New York-Vendée: Dreikampf an der Spitze – Thomson macht Druck nach Kenterung

Mit 28 Knoten in die ungeplante Wende

Alex Thomson war eigentlich schon raus aus dem Kampf um den Sieg, aber nun hält er den Ausgang des New York-Vendée-Atlantikrennens wieder offen. Seine Berichte von Bord sind packend.

Alex Thomson

Wie das Wasser über die “Hugo Boss” strömt. © Hugo Boss

Der Brite Alex Thomson schafft es bei dieser Atlantik-Regatta, die Fans auf einzigartige Weise mit an Bord zu nehmen. Seine Video-Botschaften aus der dahin donnernden “Hugo Boss” haben eine beeindruckende Wirkung. Dazu kommt eine erstaunliche Dramaturgie des Dreikampfes.

Thomson hat bei der Atlantik-Regatta schon gezeigt, wozu seine neue “Hugo Boss” in der Lage ist. Das Schiff ist richtig schnell und es scheint auch bei den brutalen Bedingungen zu halten.

Thomson (grau) ist wieder bis auf 25 Meilen an "Maitre Coq" (weiß) und "Edmond De Rothschild" herangefahren.

Thomson (grau) ist wieder bis auf 25 Meilen an “Maitre Coq” (weiß) und “Edmond De Rothschild” herangefahren.

Zwar wagte Thomson einen erstaunlichen taktischen Alleingang, der ihn weit nördlich von seinen beiden Verfolgern positionierte und ihn der Möglichkeiten beraubte, sein Schiff im Vergleich zur Konkurrenz zu tunen. Aber die Bedingungen waren so hart, dass er wohl andere Prioritäten setzte. Vielleicht wollte er auch nicht alle Karten aufdecken.

Jedenfalls geriet er danach ins Hintertreffen, als er ein Problem mit dem Autopiloten bewältigen musste. Nun segelt er aber wieder an die beiden Spitzenboote heran, die etwas weniger Wind haben. Er sieht eine Möglichkeit zum Überholen. Dafür benötige er aber “viel Glück”.

Alex thomson

Alex Thomson bei seinem Video-Blog. © Hugo Boss

Erstaunlich ist die neue Leistungsfähigkeit der alten “Maître CoQ” von 2010, die das Team von Jeremy Beyou zum Foiler umbauen ließ. Bei seinem ersten Wettkampf-Test zeigt der Franzose, dass die  Berechnungen vom ex Emirates-Team-New Zealand-Teamchef Nick Holroyd offenbar erfolgreich sind.

Er kann offenbar bestens mit Sébastian Josse auf dessen mit Tragflächen bestückten Neubau mithalten. “Edmond De Rothschild” hat schon im Zweikampf mit “Banque Populaire” gezeigt, dass sein Skipper Josse mit dem Schiff einen echten Gradmesser für die Vendée Globe unter dem Hintern hat.

Tracker New York-Vendee

Die letzten Video-Blog-Beiträge von Alex Thomson:

“Wie ihr seht segele ich wieder mit Full Speed. Gestern war es wirklich entsetzlich…Am Ende soll der Wind noch einmal sehr leicht werden. Da könnte es noch einmal eine Möglichkeit geben zum Aufholen, auch wenn ich dafür nicht besonders gut positioniert bin. Aber die Position liegt an den Problemen mit dem Autopiloten.” :

“Ich habe die Entscheidng getroffen, abzubremsen. Ich segele nur noch mit dem Groß. Denn unser Team kann gerade gut auf einen umfassenden neuen Bootsbau- oder Reparatur-Job verzichten…Unser großes Ziel ist das Vendée Globe, und dafür können wir kein großes Problem gebrauchen. Ich muss das Boot in einem Stück nachhause bringen.” :

“Die vergangene Nacht lief nicht gut für mich.” Bei 28 Knoten Speed unter zwei Reffs im Groß meldete sich der Autopilot-Alarm und ‘Hugo Boss’ steuerte sofort in eine “Crash-Tack”. “Der Mast berührte fast das Wasser und ich war etwas geschockt, so aufgeweckt zu werden.” Thomson kontaktierte das Team und es arbeitete sieben Stunden daran, das Problem zu finden. Schließlich wurde festgestellt, dass das GPS fehlerhaft arbeitete und das Netzwerk lahm legte. Bis der Autopilot wieder normal arbeitete hatte Thomson 80 bis 100 Meilen auf die Konkurrenz verloren. :

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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