Barcelona World Race: Boris Herrmann mit „Neutrogena“ als Vierte im Pazifik

Zur Halbzeit auf Platz vier

Boris Herrmann und Ryan Breymaier grüßen ihre Fans. © FNOB

Sie sind die Rookies unter den hochseeerfahrenen Weltumseglern, und dennoch greifen Boris Herrmann und Ryan Breymaier 53 Tage nach dem Start des Barcelona World Race rund um den Globus das Podium an. Am Dienstagmorgen (22. Februar) schob sich der 29-jährige Deutsche mit seinem Co-Skipper (35) aus den USA auf den vierten Platz der zwölf Teams vor, die über 25.000 Seemeilen (46.300 Kilometer) nonstop von Barcelona nach Barcelona segeln.

Die Crew der „Neutrogena“ passierte mit Neuseelands Hauptstadt Wellington auch „Estrella Damm“ und „Groupe Bel“, die dort am Vortag zu Reparaturstopps eingelaufen waren und laut Reglement eine zweitägige Zwangspause einlegen müssen.

Der nächste Gegner auf Rang drei heißt „Renault“ mit Pachi Rivero und Antonio Piris aus Spanien 153 Seemeilen voraus. Die in der Vorwoche überholte „Mirabaud“ des Schweizers Dominique Wavre und seiner französischen Frau Michèle Paret haben wieder bis auf 59 Seemeilen aufgeschlossen und liegen auf dem fünften Platz.

Die Yachten haben im Südpazifik Kurs auf das legendäre Kap Hoorn im Süden Südamerikas genommen, das in etwa zwei Wochen erreicht werden könnte.

An der Spitze des Felds ist ein spannender Zweikampf entbrannt. Nachdem die führenden Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron mit der „Virbac-Paprec 3“ ebenfalls in Wellington gestoppt hatten, sind die spanischen Verfolger Iker Martinéz und Xabi Fernández auf 90 Seemeilen herangerückt. Bis ins Ziel, wo die Boote ab Anfang April erwartet werden, sind allerdings noch mehr als 10.000 Seemeilen zurückzulegen.

Manches Mal hatten Herrmann und Breymaier in der ersten Hälfte des Rennens über Flauten geflucht, von denen sie oft länger „gut hatten“, als ihre Gegner. Doch in den Gewässern Neuseelands stand Rasmus ihnen Pate.

Als die „Neutrogena“ Farewell Point, das äußerste Ende der Südinsel passiert hatte, war die schwache Brise, unter der die meisten Boote vor ihnen gelitten hatten, passé. Ein günstiger, nördlicher Wind nahm immer mehr zu. Zeitweilig rauschte die „Neutrogena“ mit 25 Knoten unter großem Spinnaker und vollen Großsegel durch die Cook-Straße gen Pazifik.

ONSAILCTM
„Wir konnten das Land nicht nur sehen, sondern auch riechen“, beschrieb der Hamburger Weltenbummler mit Sitz in München, dass er die erste Landnähe seit einem Monat mit allen Sinnen genossen hat. Die Landschaften der Nord- und der Südinsel kamen ihm wie ein weiteres Zuhause vor.

Schließlich war Wellington vor zwei Jahren ein Etappenhafen bei Portimão Global Ocean Race, das er mit Felix Oehme sensationell gewonnen hatte. Herrmann: „Natürlich hätte ich unsere Gastfamilie von damals gerne wiedergesehen. Ich habe unterwegs auch mit Vater Mensell telefoniert. Aber über allem steht unser größtes Ziel, wirklich nonstop heil und so schnell wie möglich um die Welt zu kommen.“

Und auch sportlich bahnt sich zunehmend ein Erfolg des jüngsten Duos unter den 14 gestarteten an, von denen zwei schon aufgeben mussten. Unter die besten Fünf wollen sie am Ende kommen. „Nach der Wettervorhersage wussten wir sofort, dass wir zwei weitere Plätze gut machen können“, so Boris Herrmann.

