Route du Rhum: Vierkampf für Riechers 300 Meilen vor dem Ziel

Herzschlag-Finale. "Mare.de" kämpft um Platz drei

Jörg Riechers liegt knapp 300 Meilen vor dem Ziel immer noch gut positioniert für einen Podiumsplatz. Die Leeposition ermöglicht ihm einen besseren Winkel zum Wind. Er fiel zwar auf Rang vier zurück wies aber bei diesem Positionsreport um 7:40 Uhr mit zehn Knoten den höchsten Speed in der Spitzengruppe auf. Wenn der Wind allerdings noch weiter nach rechts dreht, können die Luvboote halsen und vor ihm passieren.

Gut 300 Meilen vor dem Ziel in Guadeloupe gestaltet sich für Jörg Riechers der Class40-Kampf um Platz drei bei Route du Rhums zu einem Nervenkrieg. Während der ersten beiden Plätze an Thomas Ruyant und Nicolas Trussel vergeben scheinen, liegen die folgenden vier Boote nur zehn Meilen auseinander.

Die Schiffe liegen auf einer Linie. Der Nord-Süd-Abstand ist allerdings beträchtlich. Riechers hat die Leeposition und versucht mit dem großen Spinnaker maximale Tiefe Richtung Guadeloupe zu steuern. Da er aber in den frühen Morgenstunden etwas weniger Wind hatte als die Luv-Fraktion, musste er einen spitzeren Winkel segeln. Er verlor dadurch vorerst seinen dritten Platz.

Aber alles kommt auf die Drehung des Windes an. Sollte er ein paar Grad weiter nach rechts drehen, dann können die nördlich positionierten Schiffe halsen und vor ihm passieren. Es wird auf Feinheiten ankommen. Ein echtes Herzschlag-Finale, bei dem die Einhand-Piloten kaum schlafen werden. Grandios, dass der Hamburger auf diesem Niveau mitspielen kann.

Im Logbuch geht er allerdings auf banalere Probleme ein. Stinkender Fisch.

“Der natürliche Feind der fliegenden Fische muss die Flotte der Route du Rhum sein. Ich weiß nicht, wie viele “Leichen” die anderen Teilnehmer an Bord haben. Bei mir sind es etliche. Vor allem scheinen die Tiere nachtblind zu sein. Tagsüber geht es eigentlich, aber nachts höre ich ständig ein “Plopp”, “Plopp”, “Plopp”. Wieder das Signal, dass ein paar die Kurve nicht gekriegt haben .

Gestern flog mir ein Fisch sogar gegen die Rippe. Weiß nicht, für wen der Crash schmerzhafter war. Immerhin lebte er noch. Ich habe den Kerl ins Wasser geworfen und ihm noch viel Glück gewünscht – auf welcher Route er auch immer unterwegs sein mag. Unglaublich, dass Fische so stinken können. Das Positive daran: Die Bilder von gegrillten Doraden, die vor meinem geistigen Auge ablaufen, sind weniger geworden.”

Axel Strauss hält sich immer noch auf einem hervorragenden zehnten Platz. Dabei kommen ihm die Raumschotsbedingungen zu Gute, die ihn den verlorenen großen Spi vergessen machen. Das könnte sich aber vor dem Ziel ändern und noch zwei Plätze kosten. Aber richtig weit wird es nicht mehr nach hinten gehen.

Er schreibt in seinem Logbuch unter anderem über einen unheimlichen Radar-Alarm:

“Kurz vor dem Dunkelwerden meldete mein Radaralarm die Präsenz eines anderen Schiffes…und zwar sehr, sehr nah. Der Radar-Alarm reagiert eigentlich nur auf den Empfang von fremden Radarimpulsen, und gewöhnlich fängt das dann mit einem der Scangeschwindigkeit des fremden Transmitters angepassten, intervallartigen Tonsignal, und einem entsprechenden roten Licht.

Je schneller es beept oder blinkt, desto näher der Andere. Dauerton bzw. Dauer-Rotlicht bedeutet, das man quasi aufeinander sitzt. Und das war der Fall: Dauerton und Lichtsignal. Also, mal ganz schnell raus und nachgucken: NIX! Genauer geguckt: immer noch NIX. Gerät ausgeschaltet, wieder ein geschaltet: Das Gleiche. Vielleicht ein U-Boot? Kurz darauf: Mann-Über-Bord Alarm auf dem Navigationsssystem. Gut, da musste ich nicht nachschauen, um zu wissen, dass das nicht sein kann.

Minuten später, Blitz und Donner als Warnung, der Wind drehte um 90 Grad, es fing an zu regnen wie aus Eimern und ich war mitten drin in einem Super Gewitter. Die elektrische Phase war relativ schnell vorbei (und vermutlich der Grund für die geschilderten Phänomene, „Techneau“ hatte fast das Gleiche), aber mit dem Wind hatte ich bis gut Mitternacht zu tun.

Bis auf den Spi hatte ich eigentlich alle Segel mehrfach oben und unten, um das Boot in Fahrt zu halten..und in der halbwegs korrekten Richtung. Und überall roch es nach Fisch, den ueberall lagen fliegende Fische herum. In den Deckssegelsäcken, unter Leinen, in den Leinentaschen, an jedem erdenklichen Ort an Deck. In einem Fischladen, wo es so fischig riecht wie ein frischer fliegender Fisch, würde niemand einkaufen.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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