IC-Kanu-Klasse: WM in der San Francisco Bay – fünf Deutsche dabei

"Das gibt Kleinholz!"

Hack und gefühlte Wellenhöhe bis drei Meter… die deutschen  IC-Canoe-Segler schlagen sich auf ihren schmalen Kisten dennoch respektabel. 

Lay-Day bei den „International Canoe World Championship“ im „Richmond Yacht Club“ vor San Francisco. Die Wunden werden geleckt, erste Fazits gezogen, die Taktik nochmals überdacht und Reparaturen an den Kanus vorgenommen.

Das deutsche Team schlug sich bisher respektabel, man setzt aber noch auf Verbesserungen in den nächsten Tagen – die Regatta endet am 15. September.

Unter teils äußerst anspruchvollen Bedingungen (siehe unten) konnte sich Peter Ullmann mit seiner „Amok“ (!) als bester Deutscher unter 34 Startern bisher auf Rang 9 positionieren, Frederik Steimann belegt Rang 13.  Arne Stahl, Roger Regitz und Eckhart Pagel müssen sich mit nur einem bzw. zwei (von vier) gesegelten bzw. beendeten Läufen mit eher „ausbaufähigen Platzierungen“ zufrieden geben.

Die „gemischten“ Bedingungen während dieser wohl eher denkwürdigen dritten und vierten Rennen beschreiben sie auf ihrer (enthusiastisch geschriebenen) Website:

Es kommt „dicke“

„Es fällt schwer dem heutigen Tag mit einem Bericht gerecht zu werden. Bei 34 Seglern in zwei Läufen kommen viele Geschichten zusammen. Der erste Lauf war anfangs geprägt von mäßigem Wind, Sonne und wenig Welle. “Es war quasi wie zuhause!”, sagte Roger, der auch einen super Start hinlegte und sich lange mit Chris Maas battelte. Er wurde leider auf den letzten 20 m noch überholt von Michael Castello und kam so “nur” als 6. ins Ziel. Auch Freddy und Arne waren immer vorne dabei, Peter musste sich nach einer unglücklichen Startkreuz mühsam wieder nach vorne kämpfen.
Zum Ende hin frischte der Wind schon merklich auf und der Start des 2. Laufs war wieder unter erschwerten Bedingungen mit guten vier Beaufort, Welle, und einem allgemeinen Rückruf wegen drei Frühstartern.

Filigran, elegant… geil! © Müller

Filigran, elegant… geil! © Müller

Schon nach einem Dreieck war das Feld von 34 auf 25 Boote geschrumpft, teilweise wegen zuviel Wind, teilweise wegen Bruch. So ist zum Beispiel leider wieder bei Arne ein Schaden zu verzeichnen. Bei einer Kenterung an der Tonne fuhr ihm ein anderer Teilnehmer über das Segel und ein armlanger Riss wird jetzt vom hiesigen Segelmacher geflickt.

Bis zum nächsten Rennen sollte also alles wieder heil sein, aber “Wenn`s kommt, dann kommt`s dicke!”(Arne). Auch Ecki war frühzeitig wieder im sicheren Hafen, aber poste noch einmal für das Foto-Boot. Roger kenterte an der 3. Tonne und segelte zurück.
Peter’s Eindruck von seinem Lauf: “Zwischen den Kenterungen war ich verdammt schnell!” Trotzdem segelte er zu Ende, was alleine schon Respekt verdient.

Freddy war mittendrin im großen Verfolgerpulk der drei ersten, Chris Maas, Mikey und Robin Wood. Insgesamt war er heute der beste Deutsche!

Freuen auf Hawaii

Fazit also: Roger mit einem super ersten Lauf, Freddy der alles durchsegelt und heute bester Deutscher, Arne leider wieder etwas kaputtgegangen, was sich aber reparieren lässt, Peter mit vielen Kenterungen, aber ebenfalls durchgesegelt, Ecki mit altklugen Sprüchen hat sich seinen ersten Tut abgeholt und(!) das Gerücht macht die Runde, die nächste WM wäre in Hawaii ;)! Der lay-day kann kommen!“

Altersdiskriminierung – jetzt auch im Segelsport! © Müller

Altersdiskriminierung – jetzt auch im Segelsport! © Müller

Schon bei den ersten Läufen dieser WM wehte es mit rustikalen vier bis sechs -Beaufort, was viele Segler auf den filigranen Kanus bereits an ihre Grenzen brachte – Hochleistungsakrobatik auf dem (Ausreit) Brett war angesagt! Mit dem Auslauf-Spruch „Das gibt Kleinholz“ stürzten sich die Helden in gefühlte Drei-Meter-Wellen im Strom gegen an, Chaos vor allem in der Startvorbereitung, mehrere Mastbrüche, Kollisionen, unzählige Kenterungen… es war alles, bloß nicht langweilig.

Nichts für ältere Herrschaften?

Was die Wettfahrtleitung am zweiten Regattatag schließlich zu einer eher seltenen Maßnahme veranlasste: Sie limitierte das Teilnehmer-Höchstalter für den nächsten Tag auf 62 Jahre!

Für die kommenden Tage sind eher mäßige bis moderate Winde angesagt, aber die Wettergötter haben sich in der San Francisco-Bay schon oft genug als sehr launisch erwiesen.  Noch ist viel drin für die Deutschen, vorausgesetzt sie kommen ohne Bruch über die Runden.

Website des deutschen Teams

Vorläufige WM-Resultate

Offizielle Eventsite

Deutsche Verbandswebsite

SR-Bericht von der WM 2010 Warnemünde

IC One Design • Länge 5,20 m • Breite 1,01 m • Tiefgang 1,00 m • Gesamtgewicht 82,5 kg • Mindestgewicht Rumpf 63 kg • Segelfläche 10 m² • Segelfläche mit Gennaker 24 m²

• Schon im 19. Jahrhundert segelten Kanus in Regatten!

• Rumpfform lässt sich von einem Kanu ableiten – Konstruktionsklasse!

• Deutliche Übertakelung macht ein außergewöhnliches, aufrichtendes Moment erforderlich:

• Die Segler reiten über ein ausfahrbares Ausreitbrett aus. So wird das Gewicht des Steuermanns bis zu zwei Meter außerhalb des Rumpfes positioniert – der lange Hebelarm zieht nach sich, dass auch eher leichtgewichtige Sportler das Kanu bei viel Wind beherrschen können.

• Dem Ausreitbrett werden 50% mehr aufrichtendes Moment zugesprochen als einem Vorschoter im Trapez.

• Der Sitz wird bei jeder Wende mit einem Handgriff auf die andere Seite geschoben

• Die Segelkanus zählen zu den schnellsten Einhand-Jollen ohne Foils (26 Knoten Geschwindigkeitspotential)

Ausführliche Klassenbeschreibung

Tipp: Christopher Ossenkppp

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