Buch: Segler über ihre dramatischsten Stunden – Leseprobe und Buchverlosung

„Sturm – hast Du nicht mehr drauf?“

Im neuen „millemari“-Schmöker schreiben Segler für Segler. Über lähmende Ängste, Adrenalinrausch, die Wucht der Böen und zerstörerische Kraft der Wellen. SR verlost Bücher für SR-Mitglieder.

millemari, Sturm

© millemari

„Sturm“ erzählt davon, wie eben noch fröhliches Chartersegeln aus heiterem Himmel in Gefahr für Leib und Leben übergeht. Wie die Atlantiküberquerung plötzlich im eisigen Wasser des Nordatlantik zur Kenterung führt. Wie der sicher geglaubte Ankerplatz vor der Trauminsel für vier Yachten zur Falle wird, aus der nur noch eine entkommt. Wie zwei Männer sich im März in einem 7-Meter-Boot über die Nordsee wagen und in einen schweren Ostersturm geraten. Und davon, wie zwei Hühner zu treuen Gefährten eines Einhandseglers werden, der vergeblich sein Leben riskiert, um ihres zu retten.

Auszüge aus „Sturm. Segler über ihre dramatischsten Stunden“. Hrsg. von Thomas Käsbohrer und Susanne Guidera, millemari.

Dann erreichten wir den Golfstrom. Es fühlte sich an, als wären wir gegen eine Wand gefahren. Der Wind drosch unvermittelt auf uns ein und das Boot begann sofort zu bocken. Bill streckte seinen Kopf aus dem Niedergang, umklammerte dabei mit beiden Händen die Haltegriffe. Seine Augen stellten Fragen. Es war dunkel draußen. Sehr dunkel. Wir konnten die Wellen nicht sehen. Nur ein paar Sterne lugten hinter den Wolken hervor. Wir drei saßen zusammen im Cockpit. Ein unheilvolles Gefühl wie ein düsteres, nasses Tuch machte sich breit. Jemand sagte leise: „Jetzt fängt es an.“ 

Jocelyn Fastner über ihren Törn zwischen den Florida Keys und Kuba

Der Skipper beschließt, eine Bucht im Norden von Kythnos mit Namen Loutra anzusteuern. Die Felsbegrenzungen der Einfahrt wirken bedrohlich, meterhohe Schaumfontänen steigen in der Brandung auf, unser Schiff wird wie von einer unsichtbaren Hand in Richtung Insel geschoben. Da durch, durch diese enge Lücke sollen wir hinein in die Bucht? Beklemmung, Angst spielt jetzt mit. Alles ist grau in grau. Und dazu das stetige Pfeifen des Sturms in den Wanten. So schnell kann sich Urlaubssegeln in eine lebensbedrohliche Situation verwandeln, das war meine Lektion fürs Leben…

Wolfgang Hauger über einen Törn in der Ägäis

millemari, Sturm

Wenn es richtig zur Sache geht… © millemari

Eigentlich scheint der Meltemi als perfekter Segelwind, doch nicht selten haben auch Profis ihre Probleme mit ihm. Vor allem die kleinen türkischen und griechischen Inseln tragen zu seiner Gefährlichkeit bei. Durch Engen zwischen den Inseln kann der Düseneffekt rasch ein bis zwei Windstärken mehr bewirken. Ebenso sorgen Kaps für eine Drängung, welche die Luftmassen wie den Schlitz einer Trillerpfeife nur unter deutlicher Geschwindigkeitserhöhung passieren können. 

Sebastian Wache (Meteorologe) über typische Gefahren des Meltemi

„Oh mein Gott!“, schrie er, als er sah, dass die Frau keinen Daumen mehr hatte und stark blutete.

Die Frau schrie ununterbrochen, hielt ihre Hand hoch über ihrem Kopf. Der dumpfe Aufprall der beiden Boote hatte in dem Moment, als sie miteinander in Kontakt kamen, ihren rechten Daumen mit chirurgischer Präzision durchtrennt. Sie blutete stark, das Wasser vor dem Boot war urplötzlich leuchtend rot.

Manuel Lluberas über einen Unfall während eines Törns vor den Spanischen Jungferninseln

Ich weiß jetzt, wie die Ostsee schmeckt. (…) Ich hatte keine trockene Stelle mehr an meinem Ölzeug, selbst die Taschen waren von innen nass. Hören? Hören tust du eigentlich nur noch den Wind. Wenn du dich verständigen willst, geht das nur über Handzeichen. Oder dicht rangehen an den anderen und aus vollem Hals schreien. Du fühlst dich zwiegespalten. Einerseits im Adrenalinrausch. Momente, in denen du dein Gesicht in den Wind drückst und ihn anbrüllst: „Hast du nicht mehr drauf?“ 

Und andere Momente, in denen du einfach nur noch kaputt bist und dich irgendwo verkriechen willst, nur noch einen Platz suchst, der sich nicht bewegt, an dem kein Wind ist und keine Wellen dich quälen. 

Dennis Nettelbeck über eine Nachtfahrt im Skagerak

millemari, Sturm

Unheilvoll © millemari

Kurz nach der Hafenausfahrt erwischt uns die erste Böe und Lotte schießt mit fast 6 Knoten dem freien Wasser entgegen. Gut gelaunt scherzen wir noch, welches Ziel uns am liebsten wäre – dann verlassen wir die Landabdeckung.

Was uns dort erwartet, habe ich in meinen 16 Jahren in diesem Revier noch nicht erlebt: Lang gezogene Wellen kommen, vom Westwind aus dem Kleinen Belt vertrieben, mit in einer solchen Wucht zwischen die Inseln, dass es für ihre Ausbreitung nur einen Weg gibt: nach oben.

Björn Ole Pfannekuche – unterwegs mit einem Folkeboot in der Dänischen Südsee

Das Beiboot binden wir an einer Palme fest. „Lasst uns schnell verschwinden“, sagt Tom, „hoch in die Berge.“ Als wir an der kaputten alten Pier vorbeikommen, sehen wir, wie die Wellen Brantas Kunststoffrumpf mit grausigen Geräuschen gegen Beton und Eisen schlagen. Schon jetzt klaffen große Löcher im Heck. Ich schütte das Seewasser aus der Kameratasche. Wie durch ein Wunder lösen beide Kameras noch wenige Male aus. Dann fliegt mein letzter Blick zurück zur vom Seegang geschüttelten Brustolon. Der Sturm nimmt so rasant zu, dass die ersten Palmenköpfe bersten und wehend davonfliegen. Nix wie weg hier.

Bodo Müller über einem Hurrikan vor Puerto Rico, der 4 der 5 vor Anker liegenden Schiffe an den Strand warf.

millemari, Sturm

Sieht nach Ärger aus © millemari

Jeder Mensch hat eine Windstärke, bei der er beginnt, sorgenvoll Schiff und Rigg zu betrachten. Auf jedem Schiff erlebt man sie anders, denn vieles hängt von der Größe eines Schiffes ab. Auf einem kleinen Schiff verhalte ich mich ganz anders, da erscheinen mir oft schon 30 Knoten abenteuerlich. Ich mag kräftig gebaute Schiffe wie La Medianoche, sie kann einiges ab und auf ihr werde ich in der Regel erst ab 40 Knoten unruhig. Und 40 Knoten Wind hatten wir jetzt überschritten.

Mareike Guhr über ihre Weltumsegelung und eine Nacht mit 50 Kn Wind vor der Insel Kokos Keeling

Jetzt beginnt der eigentliche Tanz. Von der südlichen Sandbank werden die Wellen reflektiert, Kreuzseen jagen übereinander, bei halbem Wind ist nun ein Ostkurs angesagt. Das wäre alles nicht schlimm, wenn mir nicht ständig Regenschauer die Sicht nehmen würden. Ich konzentriere mich voll auf den Kurs, aber schnell habe ich in der kabbeligen See den nächsten Ansteuerungspunkt aus den Augen verloren. 

Der Kartenplotter hilft nur wenig weiter. Schon bald enden die Tonnen, ab da markieren Pricken den Weg. Zum Ende der Saison haben etliche der friesischen Salzwasserbirken gelitten, ihr kümmerliches Kronengebüsch ist kaum noch vorhanden, sie sind einfach abrasiert. So stehen sie als Zahnstocher in Poseidons grausigem Gebiss und sind kaum auszumachen.

Holger Peterson über seine Sturmfahrt unmittelbar nach dem Herbststurm Xavier in der Nordsee

millemari, Sturm

Alle(s) gut vorbereitet? © millemari

Es ist ein unguter Moment, wenn sich eine Windhose auf eine ankernde Yacht zu bewegt. Ein Boot ist seiner einzigen ihm gegebenen Abwehrmöglichkeit beraubt – nämlich abzuhauen. Ich saß auf Levje, hörte mein Herz schneller schlagen. Und wusste, dass die Windhose uns erreicht hätte, bevor ich auch nur den Anker zur Hälfte aus dem Grund geholt hätte. Ich begann, in Eile alles Bewegliche an Deck festzuzurren. Oder einfach durchs Salonluk und den Niedergang nach unten ins Innere zu werfen. Sollte die wirbelnde Gischt uns erreichen, würde es an Deck unweigerlich Bruch geben. Ich beschloss in diesen wenigen Augenblicken, dass der sicherste Ort für mich ebenfalls unter Deck wäre, sollte die Windhose uns tatsächlich erfassen.

Thomas Käsbohrer über eine Wasserhose vor der Insel Mljet

SegelReporter verlost unter SR-Mitgliedern fünf Bücher

Interessenten bitte unter dem SR Feedback Button melden. Stichwort: Buch-Verlosung.

Eingänge bis Montag, 15.1.18 um 18:00 Uhr nehmen an der Verlosung teil. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Website millemari

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Ein Kommentar „Buch: Segler über ihre dramatischsten Stunden – Leseprobe und Buchverlosung“

  1. avatar Markus sagt:

    Ui schön, da haben es ja glatt zwei Bilder von mir in den Beitrag geschafft… 😉

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