Jules Verne Trophy: Guichard dreht um – 40 Meter-Tri “Spindrift” braucht “besonderes Wetter”

Die Zeit läuft weg

Am Abend um 18 Uhr war Yann Guichard mit dem Trimaran “Spindrift 2″zu einem neuen Jules-Verne-Rekordversuch um die Welt aufgebrochen, nun hat er schon wieder umgedreht.

spindrift racing

“Spindrift2” hat den ersten Rekordversuch abgebrochen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. © Spindrift

“Das Wetterfenster hat sich geschlossen. Die neuen Wetterdaten lassen eine inakzeptable Zeit zum Äquator und zum Kap der Guten Hoffnung erwarten”, sagt Spindrift-Skipper Yann Guichard. “Das Risiko ist zu groß. Denn die Bedingungen waren von Anfang an nicht ideal. Wir haben uns entschieden, nach Brest zurückzukehren. Denn es gibt möglicherweise eine bessere Chance am Abend des 12.”

“Spindrift2”, der mit 40 Metern Länge größte Maxi- Trimaran der Welt hat damit seine zuletzt weniger erfolgreichen Rekord-Missionen fortgesetzt. Der letzte große Auftritt des Ozean-Riesen ist schon zwei Jahre her. Damals hatte Guichard mit seiner Lebensgefährtin Dona Bertarelli an Bord im viel beachteten Match Race gegen Francis Joyon gezeigt, dass “Spindrift2” das schnellere Boot ist, war aber dennoch am Rekord gescheitert.

Unglaubliche 908 Meilen in 24 Stunden

Ein Jahr später verzichtete Guichard auf einen neuen Versuch und überließ es Joyon mit IDEC, den aktuell bestehenden Fabel-Rekord Francis Joyon von 40 Tagen und 23,5 Stunden aufzustellen mit einem Durchschnitt-Speed von 26,85 Knoten.

Maxi Spindrift 2

Yann Guichard am Steuer des Maxi Trimarans “Spindrift2”. © Chris Schmid/Spindrift racing)

Nun ist er seit November auf Standby, hat aber das sensationelle Wetterfenster verpasst, durch das Francois Gabart auf der selben Route aber im Einhand-Modus zur zweitbesten Rekordmarke aller Zeiten segelte.

Die Rückkehr von Guichard zeigt, dass schon viel passen muss, damit sein Schiff noch einmal eine Bestzeit erreicht. Es ist schließlich schon zehn Jahre alt und erblickte die Welt als “Banque Populaire 5”, um ein Jahr später mit Skipper Pascal Bidegorry (Dongfeng Navigator beim Volvo Ocean Race) die unglaubliche und immer noch unantastbare 24-Stunden-Strecke von 908 Meilen (Durchschnitt: 37.84 Knoten) aufzustellen.

Besonderes Wetter ist nötig

Drei Jahre später segelte Loïck Peyron mit seiner 13 Mann Crew den 40 Meter Trimaran  auf der Jules-Verne-Strecke in 45 Tagen und 13 Stunden um die Welt, und nun muss Guichard, der das Schiff seit 2014 unter dem Namen “Spindrift” skippert, schon gut fünf Tage schneller sein. Kein Wunder, dass dafür nicht jedes x-beliebige Wetter ausreicht.

Dennoch drängt die Zeit. Denn schon jetzt ist die neue Generation, der 30 Fuß kürzeren Multihulls vermutlich schneller. Francois Gabart war gerade mit “Macif” sogar im Einhand-Modus fünf Tage schneller als “Spindrift” 2016. Immerhin ist Gabarts Router Jean-Yves Bernot auch für den Jules Vernes Rekord zuständig. Ob er auch Guichard das nötige Glück bringt?

Natürlich hat das Spindrift-Team mit dem Bertarelli-Geld auch diesmal versucht, den alten Tri mit aktuellen technischen Verbesserung zu tunen. Viel Spielraum bleibt aber nicht mehr. 2014 konnte er noch zwei Tonnen aus dem Schiff pressen, und der Mast wurde gleich um sechs Meter verkürzt. Diesmal blieb nur eine Reduktion der Crew um zwei Personen auf 12. Unter anderem bleibt Dona Bertarelli diesmal an Land.

Mit Foils bestückt

Aber er nähert sich auch dem Foiling an, mit dem sich die neuen Boote immer besser auf dem offenen Ozean zurecht kommen. Ursprünglich sollten nur für die kürzeren Strecken wie über den Atlantik Tragflächen montiert werden, nun weist “Spindrift” an den Ruderblättern T-Foils auf und die Enden der Schwerter sind leicht nach oben gebogen.

“Wir können nicht sagen, dass das Boot nun fliegt”, sagt der Skipper gegenüber einheimischen Medien. “Aber es bringt Auftrieb und verringerten Widerstand. Bei bestimmen Geschwindigkeiten sind wir schneller als zuvor.”

Sauer ist der Franzose, dass sein Boot von der sehr aktiven Ultim-Vereinigung ausgeschlossen worden ist. Sie haben eine Vorgabe von 100 Fuß für ihre Veranstaltungen gemacht, und da passt Spindrift nicht rein. So ist es offensichtlich, dass der 40 Meter Tri ein Auslaufmodell ist. Die Jules Verne Trophy ist vielleicht die letzte Chance, noch einmal auf der großen Bühne zu punkten. Und die Standby-Phase läuft Ende Januar aus.

Für Yann Guichard wäre es kein Beinbruch, wenn es mit dem Maxi nicht klappt. Er hat gezeigt, dass er auch auf kleineren Rennkursen immer noch zu den Besten der Welt gehört. In der vergangenen Saison konzentrierte er sich insbesondere auf die World Match Race Tour mit den M32 Katamaranen und holte bei der abschließenden Weltmeisterschaft Bronze. Seine drei Mitsegler Christophe Espagnon, François Morvan und Sam Goodchild gehören jetzt auch zur Offshore Crew.

2017 JULES VERNE TROPHY CREW

Yann Guichard (skipper)
Erwan Israël (navigator)
Jacques Guichard (watch captain / helm / trimmer)
Christophe Espagnon (watch captain / helm / bow)
Xavier Revil (watch captain / helm / trimmer)
François Morvan (helm / trimmer)
Antoine Carraz (helm / trimmer)
Thierry Chabagny (helm / bow)
Ewen Le Clech (helm / trimmer)
Sam Goodchild (helm / bow)
Thomas Le Breton (helm / trimmer)
Erwan Le Roux (helm / trimmer)
Router: Jean-Yves Bernot

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *