Drachen Gold Cup: Wieser mit 17 Punkten vorne – Top Teams mit Super Coaches

Fest gefügte Hackordnung

Markus Wieser hat zum dritten Mal mit seiner ukrainischen Crew den prestigereichen Drachen Gold Cup gewonnen. Er siegte mit 17 Punkten Vorsprung, setzte aber noch nicht seinen neuen Drachen aus Dubai ein.

Dragon Gold Cup

Markus Wieser holt mit seiner ukrainischen Crew zum dritten Mal den Gold Cup im Drachen. © dragon Gold Cup

88 Teams aus über 20 Nationen trafen sich am IJsselmeer vor Medemblik und mussten mit sehr abwechslungsreichen, schwierigen Bedingungen kämpfen. An den beiden ersten Wettfahrttagen herrschten eher leichte und drehende Winde und zum Ende der Serie baute sich die berühmt berüchtigte hackige Medemblik-Welle auf.

Dabei war mit besonderer Spannung der Einsatz des neuen bei Premier Composite Technologies in Dubai gefertigten Drachen erwartet worden. Aber Wieser hatte nach dem ersten Test bei der Marblehead Trophy (Platz 4) erst einmal auf das Schiff verzichtet. Es fehlte die Zeit zur Vorbereitung. Einige Dinge funktionierten noch nicht, wie gewünscht. Henrik Witzmann segelte mit dem neuen Schiff und ex United Internet Team Germany Taktiker Michael Hestbaek sowie Markus Koy damit auf Rang 16.

Wieser vertraute beim Saisonhöhepunkt auf sein vertrautes Material und seine ukrainische Crew mit dem Eigner Sergey Pugachev und den 49er Olympiasilber-Gewinner von 2004 George Leonchuk (mit Rodion Luka). Die Hackordnung in der Drachenklasse scheint fest gefügt.

Dragon Gold Cup

Wieser ganz oben auf dem Treppchen. © dragon Gold Cup

So schreibt Wieser in seiner Nachbetrachtung: “Überraschungen in den Top Ten der Ergebnisliste blieben aus. Vorne segeln Teams, die am besten vorbereitet, am besten besetzt und am professionellsten gecoacht werden. Coachboote mit Wetteranlagen an Bord sind inzwischen keine Seltenheit mehr.

Ex Team Neuseeland Coach Rod Davies betreute das Zweiboot Team von Pieter Heerema,  Ben Ainslies ehemaliger Finn Dinghy Supercoach David Howlett arbeitete für Marcus Brennecke, der Vinci Hoesch und Marc Pickel im Boot hatte. Und auch unser für die Vereinigten Arabischen Emirate startendes Drei-Boot-Team hatte die beste Unterstützung. Der italienische Starboot Champion Diego Negri stellte uns perfekt ein.

Fast alle Top Teams waren derartig besetzt. Dabei ist es mittlerweile an der Zeit, zu hinterfragen, ob diese Entwicklung für die Drachenklasse noch förderlich ist, oder ob ihr nicht doch langsam Einhalt geboten werden sollte!”

In Medemblik lief jedenfalls für den Bayern von Anfang an alles nach Plan. Er schockte die Konkurrenz mit zwei Tagessiegen, schwächelte kurz mit Rang 25, lag nach den Plätzen 5/3 vor dem Finale aber 13 Punkte vor dem  zweitplatzierten Lawrie Smith aus England.

“Lawrie, der uns bei der WM in Melbourne im Jahr 2011 so knapp geschlagen hatte, setzte im letzten Rennen alles auf eine Karte und entschied für die rechte Seite der Startkreuz. Dies war sehr gewagt, da beim Gold Cup jede einzelne Wettfahrt zählt und somit das schlechteste Resultat nicht gestrichen werden kann. Er segelte hopp oder top.”

Aber wieder ging es über links. Der Engländer war bereits an der ersten Luvmarke aus dem Spiel und fiel nach Rang 28 sogar auf den Gesamplatz sieben zurück. Auch Doppelolympiasieger Poul Richard Hoy Jensen, vor diesem Rennen auf Platz vier liegend, war tief in der Zwanzigern verstrickt und somit bereits zu diesem frühen Zeitpunkt  draußen.

Einzig Evgenij Braslavats, 470er Olympiasieger von Atlanta 1996, Wiesers Teamkollege vom Transbunker Team lag in Lauerstellung und rundete knapp achteraus die erste Luvmarke.  Er musste sich am Ende aber doch dem Holländer Pieter Heerema geschlagen geben, der eine Zeitlang intensiv den RC44 Circuit bestritt.

Zweitbestes deutsches Team wurde Marcus Brenneke mit Vincent Hoesch und Marc Pickel auf Rang zehn. Drittbester Deutscher wurde ex Hanse Chef Michael Schmidt auf Rang 12 mit Malte Philipp und Mario Wagner. Karol Jablonski landete bei seiner Gold Cup Premiere im Drachen auf Rang 22.

Ergebnisse Drachen Gold Cup 2014

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

6 Kommentare zu „Drachen Gold Cup: Wieser mit 17 Punkten vorne – Top Teams mit Super Coaches“

  1. avatar Andreas Jung sagt:

    Ich finden den Professionalisierungsgrad etwas abartig – zumal in so einer nicht-olympischen Klasse. Damit schotten sich die Teams selbst vor Neuzugängen mit etwas dünnerem Portemonnaie ab.

    Aber: Wo sollte man die Grenze ziehen? Insofern ist die fehlende Reglementierung sicherlich auch irgendwie wieder gut.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

  2. avatar Inflex sagt:

    Die Drachenklasse ist generell keine Klasse für Menschen mit kleinem bis mittleren Portemonnaie soweit es den Regattasport angeht. Die Schiffe werden in großen Zahlen durch ganz Europa transportiert. Das braucht einfach Geld.

    Trotz des hohen Levels gibt es regelmäßig große Startfelder und viele neue Teams.

    IdR segeln hier einfach Menschen mit gehobenem Einkommen die im Leben sehr ehrgeizig und erfolgreich sind und das auf den Sport übertragen wollen. Das (und die Folgen) kann man gut finden oder auch nicht.

    Nach meinen persönlichen Eindrücken hat sich hier eine sehr professionelle Gemeinschaft etabliert die Nachwuchsprofiseglern einen Einstieg ermöglicht. Die Events sind sehr gut organisiert und der seglerische Anspruch extrem hoch in Verbindung mit einem sehr schwer zu segelndem Schiff.

    Zitat: “Drachen ist die schwierigste Art langsam zu segeln”

    Auf der anderen Seite werden nach meiner eigenen Erfahrungen Drachenfelder noch bei Bedingungen gestartet wo die meisten anderen Klassen längst mit AP an Land warten würden. Entsprechend hoch ist mitunter auch der körperliche Anspruch.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar Andreas Jung sagt:

      Will die Klasse denn das normalverdienende Fußvolk bewusst heraushalten oder hat sich das im Laufe der Jahrzehnte einfach so ergeben?

      Im ersten Fall wäre das halt so – es würde ja auch niemand von einem Bentley-Club erwarten, sich den Normalos zu öffnen, um den Ruf des Elitären abzulegen.

      Im letzteren Fall sollte die Klasse mal über mögliche Reformen nachdenken.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 2

      • avatar Inflex sagt:

        Ich glaube nicht, dass irgendjemand herausgehalten werden soll. Man kann auch ohne Profisegler zu sein bei Drachenregatten mitfahren. Jedoch ist das Niveau auch ohne Profis schon grds hoch denke ich. Denn idR kaufen sich die meisten einen Drachen, wenn sie vorher schon lange andere Bootsklassen gesegelt sind.

        Ich kenne aber viele Nichtprofis die bei gemischten Mannschaften im Drachen mitfahren. Was es ja in jeder größeren Festrumpfklasse mehr oder weniger gibt.

        Es ist definitiv eine Entwicklung aber auch einfach dem Schiff geschuldet. Ein Drachen wiegt ca. 1,7t. Wenn man bei anderen Regatten in Deutschland oder gar Europa mitfahren möchte sind das einfach Grundkosten die gestemmt werden müssen. Weiter das altbekannte Problem dass ein getrailerter Drachen nicht mit jedem x – beliebigen Fahrzeug gezogen werden kann (zumindest um die 100km/h Zul. zu bekommen)

        Hinzu kommt wie sonst auch Equipment, Unterkunft, etc…

        Ich kenne nicht viele die einen Drachen für ihre Passion von Deutschland nach Portugal oder ans Mittelmeer transportieren würden. Gleiches gilt aber auch für andere Schiffe (J80, Melges, etc…) Das sind aber die Rahmenbedingungen unseres Sports sofern man ihn intensiv betreibt.

        Zugegebenermaßen ist der Anteil der Profis bei int. Drachenevents sehr hoch, aber das ist bei anderen europaweit verbreiteten Klassen nicht anders. Wenn man ein gewisses Leistungsniveau erreicht hat wird es auf dem Wasser umso spannender wie ich finde. Gerade wenn man gegen bekannte Hochseeprofis auf Binnenrevieren segelt, da hört das Profisein schnell nach drei 20 Grad Drehern in 15 Minuten auf 🙂

        Und die Vermischung zwischen Sport und Geschäft ist definitiv nicht nur im Drachen vorhanden…

        Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  3. avatar Inflex sagt:

    Zudem: ein Drachen an sich (selbst gebraucht) ist grundsätzlich kein Schnäppchen. Von den Neupreisen mal ganz abgesehen. Regattataugliche Schiffe bewegen sich zwischen 40.000 und 60.000 € (grober Schätzwert)

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Inflex sagt:

    Zuletzt: ein Effekt der immer gerne übersehen wird.

    Professionelles Segeln bedeutet auch immer Materialschlacht. Die Folge davon ist, dass man als Einsteiger günstig an gutes gebrauchtes Material kommt. So auch im Drachen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *