreibt er schonungslos, wie er zunächst tagelang nur auf dem Schiff herumlungerte, um sich mit seinem neuen Zuhause bekannt zu machen.

Aus Tagen werden Wochen, ohne dass er ein einziges Mal ablegt. Denn trotz intensiver Lektüre pädagogisch wertvoller Bücher wie „Ich lerne segeln“ traute sich Riley nicht raus auf die See, auch nicht für einen klitzekleinen Probeschlag.

Skippers Freundin Elayna

Skippers Freundin Elayna

Also ruft er einen Freund in Australien an. „Hey, ich hab’ das Boot gekauft! Und jetzt musst du rüberkommen und mit beibringen, wie man es segelt!“

Um es kurz zu machen: Irgendwann musste Riley ja „raus“ aufs Wasser, und es war ein Desaster: „Als wir das Groß ausrollten, stellte ich verblüfft fest, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich es wieder einrollen soll. Außerdem schlug das Vorsegel so laut. Und überhaupt: Wie finden wir rüber nach Kroatien?“

Lovely Elayna

Natürlich wurde dann bald die Maschine angeschmissen und direkter Kurs genommen. Und genauso „natürlich“ lernte Riley Whitelum von Tag zu Tag dazu. Irgendwann hatte ein anderer Segler Erbarmen und nahm ihn mit auf sein Schiff, von wegen „Praxis mit einem Könner und damit der Australier endlich mal lernt, ein Segel richtig zu setzen und zu trimmen“.

Viele Wochen nach seinem ersten Törn, mit einer Unmenge Glück und glücklicher Zufälle auf der Tagesordnung, fühlt sich Riley Whitelum schon sicher genug, seine 43 Fuß lange „La Vagabonde“ alleine Richtung Ägäis zu segeln. Immerhin.

Dort winkt ihm das ganz große Glück in Gestalt einer ausgesprochen netten Landsfrau, die er „kennenlernt“ und ziemlich schnell für sich, sein Schiff und seinen Traum begeistert: Um die Welt segeln. Abfahrt: sofort.

„Lovely Elayna“ passt ganz offensichtlich perfekt zu Riley Whitelum. Zumal auch sie zunächst keinen Schimmer von Wind, Wetter und Segeln hat, aber wohl eine ähnlich begnadete Träumerin ist wie ihr Skipper.

Elayna fühlt sich wohl auf der See © alayna cara

Elayna fühlt sich wohl auf der See © alayna cara

Langsam angehen lassen

Das erste Video zeigt die eher beschauliche Art und Weise der beiden zu reisen. Entlang der türkischen Küste machen die beiden Sympathen unbeschwert in so ziemlich jeder Bucht und jedem Fischerdorf halt. Sie segeln zurück nach Kreta und wagen von dort bei Schietwetter und Windhosen den Schlag rüber nach Malta (Video 2), wo sie erstaunt feststellen müssen, dass sich neulich bei der Grundberührung in der Türkei wohl die Ruderaufhängung gelockert hat. Und überhaupt macht der Autopilot komische Geräusche, und der Windmesser funktioniert auch nicht mehr so richtig…

Doch die beiden sind nicht aufzuhalten. Sie verlassen das Mittelmeer, segeln Richtung Kanaren. Elayna schreibt in ihrem vorerst letzten Post ziemlich optimistisch und selbstsicher: „Wir werden wohl im Februar in der Karibik sein. Wer segeln lernen möchte oder einfach nur mitsegeln will… meldet Euch !“ Das wäre doch mal was.

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6 Kommentare zu „Anders segeln: Paar startet ohne Ahnung zum Törn um die Welt“

  1. avatar Kluchschieter sagt:

    Ich wünsch den beiden alles Glück der Welt. Sie werden ein Gutteil davon brauchen!

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  2. avatar AbuDhabi must win the race! sagt:

    Oh nein, jetzt machen die Hipster nicht mal mehr vorm segeln halt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 16

  3. avatar wiedermalsegeln sagt:

    Da gabs doch früher schon mal so einen (unverantwortlichen Hipster???), der fuhr nach Spanien, verliebte sich in ein Boot, hat es gekauft, noch einen Kompass dazu, jede Menge Konserven. Hat jemanden gefunden, der ihm erklärte, wie man segelt (davon wusster er nix! Ganz schlechte Seemannschaft!). Er nannte das Boot ‘Kathena’ und fuhr los. Ging alles gut. (Nachdem er eine Weltumrundung später in Hamburg einlief, legte der deutsche Zoll sein Boot an die Kette. An den Elbbrücken. Da wurde es wenig später aufgebrochen und geplündert. ) Vielleicht drückt er auch diesen Beiden die Daumen und denkt zurück an seine ersten Meilen auf See. Oder, Herr Erdmann?

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    • avatar Gert sagt:

      “… Hat jemanden gefunden, der ihm erklärte, wie man segelt…”
      Dieser “jemand” hieß Bernard Moitessier, und irgendwie kommt mir auch dieser Name bekannt vor.

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  4. avatar Markus sagt:

    Schön, dass jeder einen anderen Zugang zu seinen Träumen und deren Umsetzung hat!

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