Langfahrt: Bankerin Lischewski will drei Monate mit der Sprinta nach Kroatien

+++ Auszeit nach Spontankauf +++

Spontaner Bootskauf – Segeltörns – Auszeit nehmen. In dieser Reihenfolge spielt sich die Geschichte von Judith Lischewski (32) ab, die im Juli mit ihrer 35 Jahre alten Dehler Sprinta 3 Monate einhand im Mittelmeer auf Törn geht. SR wird davon berichten.

„An einem Wochenende war ich mit meinen Eltern in Holland. Eigentlich wollten wir segeln, aber es war zu kalt, zu nass und zu stürmisch für die Jolle”, erzählt Judith Lischewski von den Anfängen ihres Segel-Traums. “Stattdessen sind wir bei  Wind und Wetter am kilometerlangen Strand entlang spaziert. Bei Apfelstrudel und Kaffee haben wir uns wieder aufgewärmt. Da habe ich meinen Eltern von meinem Traum erzählt. Ein eigenes Segelboot zum Fahrtensegeln”

Die Eltern hätten angefangen mitzuträumen und viel Mut gemacht. “Unsere nächsten Spaziergänge haben wir vom Strand in die Häfen verlegt und uns einige Boote angesehen. Am nächsten Tag habe ich „De Scheepscatte“ (Die Schiffskatze) gesehen, und das Boot sofort gekauft. Ich konnte nicht anders. Das war Liebe auf den ersten Blick. Und das obwohl ich eigentlich mit Romantik nix am Hut habe.“

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(Ab hier Text für SR Club Mitglieder)

Seit diesem Tag im Jahr 2012 ist die Frankfurter Bankangestellte Judith Lischewski (32) stolze Besitzerin einer Dehler Sprinta 70, Bj. 79. So mal ganz spontan ein Boot gekauft, getreu dem Motto: Du findest nicht dein Boot – dein Boot findet dich.

Der Arbeitgeber spielt mit

Meistens segelt Judith einhand auf den niederländischen Gewässern. Manchmal sind auch Freunde an Bord: „Ob alleine oder mit Freunden – beim Segeln komme ich immer total gut runter.“

Spontankauf: die Dehler Sprinter 70. © Judith Lischewksi

Spontankauf: die Dehler Sprinter 70. © Judith Lischewksi

Ihre Törns beschränkten sich jedoch überwiegend auf die Wochenenden. Bis sie im letzten Jahr einmal zehn Tage am Stück unterwegs war. Dabei reifte eine Idee: Warum nicht mal länger unterwegs sein? Keine genaue Route planen müssen, um zum Urlaubsende pünktlich zurück zu sein. Mal eine Auszeit nehmen.

Dabei ist es in Deutschland eher unüblich, eine längere Zeit frei zu nehmen und danach in der ursprünglichen Position weiterzuarbeiten. In der Regel schieben Arbeitnehmer ein Sabbatical in den Zeitraum zwischen zwei Jobs.

Lischewski erklärt, wie es bei ihr gelaufen ist: „Ich arbeite bei der Deutschen Asset and Wealth Management in der Produktstrategie für aktiv gemanagte Fonds. Der Job macht mir viel Spaß: meine Aufgaben sind spannend, das Arbeitsumfeld ist klasse und ich mag die Atmosphäre in unserem Team. Ein Jobwechsel kommt für mich also auf keinen Fall in Frage, nur um mal ein bisschen länger zu segeln. Aber ich kann das bankinterne System „dbZeitinvest“ nutzen und so aus- und problemlos wieder einsteigen. Über Sozial- und Krankenversicherung brauche ich mir deshalb keine Gedanken zu machen.“

Auf den Hänger und ab nach Kroatien

Also kommt die Sprinta im Sommer auf den Hänger und es geht ab nach Kroatien. In Dalmatien wird „De Scheepscatte“ dann zum ersten Mal Adria-Wasser unter dem Kiel haben. „Von dort aus möchte ich einfach lossegeln. Mal sehen wohin. Einen konkreten Plan habe ich nicht. Ich möchte einfach nur ganz stressfrei segeln und sehen wo ich ankomme.“

