1. Segel-Bundesliga: Wie der NRV den Starnberg-Sieg vorbereitete – Schadewaldts Premiere

Kopf frei für die Liga

Laser-Champ Tobias Schadewaldt hat bei seiner Liga-Premiere für den NRV gewonnen. Aber die Titelverteidiger vom Deutschen Touring Yacht-Club sitzen mit Rang zwei schon wieder im Nacken.

Segel-Bundesliga Starnberg

Die Erstliga-Flotte vor tollem Alpen-Panorama. © DSBL/Sven Jürgensen

Der Norddeutsche Regatta-Verein hat den Auftakt zur Segel-Bundesliga gewonnen. Tobias Schadewaldt glänzte bei seinem ersten Liga-Einsatz nach der Beendigung seiner Olympia-Karriere im Laser. Zeitgleich mit dem Weltcup-Sieg seines Trainingspartners und Konkurrenten im Kampf um die Olympiafahrkarte Philipp Buhl durfte auch der gebürtige Wilhelmshavener einen großen Erfolg in Starnberg feiern.

Dabei konnte der 31-Jährige auf die bewährten Kräfte seines NRV-Teams zurückgreifen. Als Taktiker fungiert Schadewaldts Arbeitskollege beim Energieversorger und ex Sponsor EWE Florian Spalteholz der  Tornado-Olympionike von 2008 (Platz 8).  Dazu kommen die erfahrenen Match-Racer Niklas von Meyerinck und der Liga-Vorsitzende Florian Weser, die mit dem NRV Team schon zwei Meistertitel holten.

Segel-Bundesliga Starnberg

Das NRV-Team hängt sich rein. © DSBL/Sven Jürgensen

Das Quartett ist nach einem Strategie-Wechsel von Team-Manager Klaus Lahme in dieser Form im Frühjahr neu zusammengestellt worden. Schadewaldt hatte seine Laser-Olympia-Karriere nach einem starken sechsten EM-Platz aber verlorener Qualifikation gegen den übermächtigen Philipp Buhl verloren, danach einen Ironman-Triathlon absolviert, und dann den Kopf frei für das Abenteuer Segel-Bundesliga.

Umstellung der Strategie

Als langjähriges Mitglied des NRV-Olympic-Teams war er bestens darauf vorbereitet, hatte aber noch wenig Kielboot- und Crew-Erfahrung. So kam ihm die Umstellung entgegen, dass der NRV im Gegensatz zum Vorjahr feste Teams mit vier Steuerleuten gebildet hat, die erstmals auch die Möglichkeit haben, in diesen Konstellationen intensiver miteinander zu trainieren.

Die ersten vier Veranstaltungen werden aus dem 19-köpfigen Kader mit insgesamt zwölf Seglern bestriten. Florian Haufe, Carsten Kemmling und Johannes Polgar kommen noch am Steuer zum Einsatz. Die Aufstellung für die beiden fehlenden Liga-Regatten in der Saison und die beiden Champions-League-Regatten in St.Petersburg und Porto Cervo ist noch offen. Sie wird je nach Leistung entschieden.

Segel-Bundesliga Starnberg

Das siegreiche NRV-Team Florian Spalteholz, Florian Weser, Niklas von Meyerinck, Tobias Schadewaldt (v.l.) © DSBL/Sven Jürgensen

Den Unterschied zur Saison machen zwei neue J/70 aus, die erstmals ein regelmäßiges Training auf der Alster ermöglichen. Der in Oldenburg arbeitende Schadewaldt kann allerdings wie Florian Haufe (Zürich) und Johannes Polgar (München) nicht unter der Woche trainieren. Da kommen insbesondere Match Racer Felix Oehme und Sven Erik Horsch zum Einsatz, der neben Carsten Kemmling ein Team bei der J/70-Europameisterschaft in Kiel führt.

Vielseitigkeit gezeigt

So war Schadewaldt wie Haufe auf die intensiven Wochenend-Trainings im März auf Malta und dann auf der Alster sowie in Glücksburg angewiesen. Aber der Lasersegler konnte schnell seine Vielseitigkeit zeigen, die er durch seinen international einzigartigen Spagat zwischen der 49er-Klasse und der Einmannjolle gezeigt hat, aber auch schon mit seinem Sieg 2009 bei der Meisterschaft der Meister bewies.

In Starnberg startete er fulminant mit zwei ersten Plätzen in die Bundesliga-Serie. “Zu Beginn hat jeweils der erste Dreher auf der Kreuz das Rennen entschieden”, erklärt Schadewaldt. “Und den haben wir sehr gut vorausgesagt.” Danach habe sich der Rhythmus der Dreher bei ablandigem Wind erhöht und es sei schwieriger geworden, darauf zu reagieren.

