America’s Cup: AC75 mit oder ohne Kiel – Sehen so die nächsten Cupper aus?

Mehr als eine Spinnerei

François Chevalier und Jacques Taglang dokumentieren seit Jahren mit beharrlicher Arbeit und ausgezeichneten Kontakten die America’s Cup Risse. Nun haben sie sich den zukünftigen Cupper vorgenommen.

AC75 Cupper

AC75 nur bestückt mit Foils. © Chevalier/Taglang

Die beiden Franzosen Francois Chevalier und Jacques Taglang haben 1987 das vielleicht teuerste Segelbuch der Welt verfasst. Der 8,5 Kilo schwere, 700 Seiten starke Foliant „America’s Cup Yacht Designs 1851 – 1986“ wird für gut 1000 Euto gehandelt und zeigt die Risse und Segelpläne sämtlicher 117 Boote, die bis dahin für den America’s Cup erdacht worden waren.

Seitdem versuchen sie an diesem Thema dranzubleiben und haben ein umfangreiches Information-Netzwerk geschaffen. So dürften ihre Gedanken zum zukünftigen America’s Cupper mehr als eine Spinnerei sein.

Nahe dran an den Mini Maxis

Ihre Version von den wahrscheinlichen Cupper-Linien, auf deren Veröffentlichung Szene und Fans Nägel kauend warten, sieht einen 75 Fußer vor, der ziemlich traditionell daher kommt und an die Mini Maxi 72 Klasse erinnert.

Mini Maxi 72

Die Mini Maxi 72 Klasse vor Porto Cervo. © Yacht Club Costa Smeralda

Das ist offenbar nicht zu weit hergeholt, denn Patrizio Bertelli, der als erster und mächtigster Cup-Herausforderer großen Einfluss auf die Wahl der Waffen hat, macht nie einen Hehl aus seinem Faible für großen Yachten. Er gehörte 2010 zu den Gründern der STP65-Klasse – Vorgänger der heutigen Mini Maxi 72 – die schließlich der Wirtschaftskrise zum Opfer fiel. Nur vier Yachten wurden gebaut unter anderem die “Container” von Udo Schütz.

Außerdem steht hinter den aktuellen New-York-Yacht-Club-Ambitionen unter anderem der schwerreiche Amerikaner Hap Fauth, Eigner des Mini Maxi 72 “Bellamente”. Er vertraut wie Partner Doug DeVos bei seiner Quantum TP52 auf die Dienste von Terry Hutchinson, den vielleicht besten Big-Boat-Taktiker der Welt. Wenn diese Männer die Pläne für den 36. America’s Cup spannend finden, entfernt man sich wohl sehr von den bekannten Extrem-Foilern und nähert sich den Ausarbeitungen von Chevalier und Taglang. Übrigens ist mit Dieter Schön, dem Inhaber der Schön-Kliniken, auch ein vermögender Deutscher im Mini Maxi Circuit dabei (“Momo”).

AC75 Cupper

Klassische Variante mit Kiel. © Chevalier/Taglang

Die Grundzüge der Linien des AC75 sollen in den kommenden Wochen bekanntgegeben und bis zum 31. März 2018 finalisiert werden. Das Programm sieht dann nach den Informationen von Chevalier und Taglang vor, dass die Regatten mit den Cuppern bei einer Vor-Serie (America’s Cup World Series Preliminary Events, ACWSPE) Mitte 2019 starten.

Ab dem 1 Februar 2020 dürfen die Herausforderer ihren zweiten und finalen AC75 vom Stapel laufen lassen, der bei drei weiteren Vorregatten starten kann. Vom 10. bis 20. Dezember findet das “America’s Cup Christmas Race” und der Prada Cup zur Ermittlung des America’s Cup Herausforderers erstreckt sich zwischen Januar und Februar 2021. Im März startet dann das eigentliche Cup-Duell mit den Neuseeländern.

Mit Kiel oder ohne?

Als weitere Cup-Details sehen die Franzosen One-Design-Elemente vorher, die wie beim 35. America’s Cup oder den IMOCA-Kielen und -Masten Kosten sparen sollen. Ihre beiden Zeichnungen zu dem Thema sehen eine Version mit und eine ohne klassische Kiel-Finne vor. Ohne den Ballast soll die Stabilität offenbar allein durch die Tragflächen erzeugt werden.

Das erfordert mächtige Foils, die bis zu fünf Metern seitlich aus dem Rumpf ragen und rasiermesserscharf sein werden. Die 10- 12-köpfige Crew soll immer noch schwer mit dem Grinden – per Bein oder Arm – beschäftigt sein, um Energie in die Hydraulik einzuspeisen. Aber es müssen eben auch jede Menge klassische Trimm-Arbeiten verrichtet werden als da wären: Segel setzen und bergen/reffen, Foil-Winkel anstellen, Neigekiel (falls vorhanden) nach Luv schwenken, Segel trimmen.

Ergebnis wäre eine vergleichsweise sehr traditionelle Yacht, die besonders am Wind klassische Segel-Techniken und -Taktiken wie im TP52-Zirkus erfordern. Die physikalischen Errungenschaften der vergangenen Kat-Cupper-Generation spielen kaum noch eine Rolle. Allerdings wird es spannend, wie diese Art von Yachten mit Rückenwind gesegelt werden und wie schnell sie werden.

Auch Chevalier und Taglang bringen den Namen von Alinghi ins Spiel als ernsthafter Interessent an dieser Entwicklung. Sie sagen auch, dass einer der Sponsoren von Franck Cammas begeistert sei.  Neben dem Team New Zealand und Luna Rossa, dem New York Yacht Club und Land Rover BAR wären das dann schon sechs Teams. Möglicherweise könnten weitere Eigner aus der Mini Maxi und TP52 Szene motiviert sein, in ein solches “richtiges” Segelboot zu investieren.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „America’s Cup: AC75 mit oder ohne Kiel – Sehen so die nächsten Cupper aus?“

  1. avatar AC 90 sagt:

    Prada Cup? Hat Louis Vuitton kein Interesse mehr als Sponsor der Herrausfordererrunde?

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