Porträt: Segel-Coach Lixenfeld (86) – Wie er im hohen Alter noch Rad-Marathons bestreitet

"Wenn es in der Birne stimmt..."

Friedhelm Lixenfeld (86) war dreimaliger Laser-Masters-Weltmeister, Trainer beim DSV und coacht immer noch Segel-Olympioniken. Nebenbei fährt er Rad-Marathons. Treffen mit einer echten Inspirationsquelle.

“Wenn es in der Birne stimmt, kann man beinahe alles erreichen”. Das ist ein Satz von Friedhelm Lixenfeld (86), den er beim Vortrag im NRV zu Besten gibt. Es klingt wie eine Plattitüde. Aber wenn der legendäre Segeltrainer gestenreich vor Publikum darüber spricht, und man weiß, was er geleistet hat, wird dieses Credo greifbar.

Friedhelm Lixenfeld

Friedhelm Lixenfeld auf dem Rad. © Lixenfeld

Friedhelm ist mein alter Coach. Er referiert im Rahmen einer NRV Vortragsreihe über seine jüngsten sportlichen Höchstleistungen im biblischen Alter. Mit 84 Jahren bestritt er das 1240 Kilometer lange Radrennen Paris – Brest – Paris zum vierten Mal.

1992 übernahm er als DSV-Trainer eine Laser-Gurkentruppe für die Olympia Premiere der Klasse, wurde von den Funktionären mit seinen Schützlingen als “Olympia-Touristen” geschmäht und lieferte schließlich im Olympia-Jahr bei der WM das bis heute beste Ergebnis einer Laser-Nationalmannschaft ab. Vier deutsche Segler schafften es 1996 unter die Top 12 (4. 7. 9. 12.) und Stefan Warkalla segelte bei Olympia in Savannah auf Rang fünf.

Schlinge um den Hals

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich Friedhelm das letzte Mal gesehen habe. Dafür ist der erste Eindruck noch in Erinnerung. Bei einem Kieler Pfingstbusch blieb mir plötzlich die Luft weg, als ich die Raumtonne runden wollte. Eine Schlinge hatte sich um den Hals gelegt und zog mich aus dem Schiff ins Wasser. Prustend tauchte ich auf und sah den rosa Laser mit diesem netten älteren Herren, der in der Außenkurve etwas wenig Platz gelassen hatte. Seine Heckschot hatte sich um die Gurgel gelegt.

Friedhelm Lixenfeld

Lixenfeld vor dem Auditorium im NRV. © NRV

Friedhelm hat diese Begegnung der anderen Art immer noch parat. “Ich war erstaunt, wie ruhig du damals geblieben bist”, erinnert er sich beim Treffen in Hamburg. Aber vermutlich konnte ich mich damals nicht echauffieren wegen der abgesperrten Luftzufuhr.

Lixenfeld machte damals Eindruck, als er erst mit 42 Jahren das Lasersegeln begann. Zuvor war er als Extrembergsteiger und danach als Vater zweier erfolgreicher Segelsöhne in Erscheinung getretetn. Ralf Rainer brachte es zu Erfolgen im Finn Dinghy, wie ebenso später Welf Bodo im Laser und auch im Finn, unter anderem als WM Vierter 1988.

Dreimal Masters Weltmeister

Friedhelm begnügte sich in seiner Karriere nie mit Mittelmaß. Trotz spätem Einstieg in das Lasersegeln nahm der gelernte Bauingenieur und einstige Direktor im Hamburger Tiefbauamt, der maßgeblich mit dem Bau des Elbtunnels beschäftigt war, die internationale Master Szene ins Visier. Dreimal wurde er in seiner Altersklasse schließlich Weltmeister.

Friedhelm Lixenfeld

Mitreißender Redner. © SegelReporter

Dabei erarbeitete er sich autodidaktisch ein enormes Wissen in Sachen Trainingswissenschaft, Ernährung und Sportmedizin. Es war die Basis für die Trainer-Laufbahn. Viele Jahre lang leistete er dem DSV gute Dienste als Laser, Finn Dinghy und auch 49er Coach. Er schaffte es, vielen Schützlingen das Sieger-Gen einzuimpfen, aber seine selbstbewusste Art brachte ihm doch eher Schwierigkeiten bei den Verbandsbossen ein.

Nach der DSV Episode ist Lixenfelds Wissen seit vielen Jahren bei Spitzenseglern begehrt. Sie buchen ihn als Berater buchen. Unter anderem ließen sich Erik Heil und Thomas Plößel in Sachen Ernährung und körperlichem Training vom Altmeister inspirieren. Heute arbeitet Laser Nachwuchs Hoffnung Nik Willim (20) mit ihm zusammen.

Meditation und hartes Training

Die eigene Leistungsfähigkeit, die der 86-Jährige beweist, ist sein bestes Argument für Glaubwürdigkeit. Sein ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Geist in Einklang bringt, ebnet den Weg zum Erfolg. Sein Geheimnis: Meditation, hartes Training und eine ausgeklügelte Ernährung.

Mit dieser Einstellung hat er das ultimative alle vier Jahre stattfindende 1240 Kilometer Radrennen Paris-Brest-Paris dreimal in Folge absolviert und schaffte 2015 im Alter von 84 Jahren immerhin 1000 Kilometer bevor ihn Kälte und Regen erstmals aufgeben ließen.

Sein Vortrag beim NRV vermittelt die Lebensenergie, die immer noch in ihm steckt. Die Lebensjahre scheinen spurlos an dem Hamburger vorbei zu gehen. Er hat sich die Begeisterungsfähigkeit erhalten und viele deutsche Spitzensegler mit seinem Wissen über Motivation und Leistungsbereitschaft geprägt. Eine echte Inspirationsquelle, die vielleicht in den Videos transportiert wird.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Porträt: Segel-Coach Lixenfeld (86) – Wie er im hohen Alter noch Rad-Marathons bestreitet“

  1. avatar Claus Harder sagt:

    Moin Herr Lixenfeld !
    Habe mich schon vor 40 Jahren gewundert, warum Sie unter bestimmten Bedingungen so schnell waren.
    Wünsche Ihnen alles Gute !

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