Chicago-Mackinac-Unglück: Life Lines und Rettungswesten führten zum Tod

Trügerische Sicherheit

Überlebenskampf beim Chikago-Mackinac-Race aufgezeichnet von der Helmkamera.

Im Juli sind zwei Segler beim Cicago-Mackinac-Race in einem extremen Sturm auf dem Michigan See gestorben. Nun hat die Polizei die Untersuchungen abgeschlossen. Dabei stellte sich heraus, dass bei dem Orkan mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Stundenkilometern die Life Lines und Rettungswesten den Tod verursacht haben.

Associated Press berichtet, dass die beiden Mitglieder der achtköpfigen Crew primär an Kopfverletzungen und sekundär durch Ertrinken gestorben sind. “Es war ein tragischer Unfall”, sagt der bearbeitende Polizist Don Schneider der Petoskey News-Review. Niemand sei dafür verantwortlich zu machen.

Alarmierend für Segler ist allerdings die Tatsache, dass die Life Lines das große Problem für die Verunglückten waren, nachdem die Yacht gekentert und über Kopf liegen geblieben war. Die Leinen verhedderten sich unter dem Schiff und konnten von den Seglern nicht selber gelöst werden. Die sich selbst aufblasenden Rettungswesten haben sie zusätzlich behindert. Dabei ist nicht klar, zu welchem Zeitpunkt sie bewusstlos waren.

Sicher ist, dass die üblichen Rettungsmechanismen bei durchgekenterten Yachten nicht greifen. Auch beim Rambler Unglück haben die Segler über dramatische Tauchgänge berichtet, die mit einer aufgeblasenen Rettungsweste nicht funktioniert hätten.

Eine allgemeingültige  Strategie gibt es nicht. Beim Sydney Hobart Unglück war eine gerissene Life Line für den Tod von Profi Segler Glyn Charles verantwortlich. Die Illbruck Crew segelte bei ihrem Volvo Ocean Race Sieg überwiegend ohne Rettungswesten und vertraute im harten Wetter auf Life Lines.

Einhandsegler verzichten oft auf Rettungsweste und Life Line, weil sie allein durch das Hantieren mit dem Geschirr möglicherweise nicht schnell genug auf Gefahrensituationen reagieren können. Der Mini Segler Jean-Marc Allaire wäre aber wohlmöglich mit einer Sicherungsleine nicht verunglückt.

Beim normalen Fahrtensegeln gilt: Bloß nicht vom Schiff getrennt werden. Und das ist wohl auch richtig. Aber die Sicherheit kann trügerisch sein. Die Unglücke zeigen, dass es keine allgemein gültige Sicherheitsstrategie gibt, die man dogmatisch als allein selig machend vertreten könnte.

Für unterschiedliche Yachten und Boote sind unterschiedliche Lösungen sinnvoll. Es brechen nicht ständig Kiele ab, es kentern nicht ständig Boote durch. Der gesunde Menschenverstand hilft wohl dabei, die richtige Überlebensstrategie für das eigene Schiff zu finden.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Chicago-Mackinac-Unglück: Life Lines und Rettungswesten führten zum Tod“

  1. avatar Heini sagt:

    Das war eben in diesem Fall eine bedauerliche Ausnahme. Es gibt auch immer wieder extreme Autounfälle, bei denen es besser gewesen wäre, nicht angeschnallt gewesen zu sein. Aber die liegen unter 1%. Den anderen 99% hat der Gurt das Leben gerettet.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 24 Daumen runter 0

  2. avatar Ole H. sagt:

    Ich würd’ mir aufgrund der Berichte von Rambler und der Regatta auf dem Michigan See eine Halterung oder ein Etui für ein Notmesser an der Rettungsweste wünschen, so daß ich nach einer Durchkenterung gegebenenfalls die Lifeline kappen kann. Dann habe ich zwar immer noch das Problem, daß ich vom Auftrieb der Weste evtl. behindert werde, unter dem Schiff rauszukommen, aber bin zumindest frei vom Schiff.
    Bei einer Ohnmacht oder Kopfverletzungen, bei denen man das Bewusstsein verliert, hilft das auch nichts. Du ersäufst, ohne was zu merken oder tun zu können.

    Ich habe den Beitrag aber nicht so aufgefasst, daß die PSA wie Lifeline und Weste überdenkenswert wären, aber in diesen 2 speziellen und teilweise ähnlichen Situationen war es vielleicht nicht hilfreich, am Schiff befestigt zu sein. Genausowenig ist es hilfreich, wenn die Weste auslöst und du dich in engen Räumen nicht mehr bewegen kannst.

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  3. avatar chris sagt:

    Ich war auf Nachtwache beim WRTWR1989/90 als zwei Man im Südatlantik über Bord einer britischen Maxi gingen und Tony Phillips nur noch tot geborgen werden konnte.Er hatte eine Kopfverletzung durch ein umherschlagendes Backstag und trieb ein Fuss unter Wasser.Seine Arbeits und Sicherheitsweste hatte sich nicht aufgeblasen.Die anschliessende Diskusion über Sicherheit an bord kann man sich vorstellen.Eine kleine Gruppe einschliesslich mir verzichteten seitdem auf jegliche Sicherheitsausrüstung.Andere bewegten sich nur noch mit ihren Livelines von Augbolzen zu Augbolzen.Gespühr fürs schiff und beweglichkeit bieten meiner Meinung weit mehr Sicherheit.
    Schon lange bevorzuge ich die kombination aus skatehelm und surfweste egal ob bigboat oder 505er.

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  4. Eine Frage: ich arbeite an einem Projekt über einen Yachtunfall, von dem ich gehört habe, und der unter dem Titel Open Water 2, Adrift verfilmt wurde:
    Nach meinen Informationen ereignete er sich im Mittelmeer, genauer in der Aegais. Junge Leute hatten eine Yacht gemietet und sind im offenen Meer ins Wasser gesprungen, ohne daran zu denken, eine Leiter auszulegen. Sie konnten nicht mehr aufs Boot zurück, und sind alle verschollen. Die Yacht wurde verlassen vorgefunden. Interessanterweise hat die Versicherung dann später mit einer Wasserballmannschaft getestet, ob es wirklich unmöglich war, zurück an Bord zu gelangen. Auch die Wasserballer sind gescheitert, die Reling war zu hoch.
    Ich habe keine Quellen, und kann auch keine online filmen, ich erinnere mich an alles nur vom Hörensagen. Könnte mir jemand helfen, gesicherte Informationen über diesen Unfall zu bekommen?
    Vielen Dank, Christoph

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