Knarrblog Reportage: 2K Teamrace neben Superyachten in Porto Cervo

Geblockt, geluvt, gebrüllt

Teamrace

Schmetterlinge vor dem Wind. Beim Teamrace wird immer ohne Spi gesegelt. © YCCS

Der Yacht Club Porto Cervo hat befreundete Vereine zum Teamrace nach Sardinien geladen. Nach den aufregenden Rennen im Schatten der Superyachten fehlt leider das Happy End.

Eben noch schien alles perfekt. Zwar hackt der Mistral über die Felsen von Porto Cervo immer wieder brutal in das gereffte Groß, aber die hektische Vorstartphase ist schadlos überstanden. Der eine Gegner dreht hilflos seinen Penalty auf der Startlinie und Eike hat den zweiten Kollegen auch gut im Griff.

Wir segeln ein sogenanntes 2K Teamrace. Zum ersten Mal. Zwei gegen zwei. Das Team, dessen Boot zuletzt ins Ziel geht, verliert. Ganz einfach, und doch ziemlich kompliziert. Auf dem Viereckskurs wird geblockt, geluvt, getrappt und gebrüllt, was das Zeug hält. Nur wenn das eigene Team auf den ersten beiden Plätzen liegt, läuft es einigermaßen entspannt. So wie jetzt.

Es ist das letzte Rennen beim Invitational Team Racing Challenge, zu dem unser NRV geladen wurde. Der wohl reichste Verein der Welt Yacht Club Costa Smeralda (YCCS), dem Aga Khan IV. als Präsident vorsteht, hat gerufen und acht Teams aus England (2), Australien, Griechenland, Italien (2) und Deutschland (2) sind gekommen.

Mal etwas kleiner

Der Verein habe Übung, große Regatten wie Maxi World Cups oder zuletzt die TP52 WM auszurichten, sagt der Commodore Riccardo Bonadeo. Aber nun wolle er es mal etwas kleiner versuchen. Wir sollen nachsichtig sein.

Tatsächlich gerät die Organisation auf dem Wasser noch etwas umständlich. Die nagelneue B/one Flotte, die dem Club für die Veranstaltung gestellt wurde, ist überfordert mit den harten Bedingungen. Viele Rennen verzögern sich durch Schäden an den Booten. Die Rollfock lässt sich nicht einrollen, Pinnenausleger lösen sich, Segel reißen ein. Der Commodore ist alles andere als amused.

Außerdem geht viel Zeit beim An- und Ablegen verloren. Es ist es nicht erlaubt, in den Hafen zu segeln. Unter Wasser sollen Steine lauern. Aber es sieht eher so aus, als hätte der Aga Khan Angst, dass eine B/one in einen der umher liegenden blank polierten 100 Fußer semmelt.

Oder es ist eine Beschäftigungsmaßnahme für die Gummiboot Belegschaft, gerne auch Cowboys genannt. Jede der acht B/one bekommt einen Schlaucher-Schlepper zur Seite gestellt, der das Schiff vom Hafeneingang vom oder zum Steg bugsiert. Wer alleine segelt bekommt richtig Mecker.

Der Gegner spielt wieder mit

Mist, auf dem Rennkurs wird es jetzt doch noch unentspannt. Ein heftiger Linksdreher schiebt sich aus dem Nirgendwo über die Bahn. Der abgeschlagene Gegner will plötzlich wieder mitspielen. Eike ist rechts in die Außenkurve geraten und liegt hinten. Ich muss mir einen Gegner greifen und ihn ausbremsen.

Also warten, und ein Opfer suchen. So ist das beim Teamrace. Ich habe das eine Zeitlang mal virtuell gemacht im drei gegen drei Modus. Aber real sieht es dann doch anders aus. Es gibt zwar einige Match Race Elemente und immerhin sind sechs unserer acht Segler vom NRV schon in dieser Disziplin Meister geworden. Aber jetzt wirbeln im Kopf die Szenarien und möglichen Spielzüge durcheinander.

Nach 14 Rennen glaubte ich eigentlich, das Spiel langsam verstanden zu haben. Ich muss mir den hinten liegenden Gegner schnappen, ihn blocken oder wegluven und dann kann der Teamkamerad durchschlüpfen.

Falle im Zweilängenkreis

Aber doch nicht an der Luvtonne, Hornochse. Ich will im Zweilängenkreis eine Falle aufbauen, eine sogenannte Mark Trap. Wer zuerst drin ist, muss der Gegner nicht mehr innen reinlassen. Ich rausche von links heran, muss noch wenden als der Italiener von rechts kommt, bin zu spät, muss ausweichen, stehe hilflos mit flatternden Segeln im Wind. Einfach durchgewinkt den Kollegen. Was für ein blindes Manöver, was für ein Ausfall. Das Rennen ist gelaufen.

Zu blöd, dass es sich dabei auch noch um ein sogenanntes Resail handelt. Die Italiener vom gastgebenden Verein haben bei der Jury die Wiederholung eines Rennens erwirkt, das sie gegen uns verloren hatten. Sie konnten glaubhaft machen, dass ein kaputter Pinnenausleger zur Niederlage führte. Na ja…

Aber es hilft kein Hadern. Hätte, wenn und aber…dieses letzte Rennen habe ich verbaselt. Und es tut umso mehr weh beim Blick auf die Ergebnisliste. Mit unserem zehnten Sieg hätten wir die Gesamtwertung gewonnen, mit dieser Niederlage aber sind wir fünfte! Ich muss zweimal hinsehen. Tatsächlich, die ersten fünf Teams sind punktgleich und beim Auflösen des Gleichstandes liegen wir hinten. Wir haben gegen die falschen Teams gewonnen und verloren.

Jede Menge Adrenalin

Schon ärgerlich, auch wenn es jetzt nicht gerade um eine Weltmeisterschaft geht. Aber wir wollen den Verein ordentlich vertreten. Und die Gegner haben eine Menge drauf. Einige Segler aus dem Olympia-Umfeld sind dabei, einige sehr erfahrene Team Racer, viele gute Match Racer. Die meisten Duelle sind hart umkämpft.

Jede Menge Adrenalin rauscht durch die Adern. Dabei gerät immer mehr dieses exklusive Ambiente auf dem Rennkurs in den Hintergrund. Wenn es nur noch ums Lenken, Luven  und Blocken geht, verliert sich der Blick für die skurrile Szenerie.

Es rauscht schon mal ein Hubschrauber vorbei, der nebenan auf einem Mega-Mobo Platz findet. Ein russischer Gazprom Fürst soll an Bord sein. Der edle 60 Fuß Einhand Daysailor “Ciao Gianni” kreuzt schon mal den Kurs und immer wieder rauschen glänzende Motorbrazen an der Startlinie vorbei, lassen in unmittelbarer Nähe in der vom Felsen Eiland Isole Nibani abgeschirmten Bucht den Anker fallen, klappen ihre Balkons aus dem Rumpf und lassen diverse Spielzeuge zu Wasser.

Verschluckte verbale Entgleisungen

Ein starkes Erlebnis, diese Veranstaltung. Man kommt sich sehr nahe bei dieser Art des Segelns. Die Situationen sind manchmal unübersichtlich, und im Eifer des Gefechtes wird es schon mal laut. Aber was nützt es. Gott sei Dank verschluckt der Wind mögliche verbale Entgleisungen und die Schiedsrichter entscheiden ohnehin sofort auf dem Wasser.

Das sind beste Vorgaben für die Feste an Land. Der Yacht Club Costa Smeralda ist ein perfekter Gastgeber. Die Italiener geben sich große Mühe und verbergen nachsichtig einen verständnislosen Blick, wenn jemand nach Umkleidekabinen fragt. Die Segler hier bringen normalerweise die Kabinen auf ihren eigenen Yachten mit. Umkleiden gibt es genauso wenig wie Jugendarbeit. Das Revier eigne sich einfach nicht für kleinere Boote wie Jollen.

Aber das kann ja noch werden. Mit uns kleinen Teamracern öffnet sich der mondäne Club offenbar mehr für das Volk. Die Politik geht dahin, in nächster Nähe auch ein Revier für die Jugend zu schaffen. Vielleicht ist dieses Event ein erster Schritt. Es soll jedenfalls eine wiederkehrende Einrichtung werden. Und von dem seit etwa vier Jahren aufkommenden 2K Teamrace sind alle begeistert.

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Ergebnisse Round Robin 1

Ergebnisse Round Robin 2

Ergebnisse gesamt

Zum Team NRV gehörten:
Boot Eins: Jan Eike Andresen, Sven Erik Horsch, Tobias Aulich, Florian Weser
Boot Zwei: Carsten Kemmling, Felix Oehme, Noel Gonseth, John Körtner

[ds_preview] (Ab hier zwei Videos von Team Race Sequenzen in Porto Cervo für SR Clubmitglieder

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Knarrblog Reportage: 2K Teamrace neben Superyachten in Porto Cervo“

  1. avatar armchairadmiral sagt:

    Sideboob!!!

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  2. avatar Lyr sagt:

    ach da bekomme ich feuchte Augen! 🙂

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