America’s Cup: Giles Scott beim Land Rover BAR Team – Ist er der beste Segler der Welt?

Der perfekte Cup-Segler

Mit Giles Scott stößt der Finn-Dinghy-Olympiasieger wieder zum Land Rover BAR Team. America’s Cup parallel zu Olympia, das wäre früher undenkbar gewesen. Nun gehört Scott die Zukunft.

Giles Scott

Giles Scott reitet für das Land Rover BAR Team aus und weist als Taktiker Ben Ainslie den Weg. © Harry KH / Land Rover BAR

Es ist generell schwierig, den besten Segler der Welt zu benennen. Zu unterschiedlich sind die Disziplinen und Wettbewerbe, bei denen sie sich beweisen können. Aber es hat sich etwas geändert. Die Segelwelt rückt näher zusammen. Und die führenden Profi-Veranstaltungen werden immer mehr von den großen Athleten dominiert, die sich ihre Meriten in den Olympia-Klassen erworben haben. Das gilt für die Langstrecken beim Volvo Ocean Race oder die Kurzzeit-Sprints beim America’s Cup.

Daraus ergibt sich, dass die Besten immer öfter auf dem gleichen Spielfeld die Klingen kreuzen. Für diesen Trend ist insbesondere der America’s Cup verantwortlich. Früher, als noch die schweren Kielyachten im Einsatz waren, kamen noch eher die gealterten Olympia-Stars zum Einsatz.

Giles Scott

Giles Scott bei seinem überragenden Gold-Triumph in Rio. © Lloyd Images

Russell Coutts ist ein Vertreter dieser Spezies, Jochen Schümann oder auch Jesper Bank. Der America’s Cup war der Weg, um nach der Olympischen Segelkarriere ein lukratives Auskommen zu haben. Das funktionierte auch deshalb, weil die Fähigkeiten im klassischen Match Race auf großen Yachten eine entscheidende Rolle spielten und diese Disziplin vom olympischen Kleinboot-Segler weit entfernt war.

Außerdem waren bei der letzten Cupper-Generation mit 16-köpfiger Crew keine körperlichen Höchstleistungen für die erfahrenen Denker und Lenker in der Afterguard mehr erforderlich. Die Physis wurde von den muskelbepackten Grindern geliefert.

Giles Scott

Der körperlich vielleicht stärkste Segler der Welt passt perfekt auf den neuen Cup-Kat. © Harry KH / Land Rover BAR

Aber das hat sich geändert, seit im America’s Cup für 2013 das Zeitalter der Katamarane begann. Die alte Garde der America’s Cup Stars wurde überwiegend arbeitslos, und jemand wie der verdiente Oracle-Taktiker John Kostecki wurde noch während der Cup-Regatten auf die Ersatzbank geschickt.

Kein Geringerer als Ben Ainslie übernahm seinen Job, und dieser Vorgang ist wegweisend für die aktuelle Crew-Situation bei den Syndikaten, die zurzeit um die Kanne kämpfen. Aktuelle Olympiasegler besetzen die Schlüsselpositionen.

Die Besten vereinen Cup und Olympia

Deshalb ist es einfacher geworden, den vielleicht besten Segler der Welt zu küren. Der America’s Cup steht in der Hierarchie der wichtigsten Segel-Wettkämpfe ganz oben neben den Olympischen Spielen, und die besten Player spielen neuerdings bei beiden Veranstaltungen mit.

Giles Scott

Scott kann ordentlich an den Schoten ziehen. © Lloyd Images

Ein herausragender Athlet dieser Segler-Gattung ist der Brite Giles Scott. Der Finn-Dinghy-Segler hat in Rio seinen Favoriten-Status auf beeindruckende Weise mit einem 32-Punkte-Vorsprung bestätigt, nachdem er seit 2011 vier Mal bei seinen Teilnahmen Weltmeister geworden war, 2o Rennen gewann und nur zweimal auf Rang zwei verwiesen wurde.

Die Überlegenheit des 29-Jährigen im Finn Dinghy hat sicher auch mit seinem Gardemaßen von 1,98 Metern Körpergröße und einem Gewicht von 97 Kilogramm zu tun. Und einem Ben Ainslie war schnell klar, dass er dem zehn Jahre jüngeren und 15 Zentimeter größeren Widersacher, dem er 2012 noch denkbar knapp das Olympiaticket vor der Nase wegschnappte, nicht länger widerstehen würde. Er machte ihm mit seinem Ausstieg den weg frei.

Der perfekte America’s-Cup-Segler

Aber Scott ist eben nicht nur ein Champion bei schwerem Wetter. Das konnte er in Rio eindrucksvoll zeigen. Er hielt dem psychischen Druck bei seinen ersten Olympischen Spielen, die er auch noch als absoluter Favorit bestritt, hervorragend Stand und glänzte auch taktisch bei Leichtwind.

Dennoch machen ihn insbesondere seine herausragenden athletischen Werte zum perfekten aktuellen America’s Cup Segler. Denn auf den neuen Foiling Cats muss auch ein Taktiker ordentlich mit anpacken. Kein Wunder, dass ihn Ben Ainslie für das Land Rover BAR Team eingekauft hat.

Giles Scott

Ainslie hat Scott an Bord geholt. Es muss sich zeigen, wie lange es Scott im Schatten aushält. © Lloyd Images

Der Rekord-Medaillen-Gewinner, der 2012 bei der internen Olympia-Qualifikation naturgemäß nicht besonders gut mit seinem jungen, ambitionierten Kontrahenten klargekommen ist, scheint ihn nun bestens in sein Cup-Team integriert zu haben.

Wie lange es Scott allerdings im Schatten von Ainslie aushält, muss abgewartet werden. Bis 2017 sollte das Puzzle dennoch zusammenpassen. Denn der frischgebackene Olympiasieger ist vom America’s Cup abhängig. Es besteht die akute Gefahr, dass das Finn Dinghy 2020 nicht mehr Teil des Olympiaprogramms ist. Dann hätte er keine Chance mehr, weitere Medaillen zu holen. Für alternative olympische Segeldisziplinen ist er zu schwer.

Bester Segler der Welt?

Aber der Weg des America’s Cups in Richtung der schnellen und körperlich extrem anspruchsvollen Foiling-Katamarane spielt dem jungen Briten in die Karten. Da ist er sogar noch besser geeignet, als die Olympia-Kollegen vom Team New Zealand Peter Burling und Blair Tuke, die für die Skiff-Klasse nicht so schwer und muskelbepackt sein dürfen.

Allerdings sind sie ihm aber bei der inoffiziellen Einschätzung als zurzeit beste Segler der Welt noch einen Tick voraus. Ihr Vorsprung beim Olympiasieg war noch 11 Punkte größer (43), ihre Serie von 20 tatsächlich ungeschlagenen Rennen ist noch beeindruckender, neben den ebenfalls vier WM-Titeln in Folge hat Burling zusätzlich die Moth-WM gewonnen, und der Steuermann sitzt auch noch auf dem America’s-Cup-Kat am Steuer.

Aber das Land Rover BAR Team scheint im Kampf um den America’s Cup Sieg zurzeit deutlich besser aufgestellt als die Kiwis. Die finanzielle und technische Ausstattung der Briten ist auf einem Niveau, das den Verteidigern vom Oracle Team USA ernsthaft gefährlich wird. Und einer wie Giles Scott kann den Unterschied ausmachen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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