Anna-Maria Renken und Hannah Jenner. Horta fast in Sicht.

"Alle Befürchtungen vom Leib gequatscht"

Hannah fotografiert sich und Anna bei "Damenbrise" nach dem Sturm. © Anna-Hannah

Noch wenige Meilen. Dann können wir ENDLICH mal wieder ein Bier trinken! Und Steak essen! Und duschen!

Unter Deck sieht es aus als sei eine Bombe eingeschlagen: Weil es nachts mittlerweile so klamm ist und es insbesondere in der vergangenen Nacht extrem stark geregnet hat, entwickelt sich das Boot tagsüber in der Sonne zur Dampfsauna. Es ist schwierig, die Klamotten so aufzuhängen, dass sie von der Maschinenwärme wenigstens ansatzweise trocknen. Das ist ganz schön figeliensch, weil ja auch alles voller Salz ist.

Wir haben bisher einen großartigen Tripp gehabt. Durchzogen von allen möglichen Wetterbedingungen – von ‘voll aufs Dach’ mit Sturmfock und drei Reffs bis ‘langsamer, grauenvoller, potentieller Tod in der Flaute’ (ich werde da unerträglich ;-)).

Zwölf Tage verbrachten wir bisher auf engstem Raum. Und doch haben wir uns nicht in die Wolle bekommen. Nicht einmal ansatzweise. Ein klitzekleines Zähneknirschen gab es sicher mal, aber unter dem Strich hat unsere Zusammenarbeit die erste Feuertaufe bestanden.

Schokolade und Cola. Die Frauencrew belohnt sich nach ein paar härteren Stunden auf See. © Anna-Hannah

Vielleicht lag es auch daran, dass wir uns kurz vor Abreise in Guadeloupe noch mal einen kräftigen Brausebrand durch lokalen Rum verpasst haben. Dabei quatschten wir uns alle Befürchtungen vom Leib 😉

Das Boot ist fantastisch und wir sind beide schwer verschossen. Natürlich konnten wir vor Guadeloupe etwas trainieren und uns einen ersten Eindruck verschaffen. Doch viel Zeit blieb nicht, um uns mit den Einzelheiten vertraut zu machen. Auch wenn das Boot relativ neu ist (September 2009) gibt es zig Sachen, die scheinbar täglich den Geist aufgeben können.

Neben einer leckenden Wasserballastanlage hat sich unser eigentlich gar nicht in Betrieb genommener Watermaker verselbstständigt und musste abgekniffen werden. Der Großbaum wollte sich vom Mast unabhängig machen und wir mussten aufgescheuerte Segel reparieren. Und das Zuweisen verschiedener COM Ports u.a. AIS etc. hat ebenfalls etwas Zeit in Anspruch genommen. Und viele weitere Kleinigkeiten.

Die erste Halse haben wir bei 28 Knoten gefahren. Da kann einem schon mal der Stift gehen 🙂 Aber es ist gut zu beobachten, dass wir dem Boot in kürzester Zeit Vertrauen schenken konnten. Anfangs haben wir die Reffs zu zweit eingebunden, nun macht das jeder alleine.

Ebenso lief es mit dem Bergen des Solents dieses sauschweren Biestes. Auf normalen 40-Fuß-Yachten würde das bestimmt drei Mann auf dem Vorschiff beschäftigen. Aber für uns ist das zur Ein-Mädchen-Aufgabe geworden. Weil es eben für alles irgendeinen Trick gibt. Alles ist mittlerweile geläufiger und das meiste passiert ohne viel Nachdenken.

Nächste große Aufgabe wird sein, dass Boot entsprechend unserer Polare schnell zu machen. Wir mussten unsere Überführung leider ohne A2, A6 und Code 0 antreten. Dafür haben wir lediglich einen alten Gennaker und das Solent Vorsegel. Vor dem Wind konnten wir deshalb das wahre Geschwindigkeitspotential noch nicht testen. Aber gut – das kommt.

Wie hoffentlich auch bald, dass Horta in Sicht kommt 🙂 Nachdem wir die ersten 1300 Meilen gegenan knüppeln mussten, haben wir uns die seit einigen Tagen durchstehenden achterlichen Winde redlich verdient.

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Ein Kommentar „Anna-Maria Renken und Hannah Jenner. Horta fast in Sicht.“

  1. avatar bläck sagt:

    Wo bleibt das Bild mit der Gitarre ?

    🙂

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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