Triumphale Ankunft

Jessica Watson wieder in Sydney

Jessica Watson segelt mit ihrer 34-Fuß Fahrtenyacht nach 210 Tagen wieder vor Sydney. Die S&S Yacht sieht ein wenig dreckig aus aber gut in Schuss © NSW Maritime

Sie hat es geschafft: Nach 210 Tagen auf See hat die 16 Jahre alte Australierin Jessica Watson drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag ihren Heimathafen erreicht, und ist nun die jüngste Einhand-und-Nonstop-Weltumseglerin.

Um 14 Uhr Ortszeit passierte Watson am Samstag Nachmittag bei kabbeliger See und leichten Winden die Sydney Heads, Landmarke, Start- und Ziellinie in einem. Dabei wurde sie von hunderten Booten begleitet, die ihr einen wunderbaren und unvergleichlichen Empfang bereiteten.

Erste Menschen an Bord der „Ella Pink Lady“, der 10,23 Meter langen Sparkman & Stephens 34, waren dann jedoch nicht Eltern und Familie, sondern Zollbeamte, die mit ihre die Einklarierungsformalitäten erledigten. Als nächstes bekam sie, noch vor dem Anlegemanöver, Besuch von den beiden Weltumseglern, die sich zuvor, als jüngste ihrer Zunft bezeichneten, dem Australier Jesse Martin, dem dieses Abenteuer im Alter von 18 Jahren gelungen war, und dem Briten Mike Perham, der es mit 17 Jahren geschafft hatte.

Ganz Sydney scheint scheint für den Empfang ihrer der Seeheldin auf den Beinen zu sein. © NSW Maritime

Erst nach dem Festmachen unterhalb der Oper von Sydney, konnte Watson ihre Mutter Julie, ihren Vater Roger und ihren Bruder Tom, in die Arme schließen. Letzterer verzeiht seiner Schwester hoffentlich, dass sie ihn in ihrem Blog als „Nervensäge“ bezeichnet hatte.

Empfangen wurde Jessica Watson auch von dem australischen Premierminister Kevin Rudd, der sie in seiner Begrüßungsrede als Vorbild für die australische Jugend benannte, insbesondere der weiblichen Jugend. Gemäß ihrem rosa Schiff, wurde für Watson entlang der weltberühmten Oper ein Pink-farbener Teppich ausgelegt, der zu den Tribünen führte, wo sie von zehntausenden Fans bejubelt wurde.

Jessie bewegt sich sicher auf dem Vorschiff und macht sich für das Anlegemanöver bereit. © NSW Maritime

Hinweggefegt vom Jubel wurde auch die Kritik des australischen Internet-Portals Sail-world.com, die vor rund zwei Wochen belegen konnten, dass Watson sich nicht als jüngste Weltumseglerin, gemessen an den Statuten des World Speed Sailing Record Council (WSSRC), bezeichnen darf, weil ihre gesegelte Route zu kurz gewesen ist. Den Seglern in aller Welt scheint indes die Leistung der 16-Jährigen durchaus zu genügen, zeigt dies doch auch der Besuch Jesse Martins und Mike Perhams bei ihr an Bord.

Ähnlich denkt überdies auch der Segelreporter Uwe Röttgering:

“Tolle Leistung! Die 16 jährige Jessica Watson hat es geschafft. Sie ist nonstop um die Welt gesegelt – herzlichen Glückwunsch. Ob sie jetzt einen offiziellen Rekord hat, oder ob sie sich wegen zu weniger gesegelter Meilen formal nicht „Jüngste-Einhand-Nonstop-Weltumseglerin“ nennen darf, ist zweitrangig.
Mit einer nonstop zurück gelegten Strecke von über 18.500 Seemeilen (berechnet nach den Großkreisdistanzen zwischen den wichtigsten Wegpunkten der Fahrt) ist sie – sieht man von Wilfried Erdmann ab – eine größere Strecke nonstop gesegelt, als jeder andere deutsche Einhandsegler. Mir fallen spontan fünf erfahrene deutsche Segler ein, die am Versuch nonstop um die Welt zu segeln, gescheitert sind. Umso höher ist die Leistung von Jessica einzuschätzen.”

Ähnlich denken alle anderen Segelreporter auch, die aufgrund ihrer, im Vergleich zu Jessica Watson, begrenzten Nonstop-Segelerfahrung, den Hut vor der heute noch 16-Jährigen ziehen.

Etwas befremdlich finden wir indes die Art und Weise, wie Jessicas Leistung – oder Jessica selbst? – vermarktet werden. Eine Baseball-Kappe mit ihrem, natürlich in Pink, aufgestickten Namen, ist auf ihrer Web-Seite ebenso käuflich zu erwerben, wie eine Karte mit ihrer Reiseroute. Außerdem können Fans Welcome-Tickets für Parties in Sydney, Melbourne und Brisbane anfordern. Ihr Hauptsponsor „Ella Baché Paris“ bietet auf seiner Seite ein „Skin Survival Package“ für 69 Dollar an. Und wer weiß, was die anderen 41 Sponsoren, die in Major-, Gold-, Silver-Sponsoren und Official Suppliers unterteilt sind nun mit dem Erfolg oder Watsons Person anstellen.

Wir hätten ihr vielleicht eher ein paar ruhige Tage mit viel Schlaf und leckerem frischem Essen gegönnt, als eine Rumreich-Show in ganz Australien, hoffen aber überdies, dass Jessica Watson ihren tollen Erfolg auch so genügend auskosten kann.

Mathias Müller
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