Windenergie: Mit “Flugwindkraftanlagen” Energie in unerreichten Höhen ernten

Je höher, desto windiger

Eine Flugwindkraftanlage aus Kleinmachnow (!) könnte bald schon den Windenergiemarkt revolutionieren. Crowdfunding-Projekt läuft noch bis 25.Dezember.

Drachen aus Papier und Stoff begleiten den (mehr oder weniger) zivilisierten Menschen schon seit Jahrtausenden. Die Chinesen nutzten sie während der alten Dynastien zur Nachrichtenübermittlung bei Militäroperationen und schafften es sogar, Menschen an Drachen hängend über Hindernisse hinweg zu transportieren.

Die Inder entwickelten den Papierdrachen im Mittelalter mit einfacher Technik, aber feinem Fingerspitzengefühl zum idealen Spielzeug. Eine Tradition, die vom Westen in der Neuzeit übernommen wurde, selbstredend mit reichlich technischen Verbesserungen versehen. So entstanden Hängegleiter, aber auch leistungsfähige Arbeits-Drachen, die meteorologische Einsätze fliegen oder Kameras über dem fotografischen Objekt in Position bringen.

Enerkite in Aktion und im Laster wird energie gespeichert. © enerkite

Enerkite in Aktion und im Laster wird energie gespeichert. © enerkite

Ein Drache als Flugwindkraftanlage

Im Laufe der letzten Jahre hat der Drachen zudem großes Interesse in der Energiewissenschaft gefunden. So werden in den USA derzeit spannende Versuchsflüge mit fliegenden Windmühlen durchgeführt, bei denen ein riesiger Drachen einen Rotor in windsichere Höhen bringt, wo wiederum „vor Ort“ Energie produziert wird.

Doch ein wirklich spannendes und ganz offensichtlich auch aussichtsreiches Projekt ist bereits seit fünf Jahren in Deutschland „in der Mache“: Die Flugwindkraftanlage „Enerkite“ mit Unternehmensstandort in Kleinmachnow bei Berlin.

Ausgezeichnet mit mehreren Innovationspreisen und bereits seit 2012 in dauerhafter und erfolgreicher Testphase, wurde mit „EnerKite“ eine echte Alternative zu Windkraftrotoren entwickelt – vor allem für den eher kleinen Energiebedarf abgelegener Dörfer, Inseln oder etwa Bauernhöfe.

Der Clou: Die Drachenwindkraftanlage ist mobil, hat auf einem Lastwagen Platz und eignet sich daher auch für den Einsatz in Katastrophengebieten und in Wüstenregionen.

Zwei Drachenmodelle sind derzeit verfügbar,  die auf 200-300 Metern Höhe eingesetzt werden © enerkite

Zwei Drachenmodelle sind derzeit verfügbar, die auf 200-300 Metern Höhe eingesetzt werden © enerkite

Je höher, desto windiger

Das Prinzip von „EnerKite“ ist einfach: Ein Drachen steigt in eine Höhe von 200-300 m und dreht dort, im Dauerwind, seine Achten. Da die Windstärke und –wahrscheinlichkeit bekanntlich mit steigender Höhe zunehmen, ist dort per se mit einer verbesserten Windernte zu rechnen, als bei herkömmlichen Windrotor-Anlagen.

Die Macher von „EnerKite“ beschreiben die funktionsweise ihrer Flugwindkraftanlage wie folgt:

EnerKítes arbeiten zyklisch in zwei Phasen:

• Phase 1 = Arbeitsphase: Der Flügel fliegt bei maximaler Seilkraft in Achten quer zum Wind. Das Seil wird herausgelassen und treibt eine Generatorwinde am Boden an.

Der Arbeitszyklus von "enerkite" © enerkite

Der Arbeitszyklus von “enerkite” © enerkite

• Phase 2 = Rückholphase: Hier unterbricht der Flügel den Achtenflug, gleitet auf direktem Weg schnell und mit geringer Kraft zur Ausgangshöhe zurück und geht erneut in die Arbeitsphase über. Dafür wird nur ein Bruchteil der zuvor gewonnenen Energie benötigt.

Ein voller Zyklus dauert ungefähr eine Minute. Anders als bei klassischen Windenergieanlagen wird die elektrische Energie am Boden erzeugt. Von dort erfolgt auch die Steuerung des Flügels, so dass sich in der Luft nur das bewegt, was auch in die Luft gehört. Start, Betrieb und Landung des Flügels laufen vollautomatisch ab.

Drachen-Hightech in der Luft

Als wichtigsten Part ihrer Technologie bezeichnen die „Enerkiter“ logischerweise die Drachen, Kites oder Flügel als solche. Die Hightech-Flügel, u.a. aus Kohlefaser, „vereinen die aerodynamische Höchstleistung einer vollstarren Bauweise wie bei Segelflugzeugen und das geringe Flächengewicht eines Hängegleiters.“

Was dabei herauskommt? Stromgestehungskosten von sieben bis zwölf ct/kWh an 80% der weltweit möglichen Standorte. Was wiederum wirtschaftlicher sein könnte als Photovoltaik und Dieselstrom.

Das neueste Flügelmodell im Einsatz © enerkite

Das neueste Flügelmodell im Einsatz © enerkite

Im Video stellen die „Enerkiter“ das Prinzip ihres Projektes kurz und eingängig vor.

Kürzlich wurde eine Crowdfunding Kampagne gestartet, die noch 22 Tage läuft.

Ausführliche technische Info auf der Website

 

(Werbung ist bekanntlich Geschmackssache)

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/3di-nordac

2 Kommentare zu „Windenergie: Mit “Flugwindkraftanlagen” Energie in unerreichten Höhen ernten“

  1. avatar Chenninge sagt:

    Da gibt´s doch auch noch diese Firma, deren Konzepte auf Segelreporter schon häufiger vorgestellt wurden:

    http://www.skysails.info/deutsch/power/power-system/skysails-power-system/

    Ich hab vor ca. 2 Jahren einem Vortrag gelauscht, in dem SkySails ein sehr ähnliches Konzeot vorgestellt hat.
    Nun kann man sich natürlich fragen, ob EnerKite innovative Komponenten entwickelt hat.
    SkySails ist zwar etwas notgedrungen (Weltwirtschaftskrise-> Reeder haben andere Sorgen als Kites auf den Frachtern) in eine andere Anwendungmöglichkeit ihrer Technologie eingestiegen. Man muss ihnen aber zu Gute halten, dass sie schon Kites auf im Seegang rollenden Frachtern gelandet haben-> Da müsste eigentlich mehr KnowHow vorhanden sein.
    Bin gespannt wer sich durchsetzt 🙂

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  2. avatar Wilfried sagt:

    Wenn ich die Auflagen sehe die man schon bei der konventionellen Windenergie hat sehe ich kein Potential in Deutschland für so eine Technik. Technisch interessant ist es aber allemal.

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