Doping: Italienische 470er-Seglerin Roberto Caputo nach positivem Test für Rio gesperrt

Macht Doping für Segler Sinn?

Die Sportwelt wartet noch auf die Ankündigung, ob alle russischen Sportler und eben auch die Segler von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden sollen. Und es stellt sich die Frage, wie fair kann so eine Kollektiv-Strafe sein kann. Sollte das nachgewiesene russische Staatsdoping wirklich auch auf den Segelsport ausgerichtet gewesen sein? Kann man im Segeln überhaupt dopen?

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Die 470er Steuerfrau Roberta Caputo ist positiv auf ein Muskelaufbau-Präparat getestet worrden. © Fabio Taccola

In diese Situation platzt die Nachricht von der italienischen 470er-Steuerfrau Roberta Caputo, die positiv auf das Doping-Mittel Clostebol getestet worden ist. Sie wurde von ihrem Verband nun für Rio gesperrt. Ersatzfrau Elena Berta wird das Steuer übernehmen und mit Vorschoterin Alice Sinno segeln.

Bei Clostebol handelt es sich um ein Hormon-Präparat, das beim Krafttraining den Muskel-Aufbau verbessert. Die Italienerin, die sich als WM 20. (2015) eine der letzten Olympia-Tickets erhalten hat und als Nummer 29 der Weltrangliste nach Rio gefahren wäre wurde bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle am 6. Juli in Neapel erwischt.

Durch Naivität erwischt?

Die italienischen Medien fragen sich, ob Caputo wirklich dopen wollte, oder durch Naivität in die Situation geraten ist. Beim Olympischen Segeln mag der Job des 470er-Steuermanns der am wenigsten körperlich belastende sein. Deshalb scheint zusätzlicher Kraftaufbau nicht entscheidend zu sein.

Allerdings macht das Doping sehr wohl Sinn, wenn die Italienerin durch vermehrten Muskelaufbau ein Defizit zum optimalen Crewgewicht hätte ausgleichen wollen. Das androgene Steroid Clostebol ist dafür bekannt, dass es im Body-Building gerade bei Frauen sehr effektiv beim Massenzuwachs wirkt.

Allerdings wäre die junge Athletin, die noch 2010 Weltmeisterin im 420er geworden ist, als absolute Außenseiterin nach Rio gereist. Erst Ende 2013 tat sie sich mit Vorschoterin Alice Sinno zusammen und holte überraschend den Nationen-Startplatz. Es ging nicht darum, die letzten Leistungsbereiche im Kampf um Medaillen auszureizen sondern um das Sammeln von Erfahrung für Tokio 2020.

Wenn Caputo wirklich zu leicht gewesen sein sollte, wäre es strategisch vielleicht genau die Chance gewesen, auf wenig Wind in Rio und damit den großen Wurf zu hoffen. Aber das Olympiarevier ist ohnehin nicht für ständigen Starkwind ausgelegt. So weist vieles auf die Möglichkeit nin, dass ihr ein dummer Fehler unterlaufen ist. Clostebol wird auch in Cremes verwendet, die Wunden heilen können.

Ausschluss der russischen Segler?

Am Donnerstag treffen sich die 28 Sommersportverbände zu einem Krisengipfel, um über den Ausschluss der russischen Olympiamannschaft zu beraten. Einige Verbände wie Tischtennis, Turnen, Judo, Schwimmen und Ringen haben schon geäußert, dass sie gegen einen generellen Ausschluss der russische Athleten sind.

Von den Seglern hört man noch nichts. Dabei ist auch in ihrem Fall anzunehmen, dass sie nicht tief im Dopingsumpf stecken können. So konnten russische Boote nur in fünf Disziplinen das Ticket lösen und das Leistungspotenzial deutet kaum darauf hin, dass sich eines für ein Medalrace qualifizieren könnte. Eine per Doping ausgereiztes Team sieht anders aus.

Eine echte Leistungssteigerung durch verbotene Mittel wäre im Surfsport denkbar, wo die körperliche Fitness den größten Anteil am Leistungsvermögen aller Segeldisziplinen hat. Das permanente Pumpen am Gabelbaum fordert den Körper bis zum Limit. Aber auch für die Finnsegler, ist die Physis ein großer leistungslimitierender Faktor, insbesondere seit das Vorwind-Pumpen per Flagge erlaubt werden kann.

In der DDR waren nur die Segler nicht gedopt

Auch im Laser, 49er und Nacra 17 spielt die Kraft und Ausdauer eine immer größere Rolle. Aber sie ist immer noch nicht so groß, als dass sie zum großen Prozentsatz über die Medaillenvergabe entscheiden sollte – zumindest nicht auf einem Revier wie in Rio.

Ein Hinweis um den Nutzen von Doping im Segeln ist die Tatsache, dass Segeln die einzige Sportart war,  in der das DDR-System nicht mit unterstützenden Mitteln nachgeholfen hat.  Die zuständigen Funktionäre hatten die Erkenntnis gewonnen, dass Doping im Segeln nicht hilft.

Dennoch gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Doping-Fälle auch im Segeln. Überwiegend ging es allerdings dabei um Cannabis-Konsum. So war die Sperre für den hochdekorierten neuseeländischen America’s Cup-Sieger Simon Daubney eine große Story. Aber systematischer Betrug ist im Segeln noch nicht aufgedeckt worden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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