Segel-Bundesliga Starnberg

Viele Rennen hattn guten Wind zu bieten. © DSBL/Sven Jürgensen

Besonders über die Aggressivität beim Start war er bei seiner Liga Premiere überrascht. “Das war schon deutlich intensiver, als beim Training.” Sehr oft habe noch ein Team im letzten Augenblick vor dem Schuss versucht, eine Überlappung in Lee herzustellen. Aber wenn es am Start nicht so lief, habe er mit guten Manövern seines Teams immer noch die Möglichkeit gehabt, auf dem Kurs aufzuholen.

Die Serie wurde am Ende mit 4/5/4 für den NRV zäher. Aber auch die direkte Konkurrenz besonders vom Titelverteidiger aus Starnberg patzte. Und so reichte schließlich der Vorsprung  noch deutlich aus.

Begeisterte Premiere

Schadewaldt war von der Atmosphäre bei seiner Premiere begeistert. “Es war super cool, so viele Leute wiederzutreffen. Und auf dem Wasser wurde ordentlich Gas gegeben.” So war der  Laser-Kumpel Malte Kamrath für den VSaW im Einsatz und mit den ex 49er-Steuerleuten Poldo Fricke (Chiemsee Yacht-Club) sowie Julian Ramm (Kieler Yacht-Club) hat er auch schon intensiv die Klingen gekreuzt.

Schließlich hatte der NRV fünf Punkte Abstand auf den zweitplazierten Touring Yacht-Club, aber der Vorsprung hätte noch einmal unter Druck geraten können, wenn die Top Sechs die geplante Finalserie mit drei doppelt zählenden Rennen wie geplant hätten aussegeln können. Doch der Wind spielte nicht mit, und so steht das Ergebnis des ersten Spieltages.

Segel-Bundesliga Starnberg

Florian Weser in Feierlaune. © DSBL/Sven Jürgensen

Dabei überraschte besonders der Aufsteiger Lindauer Segel-Club mit Rang drei. Die überlegenen Zweitliga-Sieger vom Vorjahr um die Geschwister Hemmeter schoben sich im letzten Rennen noch VSaW vorbei auf den Podiumsplatz. Das Team, bei dem besonders auch Fabian Gielen, bis Ende 2014 einer der besten deutschen Lasersegler, eine große Rolle spielt, hat das Potenzial, sich stabil in der Liga-Spitze festzusetzen.

Württemberger wieder voll dabei

Voll dabei ist auch wieder er Württembergische Yacht-Club nach dem Fast-Abstieg im Vorjahr. Nach zähem Start startete Max Rieger mit seinem erfahrenen Team um Thomas Stemmer und Felix Diesch und Conrad Rebholz schwach in die Serie, zählten dann aber vier Laufsiege und verpassten dann aber mit einem letzten Platz im Finalrennen das Podium.

Segel-Bundesliga Starnberg

Jochen Schümann mit seiner Crew etwas ratlos. © DSBL/Sven Jürgensen

Enttäuschend verlief der Liga-Auftakt für Jochen Schümann und den Yacht Club Berlin-Grünau nach der überzeugenden Vorstellung bei der gewonnenen Relegation. Nach gewohnt guten Starts fand sich der dreifache Olympiasieger nicht so gut mit den Drehern auf dem Kurs zurecht. Platz zwölf ist ärgerlich, aber auch wenig aussagekräftig. Denn in der Mitte war das Feld so eng, dass die Differenz zu Rang sechs nur zwei Punkte betrug.

Sehr hart traf es den Flensburger Segel-Club auf Rang 16, der im Vorjahr zu Beginn zu den Titelanwärtern zählte. Erstmals übernahm nun der 505er-DM-Dritte vom Vorjahr Kai Bertallot das Steuer und musste Lehrgeld zahlen.

Auch die einzige Steuerfrau im Feld Tanja Jacobsohn konnte als Vorletzte für den Aufsteiger vom Lübecker Yacht-Club die guten Trainingsleistungen nicht bestätigen. Außerdem belegt erstmals die Seglervereinigung Itzehoe den letzten Platz. Steuermann verpasste einige Trainings wegen Krankheit und kam erst zum Ende der Serie besser in Fahrt.

Die zweite von sechs Liga Regatten findet vom 27. bis 29. Mai in Konstanz am Bodensee statt.

 

Ergebnisse 1. Liga Starnberg

Ergebnisse 2. Liga Starnberg

Die Crewlisten der 1. und 2.Bundesliga für Starnberg

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *