Gestorben: Hans-Otto Schümann

Schillernde Persönlichkeit

Hans-Otto Schümann ist tot. Der Hamburger Industrielle und Nestor der deutschen Hochseesegelei starb am Wochenende im Alter von 97 Jahren. Aus der Öffentlichkeit hatte sich der große Hanseat schon seit mehreren Jahren zurückgezogen.

H-O Schuemann

Hans Otto Schümann, Willy Illbruck, Udo Schütz (von links) feiern den Admiral’s Cup-Sieg 1993. © A. Kling

„Rasmus altes Rübenschwein, lass Rubin heut vorne sein“, näselte der Eigner von insgesamt 16 Hochseeyachten vor einem Regattastart hamburgisch und kippte traditionell einen Schluck Sherry ins Meer. Mit großem Erfolg. 13 Mal startete seine weiße Rennziege mit dem typischen roten Streifen am Rumpf in Südengland beim berühmten Admiral’s Cup, dreimal gewann Schümann die inoffizielle Mannschaftsweltmeisterschaft. Angeführt von der „Rubin“ holte das Dreier-Team Deutschlands 1973, 1985 und 1993 die Schale.

Seine Yachten waren stets state-of-the-art. Dabei nutzte er das Know-how aus der Großschifffahrt und ließ die Rumpfformen in Schlepptankversuchen bei der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt (HVSA) testen. Sein Bootsmann Steffen Müller, heute Geschäftsführer bei der Kieler Knierim-Werft, begleitete den Bau im fernen Neuseeland.

Der Zweitonner 'Rubin XII' mit Steuermann Thomas Jungblut und Taktiker Jörgi Heinritz (blaue Mütze) gewann 1993 mit dem Eintonner 'Pinta' und dem 50-Füßer 'Container' den Admiral's Cup für Deutschland.  ©Andreas Kling

Der IMS 44 Fußer ‘Rubin XIV’ mit Steuermann Thomas Jungblut und Taktiker Jörgi Heinritz (blaue Mütze) unterlag 1995 in der AC Quali. ©Andreas Kling

Anfangs stand der kleine Mann mit einen Elbschiffer auf dem Kopf, der das Segeln auf dem Vorschiff der „Carla“ seines Vaters gelernt hat, selbst am Ruder. Nach dem Motto „mit, nicht gegen die See musst du segeln“ steuerte er sein Schiff auch durch den verheerenden Orkan des Fastnet Race 1979, als 16 Segler in der Irischen See ihr Leben verloren. Schümann siegte.

Ergebnisstudium unter der IOR-Rechnerei: Hans-Otto Schümann (links) mit Willi Illbruck (rechts) und 'Pinta'-Bootsmann Thomas 'Beppo' Michaelsen.  ©Andreas Kling

Ergebnisstudium unter der IOR-Rechnerei: Hans-Otto Schümann (links) mit Willi Illbruck (rechts) und ‘Pinta’-Bootsmann Thomas ‘Beppo’ Michaelsen. ©Andreas Kling

Während sein langjähriger Weggefährte Willi Illbruck aus Leverkusen als Erster Profis (unter anderem Russell Coutts) an Bord seiner „Pinta“ holte, setzte Hans-Otto auf eine eingespielte, einheimische Crew. Und er war ein glühender Verfechter des Amateurstatus, lehnte den Einkauf von Segellegionären ab. Mitglieder seiner Stammbesatzung wie Ulli Tischendorf und Jörgen Heinritz hielten ihm bis ins hohe Alter die Treue, zuletzt auf der 2000 gebauten Najad 400 „Rubin XVI“.

Schümanns Rat war weit über die Reling der „Rubin“ hinaus gefragt. 42 Jahre (bis 1999) lenkte er die Geschicke des Hamburger Segel-Clubs (HSC) als Vorsitzender, mehr als 86 Jahre war er Mitglied. An der Alster steht sein Name bis heute und sicher auch in Zukunft für Großzügigkeit, denn er förderte vor allem immer wieder die Nachwuchsarbeit. Die X-332 „RubinX“ als Vereinsschiff wäre ohne den Unterstützer nicht möglich gewesen. Die „Rubin XV“ (Ex-„Unique“) fährt heute als „One4All“ ebenfalls mit junger Hochseecrew.

Einer, der den Segelsport in Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat: Hans-Otto Schümann.  ©Andreas Kling

Einer, der den Segelsport in Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat: Hans-Otto Schümann. ©Andreas Kling

Acht Jahre bis 1993 war Hans-Otto Schümann Präsident des Deutschen Segler-Verbands (DSV), zuvor zwölf Jahre Vizepräsident und bis zu seinem Tode Ehrenpräsident. Er initiierte den Club der Kreuzer Abteilung (CKA), dessen Commodore er wurde, und bewies damit Weitsicht. Obwohl dem Regattasport verschrieben, fing der Präsident aller deutschen Segler auch die Freizeit- und Fahrtenkapitäne auf und gab ihnen im Dachverband Heimat und Struktur.

2006 erhielt der Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Silbernen Lorbeerblatts des Bundespräsidenten bei der Sportgala des Hamburger Abendblatts den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Die für ihm persönlich aber wohl größte Auszeichnung war die Aufnahme in den altehrwürdigen Royal Yacht Squadron in Cowes. Nach Kaiser Wilhelm II. blieb Hans-Otto Schümann das einzige deutsche Mitglied im dem prestigeträchtigen Club.

Schümann war auch neben dem Segelsport ein Gönner. Also Mäzen förderte er zudem die Kunst. Ein Teil des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe wurde nach ihm Schümann-Flügel benannt.

Zu Wohlstand kam der Chemiker, der schon als 21jähriger Student die Firma seines früh verstorbenen Vaters übernahm, indem er sie zum Weltmarktführer für Paraffine, Vaseline und Wachse ausbaute. Sein Image nahm 2008 schweren Schaden, nachdem Schümann als Kopf von jahrelangen Preisabsprachen im Wachsmarkt entlarvt worden war und sein inzwischen nach Südafrika verkauftes Unternehmen 318 Millionen Euro Strafe zahlen musste.

Am liebsten feierte er Erfolge inmitten seiner 'Rubin'-Crew: Hans-Otto Schümann mit (von links) Steffen Müller und Ulli Tischendorf.  ©Andreas Kling

Am liebsten feierte er Erfolge inmitten seiner ‘Rubin’-Crew: Hans-Otto Schümann mit (von links) Steffen Müller, Ulli Tischendorf und Dietrich Tauber. ©Andreas Kling

Gleichwohl verliert der Segelsport eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten, die ihn über Jahrzehnte positiv geprägt haben. „Das ist ja priiima“, lobte Hans-Otto immer seine Jungs, wenn „Rubin“ mal wieder vorne war. Er wäre gerne noch 100jährig mit ihnen segeln gegangen, hat er manchmal gesagt, und dann doch bescheiden angefügt „ach nee, lass mal“. Mit der Hochachtung und vielen Erinnerungen einer ganzen Segelgemeinde trat Hans-Otto Schümann nun seine letzte Reise an.

 

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Ein Kommentar „Gestorben: Hans-Otto Schümann“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Fair winds, Hans-Otto!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 30 Daumen runter 0

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