Normandy Channel Race: Jörg Riechers erklärt den Weg zum Sieg mit “Mare”

"Man sollte nicht aufgeben"

Jörg Riechers schreibt über den Mare Sieg beim Normandy Channel Race. Er hat wenig Verständnis für die Profi-Konkurrenz, die bei acht Windstärken abdrehte.

Jörg Riechers beim Normandy Channel Race

Jörg Riechers tankte beim Normandy Channel Race viel Selbstbewusstsein. © Jean Marie Liot/NCR

Vor dem Start waren wir schon etwas nervös. Denn wir wussten, dass der Leihmast etwas mehr Prebend hatte als unser altes Rigg. Außerdem war das Großsegel etwas flacher geschnitten. Dabei wussten wir nicht genau, wie sich das auf unseren Speed auswirken würde.

Aber schon nach der Startkreuz war klar, dass wir uns keine Sorgen machen müssen.
An der Kreuz lief es sogar noch schneller als 2012. Die Entscheidung vor dem Rennen, den Mastfall auf 4 Grad zu vergrößern war goldrichtig.

Schwesterschiff klar distanziert

Bei der Isle de Marcouf hatten wir schon einen komfortablen Vorsprung vor dem Feld und konnten auch Sebastian Rouges mit seinen leicht veränderten Schwesterschiff speedmäßig klar distanzieren.

"Mare" beim Normandy Channel Race

“Mare” am Ziel in Caen nach einem hart erkämpften Sieg beim Normandy Channel Race. © Jean Marie Liot/NCR

Aber nach der Rundung der Insel segelten wir als führendes Boot leider in ein Flautenloch. Und das nachfolgende Feld konnte das Dank des bei dieser Wettfahrt erlaubten Automatischen Identifikationssystem (AIS) sehr gut sehen. Sie segelten einen Bogen um uns. Schwupps war er weg unsere schöner 1. Platz.

Im Team mit Pierre Brasseur ist es allerdings ist eine unserer großen Stärken, dass wir nie nervös werden. Wir haben uns gesagt, dass die Ersten nur 5 Meilen vor uns sind und das wir diesen kleinen Fehler bis Start Point wieder repariert haben sollten.

Im Solent segelten wir dann wie Pac Man durch das Feld und kassierten einen Gegner nach dem anderen. Kurz vor Start Point waren denn Rouges und Jourdren dran. Besonders angenehm fürs Selbstbewusstsein war es, dem Schwesterschiff von Rogues 4 Meilen durch puren Speed abzunehmen.

“Man sollte nicht aufgeben”

Dass Sebastien Rouges und Bruno Jourdren schließlich aufgegeben haben und nach Plymouth abdrehten, weil 7 bis 8 Windstärken angesagt waren und sie “Angst” um ihre Segel hatten, traf bei uns auf Unverständnis. Ich denke, man sollte als Profi mit solch gut budgetierten Projekten, über die beide verfügen, nicht aufgeben.

Man ist es seinem Sponsor schuldig, das Rennen zu beenden. Bei den Amateuren, die in ihren Budgets sehr viel eingeschränkter sind, kann ich dagegen eine solche Entscheidung verstehen, wenn sie ihre Segel fürs Transat Jacques Vabre schonen wollen.

Jörg Riechers und Pierre Brasseur

Jörg Riechers und Pierre Brasseurs triumphale Ankunft im Ziel vor Cean. © Jean Marie Liot/NCR

Als der Wind dann auf 7 bis 8 Beaufort zunahm, ging unser Wechsel auf die Trinquette leider nicht so reibungslos über die Bühne wie gehofft. Zwei Meilen büßten wir durch das Manöver ein. Und die vergrößerten sich noch durch ein Tiden-Fenster bei Lizard Point zu einem Rückstand auf die führende “Made in Normandy” von 6 Meilen. Sehr ärgerlich.

Aber dann kam wieder unsere Stärke ins Spiel. Nicht entmutigen lassen und Gas geben. Als wir nach der Bahnverkürzung die virtuelle Marke “Virtual Tuskar Rock” den Abstand schon auf 4 Meilen reduziert hatten, wussten wir das wir wieder im Spiel waren.

Riesige Portion Selbstbewusstsein

Bei Lands End hatten wir den Rückstand egalisiert und wir wussten das wir auf den Close Reaching Leg nach Guernsey das schnellere Boot haben. Wir mussten nur konzentriert weiter segeln, um das Rennen zu gewinnen. Und das ist uns dann ja auch ganz gut gelungen.

Der Sieg beim NCR hat uns mit einer riesigen Portion Selbstbewusstsein versorgt. Wir wissen, dass wir nach unserem intensiven Training und einer starken Vorbereitung vielleicht sogar noch schneller sind als 2012. Und dabei sind wir nicht einmal dazu gekommen, unsere beiden Geheimwaffen – den Code Mare und den reffbaren Code 5 einzusetzten.

Also wir gehen jetzt mit großer Motivation in die kommenden Class 40 Rennen und freuen uns auf unseren neuen Mast. Unser großer Dank gilt noch einmal Aloys Le Claquin, der uns Mast und Großsegel geliehen hat. Außerdem hat das gesamte Mare Racing Team  unglaublich nach dem Bruch gearbeitet und uns diesen Sieg erst ermöglicht.

Sehr gefreut hat mich auch die gute Platzierung von Mathias und Boris. Es ist schön zu sehen, dass wir Deutsche in der ersten Liga des Offshore-Segelns voll mithalten können.

Spenden
https://yachtservice-sb.com

4 Kommentare zu „Normandy Channel Race: Jörg Riechers erklärt den Weg zum Sieg mit “Mare”“

  1. avatar Eule sagt:

    Toller Bericht aus allererster Hand.
    Da war manches sicherlich härter, als es hier dargestellt wird.
    Erst mal schnell einen neuen Mast setzen und dann bei diesen Wetterbedingungen…
    Absolut professionell, wobei ich mir schon überlege, ob ich da neidisch sein soll oder lieber froh bin, es in aller Regel ruhiger angehen lassen zu können.
    Gratulation für die tolle Leistung – und weiter so!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 28 Daumen runter 2

  2. avatar Ketzer sagt:

    Vielleicht war die Entscheidung abzudrehen und das Material zu schonen ja auch mit den Sponsoren abgestimmt? Die müssen ja am Ende für einen Bruch bezahlen… Einfache Kosten-Nutzen-Abschätzung.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 16

  3. avatar wooling sagt:

    Ein großer Segler, der Jörg Riechers. Ich wünsche ihm, dass er ausreichende Sponsorgelder für seinen Traum Vendée Globe – am besten mit einem neuen Schiff – zu Stande bekommt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 3

  4. avatar Sven sagt:

    Herzlichen Glückwunsch Jörg zum Sieg! Und noch mehr gratuliere ich seinem Team zum Sieg! Die haben nicht nur einen Mast organisiert und gestellt – Sondern haben diesen auch so gut getrimmt, dass das Schiff sehr schnell und ohne Bruch über die Bahn gekommen ist. Hoher Respekt gebührt Allen!

    Gleicher Respekt auch für Matthias und Boris, die sicherlich Vorbereitungsmäßig ganz anders aufgestellt sind.

    KLASSE!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *