Aussteiger-Fantasie auf dem Wasser

Seasteading: Waterworld wird real

Angenehme Vision. Häuschen auf dem Wasser... © seasteading.org

...Boote davor, ohne den gängelnden Einfluss aktueller Regierungsformen © seasteading.org

Es hört sich an wie eine Aussteiger-Spinner-Vision. Einfach abhauen. Der bösen Gesellschaft den Rücken kehren und eine eigene gründen. Auf dem Wasser! Kevin Costner als Waterworld-Kino-Amphibienmensch hätte seinen Spaß daran. Aber diese Vision ist offenbar weniger abgedreht, als man denken mag. Es gibt einen Namen dafür, Seasteading, eine Organisation, das Seastading Institut, und einen Menschen, der die Vision ganz real am Freitag Abend im Hamburger Abaton Kino präsentiert.
“Das Seasteading-Institut will die Ozeane mit autonomen, mobilen Gemeinschaften besiedeln, um neue Formen von Gesellschaft auszuprobieren”, schreibt die TAZ in einer Dokumentation. Der Gründer des Instituts Patri Friedman sagt: “Es sollten so viele Gesellschaften wie möglich entstehen, mit unterschiedlichen Rechten und Regeln – als Experiment, um zu sehen, wie es funktioniert.”
Nun ist es ja nicht so, als gäbe es das nicht längst. Wer schon einmal längere Törns mit einer Crew unternommen hat, weiß, dass Rechte und Regeln auf dem Wasser durchaus unterschiedlich interpretiert werden. Die können zu schönen Männertörn-Saufgelagen führen, zu entspannten Familien-Erlebnissen oder zu Mord. Aber Herr Friedmann denkt größer. Bei Seasteading geht es um die permanente Besiedlung der hohen See außerhalb des Einflussgebietes bestehender Regierungen.

Es wird offenbar schon seit einigen Jahren ernsthaft geforscht, wie eine solche Gesellschaft autark auf Plattformen im Wasser überleben kann. Bei dem vor zwei Jahren gegründete Seasteading Institut laufen die Fäden zusammen. Der “PayPal”-Gründer Peter Thiel hat mit einer Investition von 500.000 US-Dollar noch mehr Realismus in die Sache gebracht. Das erste Projekt soll 2015 vor San Francisco für 200 Menschen bezugsfertig sein.

Das könnte man allerdings auch schneller haben. Wer mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet ist, lässt sich die Wally Island bauen. Das ist eine 99 Meter lange und 18 Meter breite “Yacht” soll autark über die Weltmeere schippern. Die veranschlagten 40 Millionen Euro hat bis jetzt allerdings noch niemand aufgebracht.

Website: www.seasteading.org

Carsten Kemmling
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https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Aussteiger-Fantasie auf dem Wasser“

  1. avatar Seasteading sagt:

    Gut geschriebener Bericht über das Seasteading Projekt. Inzwischen läuft das Projekt ja auf Hochtouren. Bin gespannt wie es weitergeht…

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