Langfahrt: Bankerin Lischewski allein in Kroatien unterwegs

Kurz vor dem Hafenkoller

Über Judith Lischewski (32) mit ihrer Sprinta “De Scheepscatte” berichtete SR bereits im Frühjahr. Mittlerweile hat die Frankfurter Bankangestellte die Leinen los geworfen und ist unterwegs.

Mit dem Trailer nach Kroatien © Judith Lischewski

Stolz ist gar kein Ausdruck
© Judith Lischewski

„Mein letzter Arbeitstag. Alles ist wie immer, und doch anders. Beim Einstellen des Rückkehrdatums in der Abwesenheitsnotiz des Emailprogramms muss ich mehrere Monate vorscrollen. Erst jetzt wird mir richtig bewusst, dass ich monatelang weg sein werde.“ Judith schreibt den letzten Eintrag ihres Blogs vom Arbeitsplatz am 14.7.2014. Bei solchen Vorbereitungen wird vielen Fahrtenseglern erst bewusst, dass es nun los geht. Und das für eine lange Zeit. Nun ist sie wirklich los. Mit einer Dehler Sprinta 70 einhand durch Kroatien.

 Wasser im Schiff

Angekommen ©Judith Lischewski

Mit gelegtem Mast vor Motorbratzen
©Judith Lischewski

Knapp einen Monat später. So richtig viele Segeltage stehen noch nicht im Logbuch. Zunächst musste “De Scheepscatte” (NL: Die Schiffskatze) noch verbessert und repariert werden. Das typische Los, wenn man ein preiswertes und etwas älteres Boot sein Eigen nennt.

Und auch nach ihrer Ankunft mit der Sprinta 70, die sie mit ihrer Mutter nach Koatien getrailert hat, wurde zunächst weiter gearbeitet. Zwei mal hatte eine heimische Werft (das sind die, die sich auf Boote spezialisiert haben) versucht, die Relingsstützen dicht zu bekommen. Aber auch danach stand wieder Wasser im Schiff.

Wer Judith kennt, weiss, dass sie so ziemlich jeden Vortrag zum Thema Refit auf jeder Messe nahezu auswendig gelernt hat. Selbst ist die Frau. Aber statt die Risse im GFK selbst zu laminieren, stellt sich bei ihr Gelassenheit ein und sie „dichtet“ das Leck mit Gewebeband von außen und Schwämmen von innen ab. Geht auch so.

Dem Hafenkoller entflohen

Seele baumeln lassen © Judith Lischewski

Seele baumeln lassen
©Judith Lischewski

Nach einigen weiteren Baustellen (Der Motormann hatte vergessen, den Kühlwasserschlauch anzuschliessen), dem Anbringen einer Ankerlaterne, der kapriziösen Reparatur des Mastfußes, Verproviantierung und dem Warten auf besseres Wetter hat sie vor drei Tagen abgelegt. „Kurz bevor ich einen Hafenkoller bekommen habe“.

Lange hat Judith auf diesen Moment gewartet, sich und die Sprinta auf diese Reise vorbereitet. Im Winter sah man sie regelmäßig vollgepackt mit Tüten über die Bootsmessen rennen.

Endlich unterwegs ©Judith Lischewski

Da fährt sie hin
©Judith Lischewski

Nun ist der Traum in die Realität verschoben worden. Sie ist eingetaucht in die Welt des Mittelmeersegelns: Riesige Boote, Segel unten, Motor an und Entertainment am Ankerplatz vom Nachbarlieger. („Och nöööö! Kevin! Nicht wieder Fingerabdrücke auf den Fenstern hinterlassen!“).

Judith lässt auf ihrem Kleinkreuzer offensichtlich die Seele baumeln. 0,4 Knoten Fahrt sind ihr genug. Genug, um aus dem hektischen Alltag als Bankerin auszusteigen. Genug, um darüber zu referieren, wie das Wasser bei Flaute aussieht.

 

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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Ein Kommentar „Langfahrt: Bankerin Lischewski allein in Kroatien unterwegs“

  1. avatar Matthias sagt:

    Hallo Judith, hoffe es ist das eingetreten was Du Dir erträumt hast. Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel…so dagt man doch 😉
    Viele Grüße
    Matthias

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