„Das hat uns zusätzlich angespornt. Platz vier fühlt sich schon richtig gut an. Lange waren wir unsicher, ob nicht auch ‚Renault‘ stoppen würde, aber der Gewinn durch die vorteilhaften Bedingungen war sicher zu verlockend. Jetzt wollen wir sie jagen, schließlich haben wir Pachi und Toni im Training meistens geschlagen.“

Bis auf 60 Meilen rauschten sie an „Renault“ heran. Die Spanier mit dem Schwesterschiff von „Estrella Damm“ setzten sich aber nach der Ausfahrt aus der Cook-Straße in kürzester Zeit mit besserem Wind wieder auf über 150 Meilen ab.

Boris Herrmann sagt: “Mit mehreren Halsen mogeln wir uns unter einem atemberaubenden Sternhimmel bei Vollmond über die Spiegelglatte See. So glatte See hatten wir seit Gibraltar nicht mehr.”

Bereits in der Nacht zu Dienstag war die endgültige Entscheidung an Bord gefallen, nicht in Wellington zu halten, sondern das günstige Wetterfenster optimal auszunutzen. „Ryan ist zum Check des gesamten Riggs in den Mast geklettert, und ich habe den Kiel unter Wasser abgetaucht“, berichtete Boris Herrmann von den Kontrollgängen, um das Risiko einer unerkannten Materialermüdung oder versteckter Schäden zu minimieren.

„Wir hatten unterwegs auch schon das eine oder andere technische Problem zu lösen“, so der geborene Oldenburger von Kieler Yacht-Club weiter. „Aber einen Reparaturstopp zogen wir nie ernsthaft in Erwägung.“

Dieser stand für Kito De Pavant und Sébastien Audigane schon eine Woche vorher fest, denn auf ihrer „Groupe Bel“ (Frankreich) waren zwei wichtige Spinnaker in plötzlichen Böen völlig zerrissen. Der Zweikampf mit den lange gleichauf liegenden Alex Pella und Pepe Ribes aus Spanien auf der „Estrella Damm“ schien verloren, ehe diese vor der Küste ein gebrochenes Vorstag zu beklagen hatten.

Bis auf eine Minute zeitgleich machten die beiden roten Schiffe im Hafen fest und wurden von der Regattaleitung bis viertel nach 8 Uhr am Mittwochmorgen (23. Februar) vor Ort (20.13 und 20.14 Uhr deutscher Zeit am Vorabend) „an die Kette gelegt“.

Zähneknirschend mussten die beiden Mannschaften zusehen, wie nicht nur die „Renault“ und die „Neutrogena“, sondern schließlich auch noch die „Mirabaud“ an ihnen vorbeizog. Ob der Rückstand mit den reparierten Yachten aufzuholen sein wird, müssen die nächsten Tage und Woche zeigen. Das gilt auch für die „erholte Virbac-Paprec 3“, die seit dem Re-Start zunächst vom Wetter benachteiligt wurde, und die „Mapfre“ der ehemaligen Olympiasieger im 49er, die einen „heißen Kampf um Platz eins“ ankündigten und ohne Halt durchsegelten.

„Wir rechnen mit gut zwei Wochen bis zum Kap Hoorn und dann wohl noch einen Monat nach Barcelona“, wagte Boris Herrmann eine vorsichtige Prognose der verbleibenden Regattazeit. Durch die wegen Treibeis verlängerte Route, auf der zudem noch schwächere Winde vorherrschen als erwartet, dürfte sich die ursprünglich kalkulierte Reisezeit je nach Platzierung um ein bis zwei Wochen oder sogar mehr verlängern.

Exzellenter alternativer Tracker-Tipp von SR-Leser Ole H

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

2 Kommentare zu „Barcelona World Race: Boris Herrmann mit „Neutrogena“ als Vierte im Pazifik“

  1. avatar Backe sagt:

    Super Tip, Ole! Uff, endlich wieder vernünftige Grafiken!
    Und schöne Artikel mit super Bildauswahl, Carsten! Daumen hoch dafür!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar T.B. sagt:

    So, jetzt haben es die Spanier auch begriffen, daß ihr Racetracker Schrott war!

    Sie haben selbst umgestellt auf geovoile!

    LG
    T.B.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *