Knarrblog: Schnappatmung bei der Bundesliga – Rasmus, das alte Rübenschwein

Erst das Pech raussegeln

Das war wirklich ein Anfängerfehler. Weiß doch jeder, dass man aus neuen Sachen erstmal das Pech raussegeln muss, bevor sie im wichtigen Wettkampf eingesetzt werden. Aber nein, da dachte sich der große Skipper, er könnte das Schicksal betuppen.

NRV-Rollwende mit vollem Creweinsatz. © DSBL Lars Wehrmann

Was soll man auch machen, wenn sich die alten Schuhe langsam auflösen? Es muss doch irgendwie weiter gehen. Klar, aber der Profi setzt das neue Zeugs eben erst mal bei der Clubregatta ein. Es muss vorsichtig an die harte Belastung herangeführt werden. Leuchtet doch jedem ein.

Also nun ist es klar. Fünf Punkte zu viel nach 16 Rennen beim vierten Segel-Bundesliga-Spieltag in Travemünde. Fünf verdammte Zähler, die allein diesen verdammten neuen Schuhen zu verdanken sind.

Schon bei diesem zweiten Rennen hätte man drauf kommen können. Im Moment des Starts fegt da dieser fette Rechtsdreher über die Bahn, und unser guter Pin-End-Start mit dem Schlag nach links ist nichts mehr wert. Letzter an der Luvtonne.

Schnappatmung

Okay, das passiert. Also kämpfen um jeden Punkt. So ist das in der Liga. Und die Jungs geben richtig Gas. Kurz vor dem Ziel sind wir wieder Zweite. Eine Halse noch, und die Punkte sichern. Bloß kein Risiko eingehen. Es tönt ein Pfiff. Die rote Flagge der Schiedsrichter weist auf uns. Penalty!

Wie jetzt? Schnappatmung. Da war gar nichts. Genug Abstand zu den Kollegen aus Hamburg. Oder doch nicht? Nach dem Strafkreis sind wir Letzte. Mitja bekommt einen Wutausbruch. Einmal kurz durchpusten und dann mal höflich beim argentinischen Schiri nachfragen. Er hat etwas gesehen, was sich uns nicht erschließen will. Kopfschütteln.

Die Bayern protestieren. Schiedsrichter entscheiden sofort auf dem Wasser. Anders geht es nicht. © DSBL Lars Wehrmann

Aber Okay, das gehört dazu. Es ist der Preis für dieses Format. Ohne die Schiris auf dem Wasser funktioniert es nicht. Wir sind ja zielich dankbar dass es sie gibt. Niemand hat Lust, nach den Rennen noch Protest-Formulare auszufüllen.

Und es ist ja auch meine Schuld. Zu diesem Zeitpunkt will ich das mit den Schuhen noch nicht wahr haben. Es hilft ja nichts. Weiter kämpfen, bis der Arzt kommt. Und es klappt: Nach der Serie 2/3/1/1 sind wir Zweite.

Eine echte Wiese

Dann dieses siebte Rennen. Es beginnt so gut. Der Leestart ist goldrichtig. Knapper erster Platz an der Luvtonne. Eine schwierige Leichtwind-Vorwind gut verteidigt, den Vorsprung am Leetor auf gut fünf Längen ausgebaut, freier Schlag nach rechts, den nächsten Konkurrenten vom Touring Yacht Club im Kielwasser, da kann nicht mehr viel anbrennen. Der dritte Sieg in Folge ist greifbar nahe.

Denkste. Wir nähern uns der Anliegelinie zur Luvtonne. Eine Wende noch, und dann abkassieren. Die Gegner auf der linken Seite liegen weit zurück. Plötzlich wird es grün auf dem Wasser. Ein Grasteppich versperrt den Weg. Kein kleiner Placken, der umfahren werden kann, eine echte Wiese.

Ich wende hektisch, um einen Ausweg zu finden, rutsche aber voll rein. In den Rennen zuvor hatte schon Grünzeug im Weg gelegen. Rückwärts segeln vor dem Start gehört zur Routine bei allen Teams. Aber so ein dichtes Feld?

Mitja springt zum Heck, greift ins Wasser und fischt das Zeug vom Ruder. Aber wie soll es vom Kiel befreit werden? Yachtcrews haben für solche Fälle schon mal einen Stick parat, wir können nur hoffen. Ist vielleicht gar nichts hängen geblieben?

Von wegen. Ein bis zwei Knoten fehlen uns zu den direkten Gegnern. Kurz vor der Tonne dreht auch noch der Wind, so dass zwei Boote knapp von links vorbei rutschen, plötzlich sind wir Fünfte. Unglaublich. Vier sichere Punkte, die verrauchen. Es müssen diese Schuhe sein.

Alles Quatsch

Dabei ist das alles Quatsch. Fünf Punkte fehlen zum Sieg. Und nach 16 Läufen rechnet jedes Team wie wir. Was sollen bloß die Bremer sagen? Man weiß genau, wo einzelne Punkte unnötig liegen geblieben sind, wo man schlecht gesegelt oder Pech gehabt hat.

Wer gut segelt, benötigt kein Glück oder lässt sich nicht von blöden, neuen Schuhen, dem fehlenden Sherry-Schluck, stinkenden Glückssocken oder Sonstigem aus dem Tritt bringen. Auch unsere fehlenden Punkte zum Podium sind schließlich selbst verschuldet liegen geblieben.

Besonders der vorletzte Lauf hat es in sich. Nach einem Sieg sind die Top drei wieder greifbar. Besonders mit dem soliden dritten Platz zur Mitte des Rennens. Aber zwei, drei wirklich dumm gesetzte Wenden gegen die Dreher, zu großer Abstand im Zweikampf, und zack rutschen gleich drei Boote durch. Ein schreckliches Rennen.

Es ist müßig, sich über Glück und Pech beim Segeln Gedanken zu machen. Jeder macht Fehler, man muss sie einfach minimieren. Am Ende gewinnen doch die besten Segler. Und es ist sicher kein Zufall, dass die Titelverteidiger vom Touring Yacht-Club am Ende in Travemünde wieder vorne liegen.

Hadern hilft nicht. Die Erfahrung beim Segeln zeigt ja auch, dass Rasmus das alte Rübenschwein eigentlich doch gerecht ist. Er mag manchmal den Überblick verlieren, wem er zwischendurch einen Schub gibt, und wen er ausbremst. Aber über einen längeren Zeitraum gleicht er Pech und Glück aus. Nur neue Schuhe mag er offenbar überhaupt nicht.  🙂

Ergebnisse Segel-Bundesliga Travemünde 2017

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „Knarrblog: Schnappatmung bei der Bundesliga – Rasmus, das alte Rübenschwein“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Ich wollte mir für Glücksburg extra neue Schuhe besorgen.
    Ich lass das mal sein…

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *