America’s Cup: Als letzte haben die Franzosen ihren AC50 vorgestellt – es wird schwer für sie

Die Außenseiter

Frankreich ist wieder einmal beim America’s Cup vertreten, geht aber als absoluter Underdog an den Start. Aber ein Deutscher könnte den Unterschied ausmachen.

Das Groupama Team France hat als letztes der sechs America’s Cup Syndikate seinen AC50 Cupper zu Wasser gelassen. Damit bestätigen die Franzosen, wie sehr sie dem Zeitplan der Konkurrenz hinterher hinken.  Sie werden es schwer haben, in Bermuda konkurrenzfähig zu sein. Wenn am Ende der America’s Cup Qualifiers nach je zwei Match Races jeder gegen jeden der schlechteste von fünf Herausforderern die Segel streichen muss, gehen die meisten Beobachter davon aus, dass es Team France erwischen wird.

Groupama Team France

Der Franzosen Cupper geht in Bermuda zu Wasser. © GTF

Wieder einmal hat ein Cup Syndikat der stolzen Segelnation nicht die nötigen Mittel zusammen bekommen, um ernsthaft beim Kampf um die Kanne mitzuspielen. Während alle Rennställe außer Neuseeland Budgets mit zum Teil deutlich über 100 Millionen Euro ins Spiel bringen, werden die Franzosen gerade einmal auf zwischen 20 und 30 Millionen geschätzt. Geld allein schießt keine Tore, aber ohne ist es eben besonders schwierig.

So ist es schon fast ein Wunder, dass Franck Cammas überhaupt ein Team nach Bermuda bringt. Nach der Verkündung der Teilnahme, die unter anderem von den Segel-Legenden Michel Desjoyeaux und Olivier de Kersauson propagiert wurde, konnte lange Zeit kein Hauptsponsor präsentiert werden.

Finanzielle Schwächephase

Cammas langjähriger Partner Groupama wollte eigentlich nur eine Übergangsfinanzierung leisten und maximal die Teilnahme an der World Series sichern. Und man musste schon den Abgang der Franzosen befürchten. So war ihre finanzielle Schwächephase ein Auslöser für die Regeländerungen, die untere anderem zur Reduzierung der Bootsgröße von 62 auf 50 Fuß führten. Sie sollten eine drastische Verminderung des notwendigen Budgets zur Folge haben.

Groupama Team France

Groupama hat seine Basis in Bermuda bezogen zwischen den Briten und Oracle. © GTF

Groupama sprang schließlich auch als Hauptsponsor ein, aber mehr als eine lebenserhaltende Maßnahme war das nicht. Das Cammas Team baute erst sehr spät ein Testboot, trainierte in Frankreich statt Bermuda, baute den aktuellen AC50 aus gebrauchten Teilen des AC45S zusammen und hat jetzt nur die geringste Testzeit auf dem Wasser zur Verfügung.

Mangels Ressourcen beschäftigte sich Cammas nebenbei noch mit einer Olympia-Kampagne im Nacra 17. Er kam angesichts der übermäßigen Konkurrenz im französischen Team aber nicht in die Nähe einer Qualifikation für Rio. Dann verletzte er sich noch schwer, und damit war der Olympia-Zug abgefahren.

Abgeschlagen bei der World Series

Der Volvo-Ocean-Race-Sieger 2012 nutzte noch den Little America’s Cup als Design-Pattform, gewann überlegen gegen die Amateur-Konkurrenz und feierte Erfolge auf dem GC32 Circuit. Aber ob das alles ausreicht, um mit den besten der Welt mitzuhalten, darf bezweifelt werden.

Bei der America’s Cup World Series segelten die Franzosen abgeschlagen hinterher. Dabei wurden die Rennen auf einheitlichen AC45 Foiling Katamaranen ausgetragen. Steuermann und Crew machen den Unterschied aus.

Groupama Team France

Das Team zählt offiziell 74 Mitglieder. © GTF

Ende 2015 ist der Neuseeländer Adam Minoprio zum Segelteam gestoßen. Er siegte gerade am Steuer des dänischen SAP-Teams bei der Extreme Sailing Series. Ob ihn auch Cammas einmal das Ruder übernehmen lässt?

Martin Fischer trägt die Hoffnung

Die Chancen, eine gute Rolle beim 35. America’s Cup zu spielen, stehen sicher nicht gut für dir Franzosen. Ob doch noch eine Überraschung möglich ist?  Schließlich gilt Frankreich als führend in der Multihull-Entwicklung.

Aber Geld zählt. Und das erfolgreiche Design-Büro VPLP, das maßgeblich die Vendée-Globe-Flügel entwickelte, steht längst in Diensten von Artemis.

Martin Fischer

The Brain. Der deutsche Physiker Martin Fischer spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der großen Maxi Trimarane. © M. Fischer

Dafür ist ein Deutscher mit ein Hoffnungsträger der Franzosen. Der Flügel-Papst Martin Fischer gehört zum Design-Team, und ihm wird zugetraut, dass seinem Hirn eine geniale Idee entspringt, die Cammas und Co weiterhelfen könnte. Er war mit Luna Rossa in den aktuellen Cup Zyklus gestartet und wechselte nach deren Abgang nach Frankreich. Fischer hat unter anderem den GC32 Foiler entwickelt und viele Innovationen verantwortet. Hat er noch einen Trick in der Schublade?

Es ist eigentlich schade, dass die Franzosen es so selten schaffen, ein starkes America’s Cup Team auf die Beine zu stellen. Genug Potenzial beim Kampf gegen die großen Segelnationen wäre sicher auf jedem Gebiet vorhanden. Aber die Helden dieses segelbegeisterten Völkchens segeln eher auf hoher See statt im engen Duell. Das könnte sich nur ändern, wenn Cammas durch Überraschungserfolge in Bermuda Aufmerksamkeit in der Heimat erregt. Aber großer Anlass zur Hoffnung besteht bisher nicht.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „America’s Cup: Als letzte haben die Franzosen ihren AC50 vorgestellt – es wird schwer für sie“

  1. avatar Hannes sagt:

    Immerhin haben die Franzosen ein AC Team.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

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