Stress hat sie vor der Reise schon genug. Denn vor ihr liegt noch ein steiniger Weg. „Auf der Arbeit muss ich zusehen, dass alles klar ist, bevor es losgeht. Ich muss den SRC Funkschein und den BE- Führerschein wegen des Trailertransports machen. Dazu Dinge wie Auslandskrankenversicherung organisieren, oder Internationalen Bootsschein beantragen.“

„De Scheepscatte“ ist auch noch nicht klar. An einem mittdreißiger Boot fällt immer was an, besonders vor Langfahrten. „Bisher habe ich vor und nach der Saison fast alle Reparaturen selbst gemacht. Das Handwerken an Bord entspannt mich enorm.“

Typische Sprinta Krankheit

Das Einzige, das Lischewski sich bisher noch nicht zugetraut hat ist die Reparatur des Decks an den undichten Relingstützen – eine typische Krankheit der Dehler Sprinta 70. Dann quillt das GFK auf und Regenwasser dringt ins Boot.

Die Reparatur des GfKs an den undichten Stellen wurde von einer Firma schon zwei Mal erfolglos durchgeführt. Aber aller guten Dinge sind drei. Nun bringt Judith ihre Dehler erneut in die Werft und ist gespannt, ob es dieses Mal klappt.

Bei einer erfolgreichen Unterwasserschiffreparatur im Frühjahr hat sie sich Mut für Laminierarbeiten geholt und bei der boot Düsseldorf und der Boatfit in Bremen das nötige Know-How. „Falls es während meines Törns in Kroatien wieder zu Undichtigkeiten kommen sollte, werde ich versuchen, die Reparatur selber zu machen.“

Lange Liste

Im Mai sollen die restlichen Arbeiten am Boot erfolgen. „Restlich“ hört sich wenig an – ist es aber nicht: „Ich möchte noch den schimmeligen Teppich im Innenraum komplett austauschen, die Elektrik erneuern, einige Ecken an Deck neu streichen, den alten Benzintank wieder instand setzten und alle Luken neu abdichten. Außerdem müssen Kühlbox und Sonnenschutz her. Selbst gebaut. Das ist zumindest der Plan.“

Und dann stehen noch die üblichen Frühjahrsarbeiten auf dem Programm: Antifouling erneuern, Winschen warten, Gelcoat polieren, und was sonst noch so ansteht. Eine ziemliche Liste! Und das muss alles bis Ende Juni erledigt sein. „Im Prinzip habe ich für die Reparaturen nur sechs Wochenenden Zeit, denn während das Boot in der Werft ist kann ich selbst nicht daran arbeiten.“

Glückliches Paar: Judith und ihre "De Scheepscatte". @ Judith Lischewski

Glückliches Paar: Judith und ihre “De Scheepscatte”. @ Judith Lischewski

Im Juli soll’s los gehen. „Je näher der Termin rückt, umso mehr steigt meine Aufregung. Ich freue mich schon auf meine Refit- und Segelabenteuer.“

Auf SR werden wir weiter über ihren Trip berichten. Viel Glück, Judith!

 

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Digger Hamburg

Kleiner segeln – größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 “Digger” jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. “Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details.” Zu seinem Blog geht es hier

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4 Kommentare zu „Langfahrt: Bankerin Lischewski will drei Monate mit der Sprinta nach Kroatien“

  1. avatar windhund sagt:

    freu mich auf die weiteren berichte. will auch *schnief*

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    • avatar digger.hamburg sagt:

      Ich werde von Judith sicher das ein oder andere Update bekommen und hier drüber schreiben.

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  2. avatar Thomas Schroeder sagt:

    Hi Julia,

    gute Reise, Du hast mir mal im Zug von D’dorf nach FFm erzählt, wird bestimmt Klasse, ich werde Deinen Berichten gerne folgen,

    MuSb

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  3. avatar Thomas sagt:

    Judith, Gott ist das peinlich.

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