Audi MedCup: “Container” auf Platz zwei hinter “Quantum”. “All4One” letzter

Angekommen in der ersten Liga

"Container" feiert eine hervorragende Premiere beim Audi MedCup in Cascais. © Stefano Gattini_Studio Borlenghi/Audi MedCup

Die „Container“ von Udo Schütz hat bei seiner Premiere im Audi MedCup einen hervorragenden zweiten Platz erreicht. Am letzten Tag der TP52 Rennserie vor dem portugiesischen Cascais gewann das Team um Steuermann Markus Wieser das Duell mit dem italienisch argentinischen Audi Azzurra Team.

Für den Bayern am Lenker ist es eine besondere Genugtuung, sich in dem Weltklassefeld behauptet zu haben. Seit vielen Jahren kämpft der 47-Jährige Profi-Segler um einen Stammplatz in der ersten Liga, der nahe lag, nachdem er einige Jahre in der Match Race Weltrangliste zu den Besten gehört hatte.

Weggefährten wie Karol Jablonski kamen in der Profi-Liga besser zum Zuge, während sich Wieser ein neues Spielfeld im Drachen suchte und für Dubai bei den RC44 startete.

Der America´s Cup 2007 wäre logisch gewesen für Wieser. Deutsches Team, deutscher Taktiker. In dieser Funktion wurde der zweimalige FD-Vize-Weltmeister 2005 neben Steuermann Jesper Bank auf Anhieb zweiter beim Match Race Germany. Aber schließlich erhielt er von dem Dänen keinen Vertrag für das Team und schied im Ärger.

Das Revier vor Portugal sorgte bei Rennen mit Wind über zwanzig Knoten für die gewohnt spektakulären Bilder. © Stefano Gattini_Studio Borlenghi/Audi MedCup

Bei der geplanten Fortsetzung der deutschen Cup-Geschichte mit Jochen Schümann am Ruder der Kampagne schienen die Chancen besser zu stehen. Aber der Dreifach-Olympiasieger verzichtete ebenfalls auf die Dienste des Bayern. Jablonski sollte das Ruder übernehmen. Seitdem gehen sich die beiden besten deutschen Bigboat-Segler eher aus dem Weg.

Insofern ist es für Wieser eine besondere Genugtuung, das brisante Duell in der TP52 Klasse für sich entschieden zu haben. Denn Jochen Schümann wurde mit seinem französischen Audi All4One-Team letzter von sieben Yachten.

Ein überraschendes Ergebnis. Denn Schümann war nach einem ordentlichen Start 2010 nach spätem Einstieg mit altem Boot nun mehr zugetraut worden. Neues Schiff, eingespielte Crew, das sollte für den angepeilten Podiumsplatz reichen.

Aber das Schiff wurde spät fertig, und die Crew konnte nur drei Tage vor dem ersten Event segeln. “Wir hatten besonders große Probleme mit einem Spinnaker, der nicht optimal funktioniert“, resümiert Schümann die frustrierende Woche, bei der All4One in fünf von neun Rennen als letztes Boot über die Ziellinie ging.

„Da die Windverhältnisse während der ganzen Woche gleich blieben und wir genau diesen Spinnaker einsetzen mussten, zog sich dieses Problem durch alle Rennen. Selbst ein Nachschnitt, für den wir uns Mitte der Woche entschieden, hat die Situation nicht verbessert.

Zerbrochene Schäkel sind da im Moment unser geringstes Problem – trotzdem hatten wir insgesamt einfach eine Menge Pech. Ich hoffe, damit ist es jetzt vorbei. Vor uns und dem nächsten Rennen in Marseille liegt eine Menge Arbeit. (…) Wir waren einfach nicht schnell genug.”

Breites Heck, viel Gewicht in Luv. Container ist bei seiner Premiere schnell unterwegs. © Chris Schmid/eyemage.ch

„Container“ segelte dagegen mit dem neuseeländischen Taktiker Hamish Pepper ein sehr konstantes Rennen auf hohem Niveau. Die überragende „Quantum“ mit dem amerikanischen ex Alinghi-Steuermann am Ruder, war mit fünf Siegen in der Serie zwar erschreckend überlegen. Aber das Schütz-Team hatte nicht erwarten können, auf Anhieb den Zweikampf mit dem erfahrenen ex „Matador“ Team Audi Azzurra um Vasco Vascotto und Francesco Bruni zu gewinnen.

Ein wenig Glück war im letzten Rennen dabei, als Azzurra in Führung liegend ein Leetonnenmanöver verpatzte, den Gennaker abschneiden musste und zurückfiel. Aber auch für „Container“ war zum Beispiel im Küsten-Rennen mehr drin, als ein Spi in Fetzen ging.

Der große Erfolg der neuen deutschen Vorzeige-Yacht „Container“ macht allerdings nicht die Enttäuschung darüber wett, dass der Audi MedCup mit nur sieben Yachten etwas von der Attraktivität der vergangenen Jahre verloren hat.

Die Bilder von den TP52s zum Beispiel bei dem windigen Finalrennen sind nach wie vor faszinierend. Aber das Fehlen der letztjährigen Topteams Team New Zealand, Artemis, Team Origin und Luna Rossa macht sich doch bemerkbar.

Dafür gibt es eben jetzt aus deutscher Sicht ein Zweikampf-Szenario. Man kann darauf wetten, dass Jochen Schümann alles dransetzen wird, die Veranstaltung in Cascais vergessen zu machen. Für Spannung ist gesorgt.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Audi MedCup: “Container” auf Platz zwei hinter “Quantum”. “All4One” letzter“

  1. avatar Pit sagt:

    Herzlichen Glückwunsch an Markus und sein Team! Das wird eine spannende Saison geben. Weiter so!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  2. avatar Philipp Mono sagt:

    Glueckwunsch auch von mir! Das waren bislang ein paar wirklich spannende Rennen, trotz des kleinen Feldes.
    Allerdings kann’s bei Schuemi nicht nur am Spinnaker gelegen haben. Auch bergauf lief’s alles andere als optimal.

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  3. avatar k sagt:

    Glückwunsch!!!

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