Frauensegeln: SCA-Crew hat es schwer auf dem Profi-Markt

"Warten, dass das Telefon klingelt"

Die Seglerinnen des ehemaligen SCA Teams sind frustriert darüber, dass sie keine Job-Angebote bekommen. Es gebe immer noch große Vorbehalte gegenüber Frauen an Bord.

Volvo Ocean Race SCA

SCA als “Leg Winner” in Lorient. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

Bei der Bootsmesse in Genua erklärt die Amerikanerin Sara Hastreiter (31) gegenüber dem Volvo Ocean Race Vertretern, dass für fast alle Crew-Kolleginnen eine geradezu “betäubende Stille” herrscht in Bezug auf Job-Angebote aus der Profi Szene.

“Viele von uns haben versucht, einen Platz beim Sydney-Hobart-Race zu bekommen, aber es ist, als laufe man gegen eine Wand.” Einige Eigner flüchten sich in Ausreden, andere sagen offen, dass sie sich nicht gut fühlen mit Frauen an Bord.

“Wir sind geschockt, dass wir immer noch herum sitzen und warten, dass das Telefon klingelt.” Hastreiter erzählt, dass sie darauf die Strategie geändert hätten und sich nicht alleine, sondern in der Gruppe oder zu zweit angeboten hätten. Aber auch das habe nicht funktioniert.

Es ist ein Knochenjob, ohne wenn und aber © team SCA

Es ist ein Knochenjob, ohne wenn und aber © team SCA

“Man könnte ja denken, dass wir unser Können bewiesen haben, aber ich weiß nicht. Vielleicht gibt es unausgesprochene Ängste, dass sich an Bord etwas dramatisch ändern könne, wenn eine Frau auf dem Schiff ist. Ich glaube aber nicht, dass es dafür eine schlüssige Erklärung gibt.” Den physischen Unterschied lässt sie nicht gelten. Der mache vielleicht ein Prozent aus.

Sie verstehe allerdings, dass der Markt mit der männlichen Konkurrenz vom Volvo Ocean Race gesättigt ist. “Sie haben ja schließlich auch immer noch mehr Erfahrung als wir.” Andererseits könnten sie ja auch auf diesem Gebiet nicht weiterkommen, wenn sie keine Engagements bekommen. Und es sei so schade, dass ihre mit Blut, Schweiß und Tränen erreichte Erfahrung nun mit dem Ausstieg von SCA nichts mehr wert sein soll.

Aufgeben wolle sie und ihre Crewkolleginnen nicht. “Wir möchten auf diesem hohen Level weitermachen und am liebsten ein weiteres Volvo Ocean Race bestreiten.” Der Traum soll nicht platzen, deshalb arbeite man weiter zusammen in der Gruppe, um neue Möglichkeiten zu schaffen, so wie SCA es ermöglicht habe.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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