America’s Cup: Outteridge erklärt, wie Artemis seine Aufholjagd gestaltet

"Nicht gerade brilliant gearbeitet"

America’s Cup Steuermann Nathan Outteridge spricht über die hastigen Umbauten des Artemis AC72 Katamaran. Rolf Vrolijk glaubt, dass sein Konstrukteur-Kollege Kouyoumdjian vielleicht doch nicht so falsch lag.

Artemis Oracle Training

Seit den Tests mit Oracle ist klar, dass Artemis längst nicht konkurrenzfähig ist. © ACEA 2012 / Gilles Martin-Raget

Der australische 49er Olympiasieger Nathan Outteridge, der beim Challenger of Record Artemis nach dem Abgang von Terry Hutchinson zum Steuermann befördert wurde, redet in einem Interview mit Genny Tulloch vom America’s Cup Management offen über die Strategie-Änderung hin zum Segeln auf Tragflächen.

Dafür habe das Team erst einmal einen AC45 umgebaut, “damit wir später nicht zu blöd aussehen”, wenn der große neue Katamaran, der zurzeit in Schweden gebaut wird, auf Kufen segeln soll. Beim Umbau des ersten Artemis Kats sollen überwiegend neue Verkleidungen getestet werden, mit denen der Windwiderstand verringert wird. Er kann nicht mehr zu 100 Prozent auf Tragflächen gehoben werden.

“Nicht gerade brilliant”

Außerdem solle noch intensiv am Flügelsegel gearbeitet werden. Outteridge gibt zu: “Unser Flügel hat nicht gerade brilliant gearbeitet…Das wurde auch beim Training gegen Oracle deutlich.” Diese Aussage ist durchaus eine Überraschung. Denn Artemis war wenigstens in diesem Bereich ein Vorsprung zugetraut worden.

Das Team hatte schon im Mai 2012 den ersten AC72 Flügel in Valencia gestellt. Der wurde aber auf einem modifizierten 60 Fuß Trimaran schwer beschädigt. Der Rückschlag war möglicherweise doch größer, als bisher vermutet.

Auf die Frage, wie das Team den Rückstand aufholen will, sagt der Moth und A-Cat Champion, dass sein Team genau hinsehe, wie es die Konkurrenz macht. “Dabei kann man am meisten lernen. So müssen wir ihre Fehler nicht mehr machen.”

Das hört sich wie eine gute Strategie zum aufholen an, aber kann man damit auch überholen? Outteridge hofft, dass durch das Foilen auf den kleineren Booten, die weniger Reaktionszeit erlauben, eine optimale Vorbereitung für den großen AC72 ermöglicht wird.

Sehr begeistert ist der Australier allerdings nicht über diese Art des Sammelns von Informationen beim America’s Cup. “Es ist ein anderes Spiel als ich es gewohnt bin von meinen olympischen Kampagnen. Da redet man mit seinen Konkurrenten und tauscht auch Informationen aus. Beim Cup ist eben alles top secret. Aber das muss es wohl sein, wenn Millionen Dollar auf dem Spiel stehen.”

Teuerer Irrtum

Angesichts dieser Aussagen steht nach wie vor der argentinische Top-Konstrukteur und Design Chef Juan Kouyoumdjian, dessen Entwürfe schon drei Volvo Ocean Races gewonnen haben, schwer in der Kritik. Der Argentinier muss wohl einen der teuersten Irrtümer der Segelsport Geschichte verantworten, weil er die Tragflächen-Technik verwarf.

Aber sein langjähriger Konkurrent Rolf Vrolijk nimmt ihn im Gespräch mit SR in Schutz. Er könne die Problematik bei der Entscheidung sehen, die mit den unterschiedlichen Wetterbedingungen zusammenhängen. So seien wohl zwei Rennen am Tag geplant. Morgens werde eher bei 8 Knoten gesegelt, nachmittags bei 18 Knoten. Bei wenig Wind sei man ohne Tragflächen schneller, aber bei Starkwind seien die Foils überlegen.

“Es ist eine besonders schwierige Entscheidung für die Herausforderer, weil sie beim Finale im September noch einmal andere Bedingungen vorfinden können.”

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *