Meinung J/24 Selbstjustiz: US-Crew leerte Blasen über Konkurrenz-Schiff aus

Puller-Anschlag

Schöne Geschichte. Da soll eine J/24 Crew in Bermuda mit einer anderen ziemlich aneinander geraten sein. Offenbar haben sich die einen darüber aufgeregt, dass die anderen ein unerlaubtes Segel an Bord hatten.

Sie forderten die erwischten Segler auf, doch bitte schön das Rennen aufzugeben. Taten die aber nicht. Da ersonnen die einen den verspäteten Akt der Selbstjustiz. Im vermeintlichen Schutze der Dunkelheit leerten sie ihre mit karibischem Bier gefüllten Blasen über dem Schiff der anderen aus.

Blöderweise wurden sie dabei fotografiert. Es kam zum Protest. Wegen Unsportlichkeit! Regel 69! Nun steht im ehrwürdigen Regelbuch wenig zum Thema, wie Segler ihre Stange Wasser in die Ecke zu stellen haben.

Denn es ist ja ziemlich klar, dass man nicht auf andererleuts Boote pullert. Es ist fies, gehört sich nicht und stinkt. Die Forum-Schreiber der US-Seite Sailing Anarchy weisen zwar darauf hin, dass ein wenig Urin durchaus zum Säubern des Decks geeignet sei. Aber angesichts der Vorgeschichte darf bezweifelt werden, dass es sich um eine gut gemeinte Bootswasch-Aktion gehandelt hat.

Die Einstufung als Racheakt klingt plausibel. Ob spontan, quasi im Affekt, oder im Bierrausch, das konnte die Jury nicht klären. Sie sprach die Crew mangels Beweisen frei. Vermutlich hatte sich der Urin zum Zeitpunkt der Verhandlung längst verflüchtigt. Allerdings wäre es dann auch kein effektiver Racheakt gewesen. Die geschädigte Crew hätte es gar nicht gemerkt.

Da kommt mir eine andere Aktion in den Sinn, mit der einem äußerst unbeliebten Lasersegler übel mitgespielt wurde. Dem Herren wurde im Mastloch seines Bootes der dem Urin verwandte menschliche Auswurf platziert. Als der am nächsten Morgen seinen Mast stellen wollte…nun ja, näher muss da nicht drauf eingegangen werden. Nicht schön!

Ich weiß, die Geschichten stinken gewaltig. Solche Übergriffe sind keine Sternstunden des Segelsports. Aber es gibt sie. Es gibt auch im schönen weißen Segelsport Proleten. Der angeklagte J/24 Segler sagt, dass er schon einige solcher fiesen Aktionen bei Regatten gesehen hätte. Dabei handele es sich nicht um Bösartigkeit sondern “um Segler, die sich einen sehr geschmacklosen Spaß machen”.

Er ruft dazu auf: “Lasst uns Spaß beim Sport behalten.” Sehr witzig!

Carsten Kemmling
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Carsten Kemmling

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