Segeln und Bergsteigen: Mit der Yacht nach Grönland – Klettern auf den Kirken

Erstbesteigung vom Boot

Ralph und Harald auf dem Gipfel der "Kirken" © villiger/fichtinger

Ralph und Harald auf dem Gipfel der “Kirken” © villiger/fichtinger

Sie segelten zu zweit nach Grönland und „gönnten“ sich dann noch die Erstbesteigung eines diffizilen 1200 Meter Berges, in Sichtweite der Küste – die Abenteuer von Ralph Villiger und Harald Fichtinger.

Am 17. August 2014 lichten wir den Anker in unserer Privatbucht und stecken den Kurs nach Seydisfjördur, Island ab. Wir waren wahrscheinlich die ersten überhaupt, die hier auf 71° 09’N je geankert haben, allenfalls ein Wal- oder Robbenfänger im 19. Jahrhundert.

Die Bucht hat einen schönen Sandstrand, aber der Gletscherbach nebenan drückt die Temperatur doch empfindlich. Auch sonst ist die Bucht eher kalt, sie gleicht einer Mondlandschaft. Für uns war sie jedoch unser trautes Heim über 4 Tage hinweg.

So fern und doch zu nah: Eisberg am Horizont © villiger/fichtinger

So fern und doch zu nah: Eisberg am Horizont © villiger/fichtinger

Wir hatten nach unserem großen Abenteuer noch etwas Zeit und könnten etwa in den Südarm des Storefjords. Von da könnte man den “Dobbeltoppen” ziemlich gut besteigen; er weist bisher noch keine Begehung auf. Wir konnten ihn bereits aus einiger Entfernung begutachten, zog uns als Berg jedoch nicht richtig an. Ein gut begehbarer Grat führt auf den Doppelgipfel – wir sind auch Bergsteiger und der Grat war uns nicht Herausforderung genug.

Es kann nicht mehr besser werden

Als Alternative könnten wir auch das gut 50sm entfernte “Ittoqqortoormiit” am Eingang des “Scoresby Sounds” besuchen. Aber eigentlich steht uns der Sinn gar nicht so nach anderen Leuten. Diese grönländischen Siedlungen sind zwar ganz spannend, aber letzten Endes doch nicht so romantisch, wie sie häufig beschrieben werden.

Totale Einsamkeit vor Grönlands Küste © villiger/fichtinger

Totale Einsamkeit vor Grönlands Küste © villiger/fichtinger

Also einen Schlag nach Osten, nach Jan Mayen? Dort könnte man zwar den Beerenberg besteigen, den nördlichsten aktiven Vulkan. Aber mir sind die neuerdings nur noch zwei erlaubten Buchten dort nicht bekannt und ich habe kein verlässliches Kartenmaterial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es zieht uns heim. Was wir erlebt haben, ist nicht mehr zu “toppen”.  So segeln wir also an die Ostküste Islands. Harald wird dort von Bord gehen, ich werde dann einhand noch via Färöer nach Schottland segeln. Wir schlagen alle Alternativen aus, weil wir völlig zufrieden sind. Wir haben erreicht, was wir wollten. Besser kann es ohnehin nicht mehr werden…

Mit acht Knoten zur grönländischen Küste

Fast zwei Wochen zuvor sind wir mit dem Flugzeug in Isafjördur, in Islands Westfjorden angekommen. Wir machen uns gleich daran, das Schiff, welches bereits seit Ende Mai dort liegt, seeklar zu machen. Aber der Wetterbericht spielt nicht mit. Das starke Grönlandhoch beschert uns Starkwind aus Nord bis Nordost, genau unsere Richtung. Das Boot kann das zwar schon meistern, aber freiwillig in kaltem Eisberggebiet kreuze ich nicht gegen sieben Windstärken auf. Nach fünf Tagen scheint sich die Lage zu bessern, nicht die Windrichtung, aber immerhin fällt der Wind auf fünf Beaufort. Wir laufen aus.

Segeln in der grandiosen Tristesse des Nordens

Kaum haben wir Hornvik, das isländische Kap Horn, querab, bekommen wir auch schon 5-6 Beaufort aus Nordost und zwei Meter Wellen. Mit bis acht Knoten rauschen wir der grönländischen Küste entgegen. Am zweiten Tag nimmt der Wind dann aber fast schon zu sehr ab. Und sobald wir in den Ostgrönlandstrom eintauchen macht sich auch schon Nebel bemerkbar.

Auf dem Radar entdecken wir ein Echo. Wir halten darauf zu. Erst aus einer Kabellänge erkennen wir den Eisberg. Er ragt gut 20m übers Wasser und ist etwa 400m lang. Rundherum treiben Growler, die der Radar allerdings nicht anzeigt.

Eisberg auf dem Schirm © villiger/fichtinger

Eisberg auf dem Schirm © villiger/fichtinger

Ich wende deshalb und segle einen Schlag nach Osten weg von möglichen Eisbrocken. Am dritten Tag, unterdessen herrscht Flaute, können wir die Küste sehen. Der Anblick ist schlicht grandios. Gestrandete Eisberge vor Gletschern und Bergen.

Eine Schule Delphine macht den Moment dann perfekt. Ein erstes Hochgefühl macht sich bemerkbar. In der Öffnung des Scoresby Soundes sehen wir wahre Giganten von Eisbergen und das einzige Schiff auf der ganzen Reise, abgesehen von einigen Fischern nahe Island.

Schließlich segeln wir entlang der zerklüfteten Küste von “Liverpool Land” nach Norden. Plötzlich hebt sich ein Gipfel von allen anderen in der Distanz ab. Und tatsächlich, es ist die “Kirken”, das Ziel unserer Reise.

Die "Kirken" von der See aus betrachtet © villiger/fichtinger

Die “Kirken” von der See aus betrachtet © villiger/fichtinger

Wir kannten den Berg ursprünglich nur von einem Bild in einem Buch über grönländische Flurnamen. Später kamen noch drei Bilder aus Google Earth hinzu. Aber wir wussten nicht, wie er sich im Verhältnis zu anderen Bergen präsentiert. Und jetzt merken wir, dass, wenn man an dieser Küste nur einen Berg besteigen darf, man unbedingt auf die Kirken will.

 

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